Arbeitsmarkt und Inflation dominieren die kommende Handelswoche, Broadcom liefert Realitätscheck für KI-Aktien

Die erste Septemberwoche dürfte an den internationalen Finanzmärkten vor allem von der US-Arbeitsmarktdebatte, den neuen europäischen Inflationsdaten und einem weiteren Stresstest für den KI-Investitionszyklus durch Broadcom geprägt werden.

Die Ausgangslage für die Federal Reserve ist dabei anspruchsvoll: Das US-BIP wuchs im zweiten Quartal nach der zweiten Schätzung lediglich mit einer annualisierten Rate von 1,5 Prozent nach 2,1 Prozent im ersten Quartal. Gleichzeitig lag der PCE-Preisindex im Juli noch 3,7 Prozent und die Kernrate 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit trifft eine sich abschwächende Wachstumsdynamik weiterhin auf einen deutlich erhöhten Inflationsdruck.

 

DAX beendet die Handelswoche mit neuem Rekordhoch

Der DAX legte auf Wochensicht rund 1,65 Prozent zu und schloss die Handelswoche mit einem neuen Rekordhoch ab. Im Tagesverlauf am Freitag markierte der Leitindex bei 26.618,74 Punkten ein neues Allzeithoch, bevor er zum Handelsende mit einem Plus von 0,77 Prozent auf 26.569,99 Zähler schloss – auch auf Schlusskursbasis eine neue Bestmarke.

Der Wochenverlauf war dabei alles andere als geradlinig. Zum Wochenauftakt verbuchte der Leitindex ein Minus von 0,11 Prozent auf 26.106,60 Punkte, wobei Halbleitertitel wie Infineon unter Druck gerieten. Auch steigende Anleiherenditen belasteten die Stimmung und lenkten Anleger von Aktienkäufen ab. Mitte der Woche dominierten die Nvidia-Quartalszahlen die Agenda – trotz eines starken Zahlenwerks blieb die Kursreaktion  im DAX gedämpft.

Den entscheidenden Impuls lieferte schließlich der Freitag. Obwohl Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole eine weiterhin straffe Zinspolitik signalisierte, fokussierten sich die Anleger auf seine sehr optimistische Einschätzung der US-Wirtschaftsdaten und den massiven Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz – die Hoffnung auf anhaltend hohe Unternehmensgewinne überwog die Sorgen vor ausbleibenden Zinssenkungen.

DAX Chart

US-Arbeitsmarkt wird zum zentralen Makrokomplex der Woche

Im Vorfeld der im September anstehenden Notenbanksitzungen mit potentiellen Zinsänderungsterminen fällt als zentraler Makrokomplex in der kommenden Handelswooche eindeutig der US-Arbeitsmarkt auf. Bereits der Juli-Bericht hatte für Ernüchterung gesorgt: Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft sank um 23.000 Stellen, während die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent lag. Das war ein deutlicher Bruch gegenüber den durchschnittlichen Beschäftigungszuwächsen der vorangegangenen Monate.

Am Dienstag folgen die JOLTS-Daten zu offenen Stellen, am Mittwoch der ADP-Bericht für den privaten Arbeitsmarkt und am Freitag schließlich der offizielle Arbeitsmarktbericht für August. Gerade angesichts des schwachen Juli-Werts können Abweichungen bei Payrolls, Stundenlöhnen und Arbeitslosenquote erhebliche Bewegungen bei Treasury-Renditen, US-Dollar und Technologieaktien auslösen.

Parallel dazu liefern die beiden ISM-Einkaufsmanagerindizes einen wichtigen Realitätscheck für die US-Konjunktur. Der Manufacturing PMI erscheint am Dienstag, der deutlich bedeutendere Services PMI am Donnerstag jeweils um 16:00 Uhr MESZ. Da Dienstleistungen den größten Teil der amerikanischen Wirtschaftsleistung stellen, dürften insbesondere Beschäftigungs- und Preiskomponenten des Services-Index genau beobachtet werden. Die Veröffentlichungstermine sind vom Institute for Supply Management offiziell für den 1. beziehungsweise 3. September bestätigt.

