Tech-Aktien: Anleger unterschätzen die Risiken extremer Marktkonzentration

Die Dominanz weniger großer US-Technologieunternehmen erreicht nach Einschätzung von Paul Moghtader, Portfolio Manager/Analyst und Leiter des Equity Advantage-Teams bei Lazard Asset Management, zunehmend historische Dimensionen. Während viele Anleger auf die anhaltende Stärke der sogenannten „Magnificent Seven“ setzen, könnten die Risiken einer zu starken Konzentration unterschätzt werden.

„Die Magnificent Seven repräsentieren inzwischen rund ein Viertel der weltweiten Aktienmärkte und etwa ein Drittel des S&P 500. Die Entwicklung dieser wenigen Unternehmen prägt damit die Renditeerwartungen vieler Anleger stärker denn je“, erklärt Moghtader.

Besonders bemerkenswert sei die Größenordnung der aktuellen Marktbewegungen. Der Abstand zwischen wachstumsstarken Technologieunternehmen und defensiveren Sektoren wie Basiskonsumgütern liege mittlerweile bei rund 149 Prozent laut MSCI. Damit sei die Divergenz heute sogar rund dreimal so groß wie in den Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

„Viele Investoren fragen sich, ob wir erneut eine Übertreibung im Technologiesektor erleben. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, den richtigen Zeitpunkt für eine mögliche Trendwende zu erkennen“, so Moghtader. „An den Kapitalmärkten gibt es oft keinen Unterschied zwischen zu früh und falsch.“

 

 

Markttiming wird schwieriger

Nach Einschätzung des Experten haben sich die Rahmenbedingungen für Anleger in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Seit der Pandemie seien Stilrotationen an den Aktienmärkten häufiger, unvorhersehbarer und ausgeprägter geworden.

Als Beispiele nennt Moghtader den deutlichen Renditeabstand zwischen internationalen Value- und Quality-Aktien von rund 94 Prozent sowie die starke Outperformance US-amerikanischer gegenüber europäischen Aktien von rund 66 Prozent, welche auf Basis von MSCI-Daten hervorgehen. Beide Entwicklungen seien Ausdruck zunehmend abrupter Veränderungen der Anlegerpräferenzen.

„Die Ausschläge zwischen verschiedenen Marktsegmenten fallen heute deutlich stärker aus als in früheren Marktzyklen“, erklärt Moghtader. „Das erhöht das Risiko, selbst mit einer grundsätzlich richtigen Einschätzung über längere Zeit auf der falschen Seite einer Marktbewegung zu stehen.“

Auch innerhalb des Technologiesektors hätten sich zuletzt außergewöhnliche Unterschiede gezeigt. Allein im vergangenen Jahr habe sich zwischen Software- und Halbleiterunternehmen ein Renditeabstand von rund 72 Prozent aufgebaut – eine historische Ausnahme für zwei Branchen, die sich über viele Jahre weitgehend parallel entwickelt hätten.

 

Diversifikation gewinnt an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund rät Moghtader Anlegern davon ab, auf kurzfristige Marktprognosen oder einzelne Stilrichtungen zu setzen. „Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass diese Entwicklung nachlässt“, sagt er. „Umso wichtiger wird es, Portfolios breiter über unterschiedliche Investmentstile aufzustellen und die Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten zu reduzieren.“

Aus Sicht des Experten könnten ausgewogene Portfolios dazu beitragen, die Auswirkungen abrupt wechselnder Marktpräferenzen und makroökonomischer Unsicherheiten zu begrenzen. „In einem Umfeld extremer Marktkonzentration wird Diversifikation wieder zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Anleger“, so Moghtader.

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