Anleihen: Zunehmende Sorgen um Staatsverschuldungen
Der Trend zu immer höheren Zinsen hat sich nicht fortgesetzt – nach unten ging es diese Woche allerdings auch nur kurzfristig. „Die Renditen bleiben hoch“, berichtet ICF-Händler Arthur Brunner. Der die Inflationssorgen schürende Ölpreis war im Laufe der Woche gefallen, steigt am heutigen Freitag aber schon wieder.
Auslöser für den Zinsanstieg waren nicht nur Inflationssorgen, sondern auch die hohen Staatsschulden vielerorts – auch in den USA. Dazu kommt der immense Kapitalbedarf der US-Tech-Unternehmen zur Finanzierung der KI-Investitionen.
Die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen liegt mit aktuell 3,78 Prozent so hoch wie zuletzt 2011, ebenso die zehnjähriger mit aktuell 3,27 Prozent. Die Rendite dreißigjähriger US-Treasuries war sogar auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen.
Budget-Krise in Frankreich, Zeichen auf Zinserhöhung
Eine besondere Sorge im Euroraum gilt Frankreich. „Ohne einen Haushaltsbeschluss für 2027 droht das Haushaltsdefizit Berechnungen zufolge auf mindestens 5,5 Prozent des BIP zu steigen“, berichtet Metzler-Analyst Leon Ferdinand Bost. Das zeige sich auch an den Anleihemärkten – mit Renditen für zehnjährige Staatsanleihen von über 4 Prozent und steigendem Aufschlag gegenüber Bundesanleihen.
Was die Entwicklung der Leitzinsen in der Eurozone angeht, wird am Markt fest von einer weiteren Zinserhöhung am 10. September ausgegangen.
Norwegische Staatsanleihe beliebt
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen sind die Umsätze in Fremdwährungen hoch, wie die Händler berichten. Gekauft werden Brunner zufolge norwegischen Staatsanleihen in Kronen. Ein Beispiel: eine mit Fälligkeit 2034 und aktueller Rendite von 4,34 Prozent (NO0013148338). Abgestoßen worden seien zwischenzeitlich US-Langläufer, und zwar mit Fälligkeit 2044 und 3,125-Kupon (US912810RH32). „Das waren wohl Gewinnmitnahmen.“
Zugegriffen wird außerdem bei einer neuen, auf türkische Lira lautenden Anleihe der European Bank for Reconstruction and Development (XS3457420423), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet. Diese läuft bis 2028 und bietet zum aktuellen Kurs eine Rendite von 39 Prozent. Die Inflation in der Türkei sinkt zwar, lag im Juli aber immer noch bei 31,8 Prozent.
Interesse an australischen Dollar
Beruhigt habe sich die Lage bei der in den Vorwochen extrem volatilen Anleihe von Homann Holzwerkstoffe (NO0013536169). Erholt hat sich laut Brunner der Bond der Unternehmensgruppe Hörmann Industries (NO0012938325), der Mitte des Monats unter Abgabedruck geraten war. Jetzt wird Hörmann wieder zu 102,2 Prozent gehandelt.
Neues gibt es von Leasing-Anbieter Grenke (XS3485481157), wie der ICF-Händler außerdem berichtet. Der Bond bietet 4,625 Prozent und läuft bis 2031, Mindestanlagesumme sind 1.000 Euro.
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