 

Dienstag könnte zum wichtigsten europäischen Handelstag werden

In Europa beginnt die Woche bereits am Montag mit einem wichtigen Inflationssignal aus Deutschland. Die vorläufigen Verbraucherpreise für August werden um 14:00 Uhr erwartet. Im Juli war die deutsche HICP-Inflationsrate deutlich von 2,4 auf 2,8 Prozent gestiegen; die Kernrate lag bei 2,6 Prozent. Vor dem Hintergrund weiterhin hoher Energiepreise erhält die August-Zahl damit besonderes Gewicht für die Erwartungen an die EZB. Am Dienstag folgt bereits die vorläufige Inflationsrate für die gesamte Eurozone. Die Jahresinflation hatte im Juli bei 2,9 Prozent gelegen und damit wieder spürbar oberhalb des EZB-Ziels.

Damit könnte Dienstag, der 1. September, zum wichtigsten europäischen Handelstag der Woche werden. Um 10:00 Uhr erscheint der endgültige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, eine Stunde später folgen Eurozonen-Inflation und Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 6,3 Prozent. Die Kombination aus Aktivität, Inflation und Arbeitsmarkt dürfte dem Markt ein vergleichsweise vollständiges Bild davon liefern, ob die EZB weiterhin primär auf den erhöhten Preisdruck reagieren muss oder zunehmende Wachstumsrisiken stärker berücksichtigen kann.

 

Chinesische Einkaufsmanagerindizes eröffnen die neue Handelswoche

Aus Asien kommt der wichtigste Impuls bereits vor dem europäischen Wochenauftakt aus China. Am Montag veröffentlicht das National Bureau of Statistics die offiziellen Einkaufsmanagerindizes für August. Der Manufacturing PMI war im Juli deutlich auf 49,2 Punkte gefallen und damit wieder unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten gerutscht. Auch Produktion und Auftragseingänge lagen unterhalb dieser Marke.

Eine weitere Verschlechterung könnte insbesondere Rohstoffe, europäische Automobil- und Luxusgüterwerte sowie Unternehmen mit hoher China-Exponierung belasten. Eine Erholung zurück in Richtung 50 Punkte würde dagegen Hoffnungen auf eine Stabilisierung der chinesischen Industrie unterstützen.

Japan liefert am Dienstag die vierteljährliche Finanzstatistik der Unternehmen für April bis Juni. Sie enthält unter anderem wichtige Informationen über Investitionen und Unternehmensgewinne und fließt später in die Revision der japanischen BIP-Daten ein. Damit kann sie vor allem für Yen, japanische Industrieaktien und die Erwartungen an die Bank of Japan relevant werden.

 

US-Techsektor mit Broadcom-Quartalszahlen

Auf Unternehmensseite ist die Berichtssaison in Europa inzwischen weitgehend ausgelaufen. Mit Swiss Life steht am Dienstag dennoch ein bedeutender europäischer Finanzwert auf der Agenda. Wesentlich stärker richtet sich das Interesse jedoch erneut auf den amerikanischen Technologiesektor. GitLab, C3 AI und UiPath liefern innerhalb weniger Tage neue Einblicke in die Frage, wie schnell sich generative und agentenbasierte KI tatsächlich in Unternehmenssoftware monetarisieren lässt.

Der mit Abstand wichtigste Unternehmenstermin folgt am Mittwoch mit Broadcom. Broadcom ist neben Nvidia inzwischen einer der wichtigsten Gradmesser dafür, wie breit sich der KI-Infrastrukturboom innerhalb der Halbleiterindustrie entwickelt.

 

Broadcom Aktie Chart

 

Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch. Broadcom hatte für das dritte Geschäftsquartal einen Gesamtumsatz von rund 29,4 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Besonders relevant ist jedoch das KI-Halbleitergeschäft: Nach 10,8 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal erwartet CEO Hock Tan für Q3 einen Anstieg auf rund 16 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von mehr als 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde.

