Wochenvorausschau: Fed, BoE und BoJ rücken in den Mittelpunkt der Finanzmärkte
Der DAX hat auch die zweite Septemberwoche in Folge mit einem Minus abgeschlossen. Zum Freitagsschluss notierte der Leitindex bei 25.568,56 Punkten – ein Wochenverlust von rund 1,8 Prozent. Damit hat der DAX seit seinem Allzeithoch von 26.619 Punkten vom 28. August inzwischen gut vier Prozent abgegeben.
Das Wochenhighlight war der EZB-Zinsentscheid am Donnerstag: Die Notenbank hob die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte an – der Einlagensatz steigt damit auf 2,50 Prozent. Der Schritt war vom Markt weitgehend erwartet worden.
DAX Chart
US-Einzelhandelsumsätze und Fed-Entscheid treffen am Mittwoch zusammen
Die kommende Handelswoche steht außergewöhnlich stark im Zeichen der Notenbanken. Innerhalb von nur drei Handelstagen entscheiden die Federal Reserve, die Bank of England und die Bank of Japan über ihren geldpolitischen Kurs. Gleichzeitig treten mit den US-Einzelhandelsumsätzen, den britischen Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie den vollständigen Eurozonen-Inflationszahlen wichtige Konjunkturindikatoren hinzu. Die Unternehmensagenda ist dagegen vergleichsweise dünn. Für die übergeordneten Aktienindizes dürften deshalb Zinsen, Anleiherenditen und Währungen stärker im Vordergrund stehen als die klassische Berichtssaison.
Für die Federal Reserve ist die Ausgangslage besonders interessant. Der amerikanische Arbeitsmarkt hat im August wieder an Dynamik gewonnen: Außerhalb der Landwirtschaft entstanden 162.000 neue Stellen, nach lediglich 21.000 im Juli, während die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent verharrte. Bei ihrer Sitzung Ende Juli hatte die Fed den Zielkorridor bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen – allerdings mit einem ungewöhnlichen Abstimmungsergebnis von 9 zu 3. Drei Mitglieder hatten bereits eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bevorzugt. Am Freitag lieferten die US-Verbraucherpreise keinen positiven Impuls – die Kerninflation legte im August stärker als erwartet zu, was Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed in der kommenden Woche weiter befeuerte.
Europa startet mit neuer geldpolitischer Ausgangslage in die Woche
Europa startet mit einer völlig neuen geldpolitischen Ausgangslage in die Woche. Die EZB erhöhte am 10. September, ihre drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte. Ab Mittwoch beträgt der Einlagensatz damit 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz 2,90 Prozent. Gleichzeitig erhöhte die EZB ihre Inflationsprojektionen für 2027 und 2028 und erwartet im Basisszenario eine durchschnittliche Gesamtinflation von 3,0 Prozent für 2026, 2,5 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028. Für das Wachstum werden 0,9 Prozent, 1,4 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent prognostiziert.
Die europäischen Märkte werden deshalb insbesondere beobachten, ob die Konjunkturdaten den restriktiveren EZB-Kurs bestätigen. Am Dienstag liefert der ZEW-Index einen frühen Stimmungsindikator für Deutschland. Am Donnerstag folgt die vollständige Eurostat-Veröffentlichung der August-Inflation. Die Flash-Schätzung hatte einen deutlichen Anstieg der Eurozonen-Inflation von 2,9 auf 3,3 Prozent ergeben. Auffällig ist allerdings die Zusammensetzung: Energiepreise lagen 14,3 Prozent höher als vor einem Jahr, während die Inflation ohne Energie lediglich 2,2 Prozent betrug. Damit bleibt die Frage zentral, ob sich der Energieschock in eine breitere und dauerhaftere Inflation übersetzt.
Großbritannien liefert ebenfalls eine außergewöhnlich dichte Datenfolge. Am Dienstag erscheinen Arbeitsmarkt- und Lohndaten, am Mittwoch die Verbraucherpreise für August und am Donnerstag um 13:00 Uhr MESZ die Entscheidung der Bank of England. Der aktuelle Leitzins liegt bei 3,75 Prozent. Auch innerhalb der BoE bestehen erhebliche Meinungsunterschiede: Bei der letzten Sitzung votierten sechs Mitglieder für unveränderte Zinsen, während drei bereits eine Erhöhung auf 4,0 Prozent befürworteten. Am Freitag folgen schließlich die britischen Einzelhandelsumsätze für August.
China und Bank of Japan liefern die wichtigsten Asien-Impulse
Japan rückt dagegen am Ende der Woche in den Mittelpunkt. Die Bank of Japan hält am 17. und 18. September ihre nächste Monetary Policy Meeting ab. Der genaue Veröffentlichungszeitpunkt der Entscheidung ist nicht festgelegt und erfolgt üblicherweise nach Abschluss der Sitzung. Damit können am Freitag insbesondere USD/JPY, japanische Staatsanleihen und Bankaktien stärker reagieren.
