EZB und Anleger bleiben in Wartestellung
Zwar sind die Erwartungen eines weiteren Zinsschritts der EZB zuletzt spürbar gestiegen. Der Dreimonatssatz auf Sicht von 12 Monaten notiert derzeit bei rund 2,9%, nachdem er Anfang Juli noch bei 2,6% lag. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass der EZB-Rat in der kommenden Sitzung die Leitzinsen anheben wird. Verantwortlich dafür sind insbesondere die zuletzt relativ günstigen Inflationsdaten aus dem Euroraum und die weiterhin bestehende Chance auf moderate Zweitrundeneffekte des Ölpreisanstiegs.
Dies bedeutet für den Kapitalmarktzins, dass bis zu zwei Zinsschritte der EZB bereits eingepreist sind. Das Risiko, dass die Rendite 10-jähriger Bunds in den Bereich von 3,5% vorstößt, ist damit noch überschaubar. Zudem sollten die jetzt beschlossenen bzw. geplanten Reformen in Deutschland dazu beitragen, dass Bundesanleihen bei den Investoren nicht in Ungnade fallen.
Im Wochenausblick Ende Juni konnten wir noch auf eine längere Entspannungsphase am Rentenmarkt hoffen. Die Rendite 10-jähriger Bunds lag zeitweise bei 2,85%, aktuell bei rund 3,1%. Verantwortlich hierfür war der plötzliche Richtungswechsel des US-Präsidenten, der eine neue Runde im Irankrieg auslöste.
Die Lage ist sowohl für die EZB als auch für die Investoren knifflig. Ausschlaggebend wird letztlich die Entwicklung im Iran-Konflikt sein. Wenn Trump seine Drohung wahr macht und die Infrastruktur im Iran großflächig zerstören lässt, könnte in der ganzen Region die Öl- und Gasförderungsinfrastruktur ebenfalls erheblich beschädigt werden. Die Folgen für den Ölpreis wären deutlich spürbar und die EZB käme dann an einer Straffung nicht vorbei.
Momentan kann sich der Preis für ein Fass der Sorte Brent noch im Bereich von 80 US-Dollar halten. Zudem ist aufgrund des erratischen Stils des US-Präsidenten jederzeit denkbar, dass sich die Lage prompt wieder beruhigt. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die negativen Faktoren wie Ölpreis, Inflation und Zinsniveau den US-Präsidenten mit Blick auf die Midterm-Wahlen offenbar immer weniger tangieren und er Erfolge auf anderen Feldern sucht.
Die größte Gefahr für noch höhere Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks geht somit von einem fortgesetzten Anstieg der Rohölpreise auf über 100 USD pro Fass aus. In den letzten Monaten wurde deutlich, dass die Geopolitik einen wachsenden Einfluss auf die Rentenmärkte hat. Investoren dürften dies bei ihren Anlageentscheidungen stärker berücksichtigen, was auch mittel- bis langfristig gegen merklich niedrigere Renditeniveaus spricht.
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