Entscheidend werden deshalb Aussagen zu Custom AI Accelerators, Networking, Hyperscaler-Investitionen sowie zur Nachhaltigkeit dieser außergewöhnlich hohen Wachstumsraten sein.

 

Wichtige Unternehmens- und Quartalstermine

Datum

Uhrzeit MESZ

Unternehmen

Termin und Marktfokus

Mi., 02.09.

23:00

Broadcom

Q3 FY2026. Wichtigster Unternehmenstermin der Woche; Fokus auf AI-Chips, Custom Accelerators, Networking, VMware sowie den Ausblick.

Mi., 02.09.

23:00

C3 AI

Q1 FY2027. Besonders relevant sind Umsatzentwicklung, Auftragseingang, Restrukturierungsfortschritte und Nachfrage nach Enterprise- und Agentic-AI-Lösungen.

Do., 03.09.

23:00

UiPath

Q2 FY2027. Fokus auf ARR, Net New ARR, Profitabilität und die Nachfrage nach Agentic Automation und AI-Orchestration.

 

Wichtige makroökonomische Termine

Datum

Uhrzeit MESZ

Region

Ereignis und Bedeutung

Mo., 31.08.

03:30

China

Offizielle Manufacturing- und Non-Manufacturing-PMIs August. Nach dem Manufacturing-Wert von 49,2 im Juli besonders wichtig für China-Sentiment, Rohstoffe und europäische China-Exposures.

Mo., 31.08.

14:00

Deutschland

Verbraucherpreise/HVPI August, vorläufig. Juli-HVPI: +2,8 % y/y. Wichtiger Vorläufer für die Eurozonen-Inflation.

Di., 01.09.

01:50

Japan

Financial Statements Statistics of Corporations Q2. Enthält wichtige Angaben zu Unternehmensgewinnen und Investitionen und ist relevant für spätere BIP-Revisionen.

Di., 01.09.

10:00

Eurozone

HCOB Manufacturing PMI August, final. Detailblick auf Industrie, Auftragseingänge, Beschäftigung und Preisdruck.

Di., 01.09.

11:00

Eurozone

Inflation August, Flash Estimate, und Arbeitslosenquote Juli. Einer der wichtigsten europäischen Datenblöcke der Woche. Juli-Inflation: 2,9 %; Juni-Arbeitslosenquote: 6,3 %.

Di., 01.09.

16:00

USA

JOLTS Juli. Offene Stellen, Einstellungen und Kündigungen liefern den ersten großen US-Arbeitsmarktimpuls der Woche.

Di., 01.09.

16:00

USA

ISM Manufacturing PMI August. Auftragseingänge, Beschäftigung und Preise dürften besonders beachtet werden.

Mi., 02.09.

14:15

USA

ADP-Arbeitsmarktbericht August. Im Juli entstanden lediglich 44.000 private Stellen; wichtiger Vorlauf zum offiziellen Arbeitsmarktbericht.

Do., 03.09.

10:00

Eurozone

HCOB Services- und Composite-PMI August, final. Wichtig für die Einschätzung der binnenwirtschaftlichen Dynamik und des Preisdrucks im Dienstleistungssektor.

Do., 03.09.

14:30

USA

Produktivität und Lohnstückkosten Q2, Revision. Wichtig für die Bewertung des mittelfristigen Lohn- und Inflationsdrucks.

Do., 03.09.

16:00

USA

ISM Services PMI August. Einer der wichtigsten Aktivitätsindikatoren der US-Wirtschaft; besonders interessant sind Employment und Prices Paid.

Fr., 04.09.

11:00

Eurozone

Einzelhandelsumsätze Juli. Im Juni waren die Umsätze um 0,3 % gegenüber dem Vormonat gefallen.

Fr., 04.09.

14:30

USA

Arbeitsmarktbericht August: Nonfarm Payrolls, Arbeitslosenquote und Stundenlöhne. Wichtigster Makrotermin der gesamten Woche.

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