ifo: kaum Impulse durch geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung

Die geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung für 2027 wird laut ifo Institut kaum neue Wachstumsimpulse für die Wirtschaft bringen. „Die Einkommensteuerreform der Bundesregierung ist eher Ausgleich als Aufbruch“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. „Sie gleicht vor allem die kalte Progression aus, also verdeckte Steuererhöhungen durch Inflation, und erhöht den Spitzensteuersatz. Echte Entlastungen für mehr Beschäftigung und Wirtschaftswachstum bleiben aus.“

Insgesamt fällt der Beschäftigungseffekt der geplanten Reform eher gering aus: Das Arbeitskräfteangebot wird nur wenig steigen. Den Staatshaushalt kostet die Maßnahme 10 Milliarden Euro. Berechnungen des ifo Instituts zeigen: Würde man das Ehegattensplitting in ein Realsplitting umwandeln, den Solidaritätszuschlag abschaffen und die Kürzungen von Sozialleistungen bei zusätzlichem Einkommen reformieren, könnte das Arbeitsangebot um 200.000 bis 400.000 Vollzeitstellen steigen – und zwar ohne zusätzliche Belastung für den Staatshaushalt.

Die Reform über einen erhöhten Spitzensteuersatz („Reichensteuer“) gegenzufinanzieren, sehen die Forschenden kritisch. Ab einem zu versteuernden Einkommen von 278.000 Euro (zuvor: 250.000 Euro) sollen Gutverdiener künftig 45 Prozent Steuern zahlen. Ab einem Einkommen von 280.000 Euro soll der Satz auf 47 Prozent steigen. Inklusive Solidaritätszuschlag zahlt diese Gruppe für jeden zusätzlich verdienten Euro damit fast die Hälfte ihres Einkommens an den Fiskus. Deutschland wird damit zum Hochsteuerland für Spitzeneinkommen. In vielen Fällen trifft die Erhöhung Personengesellschaften, also insbesondere mittelständische Unternehmen.

Die ifo-Forscher schlagen stattdessen vor, größere Entlastungen bei der Einkommensteuer über eine maßvolle Anhebung der Mehrwertsteuer, beispielsweise einen zumindest teilweisen Abbau der ermäßigten Steuersätze, gegenzufinanzieren. „Deutschland liegt bei der Belastung von Arbeit im internationalen Vergleich im Spitzenfeld, bei der Besteuerung von Konsumgütern wie Waren und Dienstleistungen dagegen eher im Mittelfeld“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft. „Eine höhere Mehrwertsteuer würde Investitions- und Arbeitsanreize weniger schwächen als eine zusätzliche Belastung hoher Einkommen und Unternehmensgewinne.“

Der Beitrag bewertet das am 1. Juli 2026 im Koalitionsausschuss beschlossene Reformpaket der Bundesregierung zur Einkommensteuerreform.

Analyse der Broker-Test.de Redaktion

Steuerreform 2027: Ausgleich statt Wachstumsimpuls – was Anleger beachten sollten

Die vom Koalitionsausschuss beschlossene Einkommensteuerreform der Bundesregierung fällt nach Einschätzung des ifo Instituts wenig ambitioniert aus. Kernkritik: Die Reform gleicht vorwiegend die kalte Progression aus, also inflationsbedingte verdeckte Steuererhöhungen, ohne echte Wachstums- oder Beschäftigungsimpulse zu setzen. Für Anleger ist das eine relevante Nachricht, weil die Standortbedingungen deutscher Unternehmen und die mittelfristige Wachstumsdynamik direkt betroffen sind.

Besonders im Fokus steht die Gegenfinanzierung über einen erhöhten Spitzensteuersatz. Ab einem zu versteuernden Einkommen von 278.000 Euro greift künftig ein Satz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro sogar 47 Prozent. Inklusive Solidaritätszuschlag zahlen Spitzenverdiener damit für jeden zusätzlichen Euro nahezu die Hälfte an den Fiskus. Entscheidend aus Anlegersicht: Diese Erhöhung trifft häufig Personengesellschaften, also viele mittelständische Unternehmen, deren Gewinne über die Einkommensteuer versteuert werden. Höhere Belastungen können hier Investitions- und Reinvestitionsspielräume schmälern.

 

Reform in Zahlen
Zentrale Eckdaten laut ifo Institut
10 Mrd. €
Kosten für den Staatshaushalt
▼ ohne nennenswerten Wachstumseffekt
47 %
Spitzensteuersatz ab 280.000 €
▼ höhere Belastung für Personengesellschaften
200.000–400.000
Zusätzliche Vollzeitstellen bei alternativem Reformweg
▲ ohne zusätzliche Haushaltsbelastung
Quelle: ifo Institut / eigene Einordnung. Keine Anlageberatung.

 

Alternative Reformwege und der Standortkontext

Das ifo Institut skizziert einen alternativen Pfad: Eine Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Realsplitting, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags sowie eine Reform der Sozialleistungskürzungen bei zusätzlichem Einkommen könnten das Arbeitsangebot um 200.000 bis 400.000 Vollzeitstellen erhöhen – haushaltsneutral. Zudem plädieren die Forscher für eine maßvolle Anhebung der Mehrwertsteuer, etwa durch teilweisen Abbau ermäßigter Sätze. Argument: Deutschland belastet Arbeit international im Spitzenfeld, Konsum dagegen nur im Mittelfeld. Eine Verlagerung würde Arbeits- und Investitionsanreize weniger schwächen.

Für Anleger bleibt entscheidend, dass es sich um Vorschläge des ifo Instituts handelt, nicht um beschlossene Politik. Die tatsächliche Umsetzung, mögliche Nachverhandlungen und die Wirkung auf Konsum, Binnennachfrage und Standortattraktivität sind offene Fragen, die den Rahmen für zyklische Werte, Konsumtitel und mittelständisch geprägte Segmente mitbestimmen.

 

Einordnung für Anleger
Chancen und offene Fragen der Reformdebatte
Chancen
  • Ausgleich der kalten Progression entlastet breite Einkommen
  • Alternativer Reformweg könnte Arbeitsangebot spürbar erhöhen
  • Debatte um Konsum- statt Arbeitsbesteuerung schafft Reformdynamik
Risiken
  • Höherer Spitzensteuersatz belastet mittelständische Personengesellschaften
  • Kaum Wachstums- und Beschäftigungsimpulse laut ifo
  • 10 Mrd. Euro Haushaltskosten ohne klaren Gegenwert
  • Umsetzung der ifo-Vorschläge politisch ungewiss
Quelle: ifo Institut / eigene Einordnung. Keine Anlageberatung.

 

Fazit: Die Reform bringt kurzfristig Entlastung, aber wenig strukturellen Schub. Für die Standortbewertung deutscher Aktien und Mittelständler bleibt entscheidend, ob künftige Reformschritte stärker auf Wachstum als auf Umverteilung setzen.

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