PFOF-Verbot ab 1. Juli: Was sich für Neobroker-Kunden ändert
Zum 1. Juli 2026 endet in Deutschland eine Übergangsfrist – und mit ihr ein Stück weit das Geschäftsmodell, das den Aufstieg der Neobroker überhaupt erst möglich gemacht hat. Ab diesem Tag ist Payment for Order Flow (PFOF) europaweit verboten.
Für viele Anleger klingt das zunächst natürlich sehr abstrakt.
Die eigentliche Frage dahinter ist aber ganz konkret: Wird mein Depot jetzt teurer?
Die kurze Antwort vorweg: Bei den meisten Anbietern ist bislang wenig angekündigt, und Grund zur Hektik gibt es nicht.
Es lohnt sich aber, genauer hinzusehen – denn die vier großen Neobroker gehen sehr unterschiedlich mit dem Verbot um.
Was steckt hinter Payment for Order Flow?
Das Prinzip ist schnell erklärt: Wenn Sie über einen Neobroker eine Aktie oder einen ETF kaufen, leitet der Broker Ihre Order an einen bestimmten Handelsplatz weiter. Dieser Handelsplatz – genauer gesagt ein sogenannter Market Maker – zahlt dem Broker dafür eine Rückvergütung.
Genau diese Zahlung ist Payment for Order Flow.
Sie ist einer der Gründe, warum eine Order bei vielen Neobrokern bisher nur einen Euro oder sogar gar nichts kostet.
Die EU sieht in diesem Modell einen möglichen Interessenkonflikt: Ein Broker könnte versucht sein, die Order nicht zum besten, sondern zum zahlungskräftigsten Handelsplatz zu schicken.
Mit dem Verbot soll dieser Anreiz verschwinden und der Handel transparenter werden.
Wird mein Trading jetzt teurer?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten – und das ist ehrlich gesagt schon die wichtigste Erkenntnis. Verboten wird nur die Rückvergütung, nicht der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Über diesen Spread können Handelsplätze weiterhin verdienen. Die Kosten verschwinden also nicht zwangsläufig, sie können sich eher verlagern – von einer sichtbaren Gebühr in eine, die im Kurs steckt.
Wichtig für die eigene Gelassenheit: An der Sicherheit Ihres Depots ändert das alles nichts.
Wertpapiere sind Sondervermögen und bleiben Ihr Eigentum, ganz unabhängig davon, wie ein Broker künftig sein Geld verdient.
Im Detail sieht die Lage bei den vier Anbietern so aus.
Smartbroker+: Ausgleich über die Kostenseite
Hinter Smartbroker+ steht die Smartbroker Holding, bekannt auch durch die Finanzportale wallstreet:online und FinanzNachrichten.de. Das Unternehmen gibt sich gelassen: Nach eigenen Angaben war PFOF nie die wichtigste Einnahmequelle, und der Wegfall soll über Einsparungen aufgefangen werden – ohne neue Gebühren für die Kunden. An den aktuellen Konditionen soll sich nichts ändern. Über den Handelsplatz gettex sind Orders ab 500 Euro weiterhin ohne Orderentgelt, darunter fällt 1 Euro an; Sparpläne bleiben kostenlos. Ob die Kompensation über die Kostenseite dauerhaft trägt, wird sich zeigen – die Richtung hat das Unternehmen aber klar vorgegeben.
- Mehr zum Anbieter und allen Konditionen im Smartbroker+ Porträt
finanzen.net Zero: Preismodell vorsorglich angepasst
finanzen.net Zero hat bereits gehandelt und zum 1. März 2026 ein neues Preis- und Leistungsverzeichnis eingeführt. Das Kernversprechen bleibt zunächst bestehen: Wer über gettex ab 500 Euro Ordervolumen handelt, zahlt kein direktes Orderentgelt.
