Zinsentscheidung wird zur Glaubensfrage für die FED

Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK

Wie erwartet hat die FED die Zinsen heute unverändert gelassen. Deutlich spannender ist die Frage, was mehr Relevanz für die Entscheidung der US-Notenbank hatte: die US-Fundamentaldaten oder das politische Getöse Trumps?

Bereits in seiner ersten Amtswoche hat US-Präsident Donald Trump mit seinen Entscheidungen für Aufregung und Empörung gesorgt – auch wenn die Details und die konkreten Folgen für die US-Wirtschaft in vielen Fällen noch nicht absehbar sind. Darüber hinaus hat Trump zu seinen angekündigten Wachstumstreibern wie den geplanten Steuersenkungen und dem Infrastrukturprogramm bislang noch keine Details verlauten lassen. Diese durch Unsicherheit geprägte Nachrichtenlage spricht dafür, mit Zinsanhebungen noch zu warten.

Erfreuliche Fundamentaldaten sprechen für baldige Zinserhöhung

Die Fundamentaldaten vermitteln aber eine andere Botschaft: Die US-Konjunktur und insbesondere die US-Stimmungsindikatoren fallen derzeit sehr positiv aus, auch die Unternehmensgewinne entwickeln sich günstig – Argumente für Notenbankchefin Janet Yellen, den nächsten Zinsschritt schon bald zu wagen.

Bislang war die FED-Chefin dafür bekannt, sich nicht allzu stark durch die Politik beeinflussen zu lassen. Ihre Entscheidungsbasis waren stets die Fundamentaldaten, die aktuell unverändert für drei Zinsanhebungen im Laufe des Jahres sprechen. Das kann sich jetzt ändern. Die nächste Zinsentscheidung der FED wird möglicherweise zu einer Glaubensfrage zwischen ökonomischen Fakten und politischer Ungewissheit.

Wir denken, dass die FED die erste Zinserhöhung 2017 eher früher als später wagen sollte. Denn auch wenn Trumps Wirtschaftspolitik das Wachstum auf Dauer belastet, könnten dennoch Inflationserwartungen geweckt werden. Eine entsprechende „forward guidance“ könnten die US-Notenbanker schon bald nachreichen.

 

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