Berichtssaison wird ruhiger, Lennar und Trip.com im Fokus
Auf Unternehmensseite ist die Berichtssaison deutlich ruhiger. Der wichtigste amerikanische Termin dürfte Lennar sein. Einer der größten US-Hausbauer veröffentlicht seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal am Mittwoch nach US-Börsenschluss und hält am Donnerstag um 17:00 Uhr MESZ die Analystenkonferenz ab. Die Zahlen treffen unmittelbar auf die US-Housing-Starts am Donnerstag und liefern damit einen interessanten fundamentalen Gegencheck zur Lage des zinssensitiven amerikanischen Immobilienmarktes.
In Europa stehen unter anderem NEXT, Trustpilot und Greencoat Renewables auf dem Kalender. NEXT besitzt als einer der größten britischen Mode- und Onlinehändler besondere Aussagekraft für den britischen Konsum. Trustpilot liefert einen interessanten Blick auf die Entwicklung von Subscription- und Software-Umsätzen, während Greencoat Renewables zu Wochenbeginn Hinweise auf die Rendite- und Finanzierungsbedingungen im europäischen Renewable-Infrastructure-Sektor liefern dürfte.
Mit Trip.com kommt am Dienstagabend zusätzlich ein wichtiger chinesischer Unternehmensimpuls hinzu. Die Gesellschaft veröffentlicht nach US-Handelsschluss ihre Ergebnisse für das zweite Quartal und erste Halbjahr. Die Telefonkonferenz beginnt um 02:00 Uhr MESZ am Mittwochmorgen. Die Zahlen dürften Hinweise auf die Entwicklung des chinesischen Binnen-, Auslands- und internationalen Reiseverkehrs liefern.
Wichtige Unternehmens- und Quartalstermine
|
Datum |
Uhrzeit MESZ |
Unternehmen |
Termin und Marktfokus |
|
Mo., 14.09. |
08:00 / Call 10:00 |
Greencoat Renewables |
H1 2026. Fokus auf Cash-Generierung, Verschuldung, NAV, Strompreise und die wachsende Ausrichtung auf Renewable- und Green-Data-Centre-Infrastruktur. |
|
Di., 15.09. |
Uhrzeit noch nicht offiziell spezifiziert |
Trustpilot |
Halbjahreszahlen 2026. Beobachtet werden Umsatzwachstum, Bookings, EBITDA-Marge, Cashflow und Expansion in den USA. |
|
Di., 15.09. |
nach US-Schluss / Call Mi. 02:00 |
Trip.com Group |
Q2 und H1 2026. Wichtiger China-Konsumindikator mit Fokus auf Hotel-, Flug- und internationale Reisebuchungen sowie Margen. |
|
Mi., 16.09. |
nach US-Börsenschluss |
Lennar |
Q3 2026. Wichtig für US-Wohnungsmarkt, Neubaupreise, Auftragseingang, Incentives und Margen. Analystencall am Donnerstag um 17:00 MESZ. |
|
Do., 17.09. |
Uhrzeit noch nicht offiziell spezifiziert |
NEXT plc |
Halbjahresergebnisse. Bedeutender Read-through für britischen Konsum, Modehandel, Onlinegeschäft, Margen und Jahresprognose. |
Wichtige makroökonomische Termine
|
Datum |
Uhrzeit MESZ |
Region |
Ereignis und Marktbedeutung |
|
Di., 15.09. |
04:00 |
China |
August Activity Data: Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze, Anlageinvestitionen und Immobilienmarkt. Wichtigster chinesischer Makrokomplex der Woche. |
|
Di., 15.09. |
08:00 |
Großbritannien |
Arbeitsmarkt September / Lohndaten. Relevant für die BoE-Entscheidung zwei Tage später. |
|
Di., 15.09. |
11:05 |
Deutschland |
ZEW-Konjunkturerwartungen September. Frühindikator für die Stimmung institutioneller Investoren. |
|
Di., 15.09. |
ca. 11:00* |
Eurozone |
Außenhandel Juli. Im Juni erzielte die Eurozone einen Handelsbilanzüberschuss von 8,6 Mrd. Euro. |
|
Di.–Mi., 15.–16.09. |
— |
USA |
FOMC-Sitzung. Die Fed startet am Dienstag ihre zweitägige geldpolitische Sitzung. |
|
Mi., 16.09. |
08:00 |
Großbritannien |
Verbraucherpreise August. Einer der wichtigsten Inputs für Inflationserwartungen und BoE-Politik. |
|
Mi., 16.09. |
14:30 |
USA |
Einzelhandelsumsätze August. Zentraler Test für die Widerstandsfähigkeit des amerikanischen Konsumenten. |
|
Mi., 16.09. |
14:30 |
USA |
Import- und Exportpreise August. Relevant für importierten Inflationsdruck und Handelskosten. |
|
Mi., 16.09. |
20:00 |
USA |
Federal-Reserve-Zinsentscheidung. Aktueller Zielkorridor: 3,50–3,75 %. Wichtigster globaler Termin der Woche. |
|
Mi., 16.09. |
20:30 |
USA |
Fed-Pressekonferenz. Besonders relevant sind Aussagen zum Inflationsrisiko, Arbeitsmarkt und weiteren Zinskurs. |
|
Do., 17.09. |
ca. 11:00* |
Eurozone |
Finale HICP-Inflation August. Flash Estimate: 3,3 % y/y, davon Energie +14,3 %. |
|
Do., 17.09. |
13:00 |
Großbritannien |
