Dividendenorientierte Aktien könnten zu den aktuellen Profiteuren zählen

Dividendenstrategien haben sich über verschiedene Marktzyklen hinweg als fester Bestandteil diversifizierter Portfolios etabliert, insbesondere dann, wenn sie mit klaren Qualitätskriterien kombiniert werden.

Während die vergangenen Quartale stark vom Thema Künstliche Intelligenz geprägt waren und wir weiterhin konstruktiv auf Technologie- und KI-nahe Unternehmen blicken, sehen wir aus Portfoliosicht auch Risiken durch die hohe Konzentration in den großen Aktienindizes. Viele Investoren suchen deshalb nach Möglichkeiten, ihre Engagements breiter aufzustellen.

Gleichzeitig sprechen das höhere Zinsniveau und die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten für Unternehmen mit robusten Bilanzen, stabilen Cashflows und nachhaltigen Ausschüttungsprofilen. Sollte sich die Marktführerschaft künftig auf eine größere Zahl von Unternehmen verteilen und nicht länger von wenigen Mega-Cap-Technologiewerten dominiert werden, könnten dividendenorientierte Aktien zu den Profiteuren zählen.

Die Diskussionen um weitere Mega-IPOs in den nächsten Monaten in Kombination mit der jüngsten Korrektor im Tech-Sektor rücken das Thema Diversifikation wieder verstärkt in den Fokus der Anleger. Dabei beobachten wir auch aufkeimendes Interesse von ETF-Investoren an europäischen Werten, sowohl im Aktien- als auch im Anleihebereich.

 

Finanzsektor: Europäische Banken dürften Ausschüttungen weiter erhöhen

Besonders im Finanzsektor zeigen sich interessante Unterschiede zwischen Europa und den USA. Europäische Banken haben ihre Bilanzen in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt und dürften ihre Ausschüttungen an Aktionäre im Jahr 2026 weiter erhöhen. Eine steilere Zinskurve unterstützt weiterhin die Nettozinsmargen, während das wirtschaftliche Umfeld in Europa trotz moderateren Wachstums ausreichend robust erscheint, um die Kreditrisiken auf einem überschaubaren Niveau zu halten.

US-Banken profitieren ihrerseits von einer widerstandsfähigen Wirtschaft, starken Aktienmärkten sowie einem vergleichsweise günstigen Zinsumfeld. Allerdings fließen Aktionärsrenditen in den USA häufiger über Aktienrückkäufe als über Dividenden. Die Ausschüttungsquoten liegen bei vielen US-Finanzinstituten im niedrigen 30-Prozent-Bereich, während zahlreiche europäische Banken Quoten von 50 Prozent oder mehr erreichen. Höhere Gewinne in den USA führen daher nicht zwangsläufig zu höheren Dividendenrenditen.

Für Europa erwarten wir trotz eines insgesamt herausfordernden Umfelds weiterhin moderates Dividendenwachstum. Das Gewinnwachstum je Aktie lag 2025 zwar im niedrigen einstelligen Bereich, die Ausschüttungsquoten lassen jedoch Spielraum für weitere Erhöhungen.

Während einzelne Branchen wie die Automobilindustrie ein schwierigeres Jahr verzeichneten, profitierten Banken und Versicherungen von einer soliden Profitabilität. Unter der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten nicht weiter verschärft oder sogar entschärft wird, erscheint ein Dividendenwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich realistisch.

 

Dividendenstrategien vs. Staatsanleihen

Die Diskussion um Dividendenstrategien findet derzeit auch vor dem Hintergrund attraktiver Anleiherenditen statt. Dennoch sehen wir Dividendenaktien und Anleihen nicht als direkte Konkurrenten.

Während festverzinsliche Wertpapiere derzeit attraktive laufende Erträge bieten, besitzen dividendenstarke Unternehmen die Möglichkeit, ihre Erträge und Ausschüttungen über die Zeit zu steigern und damit auch von einem inflationären Umfeld zu profitieren. Aus unserer Sicht erfüllen beide Anlageklassen unterschiedliche Funktionen innerhalb eines ausgewogenen Portfolios und haben somit beide ihre Daseinsberechtigung.

Eine regelbasierte europäische Qualitätsdividendenstrategie im ETF-Mantel bietet derzeit etwa 4,5% Dividendenrendite, während ein Portfolio hoher Qualität im Bereich Euro-Firmenanleihen etwa 3,5 Prozent liefert – beide können damit einen wertvollen Beitrag zu attraktiven regelmässigen Ausschüttungen und Diversifikation im Portfoliokontext leisten.

 

Marktkommentar von Marcus Weyerer, Director ETF Strategy EMEA bei Franklin Templeton

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