Auf Guthaben gibt es allerdings weiterhin keine Zinsen. Ob die Konditionen nach dem 1. Juli exakt so bleiben, hat der Anbieter bisher nicht eindeutig zugesagt.
Hier lohnt also ein Blick ins Kleingedruckte, sobald die endgültigen Bedingungen feststehen.
- Details finden Sie im finanzen.net-Zero Porträt
justTRADE: noch ist nichts entschieden
Bei justTRADE, einem Angebot der Hamburger Sutor Bank, lohnt der genaue Blick ins offizielle Preisverzeichnis. Die Orderprovision für Aktien, ETFs und ähnliche Produkte liegt dort grundsätzlich bei 2,90 Euro – an den Handelsplätzen LS Exchange und Tradegate sinkt sie auf 1 Euro, weil die Handelspartner eine Ausgleichszahlung leisten. ETF-Sparpläne sind kostenlos, auf Guthaben gibt es keine Zinsen.
Und genau hier wird es mit Blick auf das Verbot interessant: Solche Ausgleichszahlungen der Handelspartner sind die Art von Zahlung, um die es bei PFOF geht. Wie justTRADE sein Preismodell ab dem 1. Juli ausgestaltet, hat das Unternehmen bislang noch nicht abschließend kommuniziert.
Wir bleiben an dem Thema dran und ergänzen die Details, sobald sie vorliegen, in einem Update zu diesem Artikel.
- Eine Übersicht der Leistungen bietet das justTRADE Porträt
Trade Republic: eigener Handelsplatz als Antwort
Trade Republic, der größte deutsche Neobroker, hat früh vorgesorgt. Im Januar 2026 erhielt das Unternehmen von der BaFin die Erlaubnis, einen eigenen Handelsplatz – ein sogenanntes multilaterales Handelssystem – zu betreiben. Damit könnte Trade Republic den Handel künftig selbst abwickeln, statt ihn wie bisher überwiegend über die Plattform von Lang & Schwarz laufen zu lassen. Nach eigenen Angaben macht PFOF inzwischen ohnehin weniger als 30% der Erträge aus; seit 2023 verdient das Unternehmen mit einer Vollbanklizenz zudem am verzinsten Konto seiner Kunden.
Ob und wie stark Trade Republic den eigenen Handelsplatz tatsächlich nutzt, ist noch nicht abschließend entschieden. Eine Erhöhung der Ordergebühren hat der Broker bislang nicht angekündigt, kostenlose ETF-Sparpläne sollen bleiben.
- Mehr dazu im Trade-Republic Porträt
Die wichtigsten Punkte der vier Anbieter noch einmal kompakt:
| Broker | Reaktion auf das Verbot | Für Kunden heißt das |
|---|---|---|
| Smartbroker+ | Ausgleich über Kostensenkung | Konditionen sollen unverändert bleiben |
| finanzen.net Zero | Preismodell zum 1. März angepasst | Kernkonditionen bleiben, Details teils offen |
| justTRADE | Modell ab 1. Juli noch offen | aktuelle Konditionen gelten – Update folgt |
| Trade Republic | eigener Handelsplatz (BaFin-Lizenz) | keine Gebührenerhöhung angekündigt |
Fazit: Ruhe bewahren, Konditionen im Blick behalten
Bei Smartbroker+ und Trade Republic stehen die Zeichen auf Kontinuität, finanzen.net Zero hat sein Modell bereits angepasst, und bei justTRADE bleibt abzuwarten, wie es konkret weitergeht.
Wer ein Depot bei einem Neobroker hat, sollte einfach die Konditionen im Auge behalten – vor allem dort, wo ein Anbieter sein künftiges Modell noch nicht endgültig festgezurrt hat.
Sobald die offenen Punkte geklärt sind, aktualisieren wir diesen Artikel.
Denn am Ende zählt nicht, ob eine Order einen Euro mehr oder weniger kostet, sondern dass Sie wissen, woran Sie sind.
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