Bank-of-England-Zinsentscheidung und Minutes. Aktueller Bank Rate: 3,75 %. |
|
Do., 17.09. |
14:30 |
USA |
Housing Starts und Baugenehmigungen August. Wichtig für Hausbauer, Baustoffe, Banken und Hypothekenmarkt. |
|
Do.–Fr., 17.–18.09. |
keine feste Veröffentlichungszeit |
Japan |
Bank-of-Japan-Sitzung. Entscheidung am Freitag nach Abschluss der Sitzung; wichtig für Yen und JGB-Renditen. |
|
Fr., 18.09. |
08:00 |
Großbritannien |
Einzelhandelsumsätze August. Gradmesser für Konsum und reale Kaufkraft. |
|
Fr., 18.09. |
15:15 |
USA |
Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung August. Wichtigster amerikanischer Aktivitätsindikator zum Wochenschluss. |
Marktausblick
Besonders wichtig wird sein, wie die Fed den Zielkonflikt zwischen dem wieder robusteren Arbeitsmarkt und weiterhin erhöhten Inflationsrisiken bewertet. Sollte der heute Nachmittag veröffentlichte August-CPI erneut starken Preisdruck zeigen, dürfte der Markt die drei bereits im Juli für eine Zinserhöhung votierenden FOMC-Mitglieder besonders ernst nehmen. Eine hawkishere Fed-Kommunikation würde tendenziell steigende US-Renditen und einen festeren Dollar begünstigen und könnte damit vor allem hoch bewertete Growth- und Technologieaktien belasten. Ein überraschend schwacher CPI würde dagegen den Handlungsspielraum der Fed vergrößern.
Für Europa ist die Konstellation ebenfalls bemerkenswert. Die EZB hat gerade gestrafft, während am Donnerstag die finalen Inflationszahlen zeigen müssen, ob der Sprung auf 3,3 Prozent tatsächlich primär ein Energiephänomen bleibt. Sollte sich der Preisdruck stärker auf Dienstleistungen oder andere Kernkomponenten ausbreiten, könnte die Diskussion über weitere Zinserhöhungen schnell an Dynamik gewinnen. Das wäre insbesondere für Immobilien-, hochverschuldete Growth- und andere zinssensitive Titel relevant, während Banken auf der Zinsseite zunächst profitieren könnten.
Am Donnerstag und Freitag erweitert sich das Bild zusätzlich über BoE und BoJ. Gerade für den Devisenmarkt entsteht damit eine seltene Konstellation: Innerhalb von etwa 48 Stunden liefern Fed, BoE und BoJ neue geldpolitische Signale, unmittelbar nachdem die EZB ihre Zinsen erhöht hat. EUR/USD, GBP/USD und insbesondere USD/JPY dürften deshalb neben den globalen Anleihemärkten zu den empfindlichsten Underlyings der Woche gehören.
Disclaimer & Risikohinweis
CFDs und OTC Optionen sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 70% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim Handel mit CFDs und OTC Optionen bei diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFDs und OTC Optionen funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.
Themen im Artikel
Infos über CMC Markets
CMC Markets bietet Tradern CFDs auf über 12.000 Basiswerte an. Neben Devisen, Indizes, ETFs, Rohstoffen, Kryptowährungen und Staatsanleihen können bei CMC Markets auch über 10.000 Aktien als CFDs gehandelt werden. Neben der eigenen NextGeneration Handelsplattform werden auch eine TradingApp so...
CMC Markets Nachrichten
-
DAX fängt sich zum Wochenschluss – Notenbanken in der Zwickmühle
Auf dem Börsenparkett war die Erleichterung über die ausgebliebene Überraschung bei der Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise deutlich spürbar. Lediglich die Kernrate lag im August im Monatsvergleich...
-
DAX leicht höher erwartet – Stagflationsangst erreicht das Börsenparkett
An der Börse wächst die Angst vor potenziellen Stagflationsszenarien in Europa und den USA. Die weiter steigenden Energiekosten schüren die Inflation und setzen die Notenbanken...
-
DAX stabilisiert sich – EZB-Pressekonferenz spannender als die Entscheidung
Die Situation im Nahen Osten bleibt angespannt und übt Druck auf die Energiepreise aus. Öl notiert weiter über 100 Dollar pro Barrel und damit auf...
-
DAX rutscht ab – Ölpreis über 100 Dollar macht Anleger nervös
Die Eskalation im Nahen Osten sorgt für einen Sprung des Ölpreises über 100 Dollar und so für steigende Nervosität auf dem Börsenparkett. Insbesondere bei den...
-
DAX wieder unter 26 000 Punkten erwartet – Naher Osten kommt nicht zur Ruhe
Der Ölpreis bleibt die Achillesferse der Finanzmärkte. Die Nachrichten aus dem Nahen Osten sorgen aber nicht nur für Risikoaufschläge beim schwarzen Gold, sondern auch für...





