Gewinneraktien der Woche: KI-Hardware in den USA, Sicherheit und Energie in Deutschland
Die Börsenwoche vom 4. bis zum 11. September hat zwei sehr unterschiedliche Märkte gezeigt. In den USA drehte sich fast alles um den Ausbau der KI-Infrastruktur – wer Server, Netzwerke oder Chips dafür liefert, stand auf den Einkaufslisten. In Deutschland dagegen kamen die stärksten Werte aus der zweiten Reihe, und die Ausschläge fielen deutlich kleiner aus: Während in New York gleich mehrere Schwergewichte zweistellig zulegten, reichte hierzulande im DAX ein Plus von 3,23% schon für den ersten Platz.
Das ist eigentlich das Bemerkenswerte an dieser Woche. Nicht die Höhe der Gewinne, sondern die Frage, wo sie entstanden sind. Zunächst der Blick nach Amerika, wo die drei stärksten Werte alle dasselbe Thema bedienen.
Hewlett Packard Enterprise +19,40%: Auftragsbestand von 7,6 Milliarden Dollar
Richtig Fahrt nahm die Aktie aber erst am Freitag auf, als der Markt die Investitionspläne von Oracle auf die Zulieferer der Rechenzentren übertrug. Rund 12% Kursplus an einem einzigen Handelstag sind für einen Konzern dieser Größenordnung ungewöhnlich – umgerechnet etwa sieben Milliarden Dollar Börsenwert in ein paar Stunden. Dass es am Donnerstag zuvor noch über 6% nach unten gegangen war, zeigt allerdings auch, wie nervös dieses Segment inzwischen handelt.
Für das laufende Geschäft sind zwei Zahlen entscheidend: KI-Aufträge im Volumen von 3,1 Milliarden Dollar allein im Quartal und ein Auftragsbestand von 7,6 Milliarden Dollar. Der wächst derzeit schneller, als das Unternehmen ausliefern kann, weil Speicher und Laufwerke knapp sind. Das ist ein Luxusproblem, aber eben auch eines, das Umsatz in spätere Quartale verschiebt. Zum Wochenschluss stand die Aktie bei 62,09 Dollar.
Hewlett Packard Enterprise Aktie Chart
Skyworks +19,36%: 500 Millionen Dollar Synergien und zwei Milliarden für Rückkäufe
Das eigentlich interessante Detail ging fast unter: Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft wuchs um mehr als 50%. Skyworks galt lange als Zulieferer, dessen Schicksal an einem einzigen großen Smartphone-Kunden hängt. Genau von dieser Abhängigkeit versucht sich das Unternehmen mit der Qorvo-Transaktion und dem Ausbau des Infrastrukturgeschäfts zu lösen. Der Markt honoriert bislang vor allem die Aussicht, dass das gelingen könnte – geliefert werden müssen die Margen noch.
Skyworks Solutions Aktie Chart
Roivant +16,86%: Überzeugende Phase-2-Daten bei pulmonaler Hypertonie
Der dritte US-Wert kommt aus der Biotechnologie. Roivant Sciences meldete positive Phase-2-Ergebnisse für den Wirkstoff Mosliciguat bei pulmonaler Hypertonie, die als Folge einer interstitiellen Lungenerkrankung auftritt – eine Indikation mit bislang sehr begrenzten Therapieoptionen. Die Daten stärken die Aussichten des Präparats, das sich ohnehin schon in der Phase 3 befindet. Die Aktie ging mit 40,82 Dollar aus dem Handel.
Bei Biotech-Werten gilt trotzdem, was immer gilt: Zwischen überzeugenden Zwischendaten und einer Zulassung liegen Jahre, weitere Studien und die Frage, wie groß der adressierbare Markt am Ende wirklich ist. Wer solche Titel kauft, kauft eine Wahrscheinlichkeit, keinen Umsatz.
Roivant Sciences Aktie Chart
Deutschland: Die Bewegung findet in der zweiten Reihe statt
Der Blick nach Frankfurt fällt deutlich nüchterner aus. Im DAX führte Fresenius die Woche mit 3,23% an, dahinter folgten Infineon mit 2,99% und RWE mit 2,47% – solide Wochen, aber eben keine Geschichten, über die man lange schreibt. Interessant wurde es eine Etage tiefer, in SDAX und MDAX.
Auch die Themen sind andere als in den USA. Statt KI-Infrastruktur trugen hierzulande Cybersicherheit, Windkraft und Solartechnik die Spitze – drei Bereiche, die stark von politischen Entscheidungen und öffentlichen Budgets abhängen. Das macht solche Kursbewegungen nicht schlechter, aber schwerer planbar.
secunet +9,51%: Ein Cyber-Vorfall in Berlin macht den Sicherheitsspezialisten zum Wochengewinner
Der stärkste deutsche Wert der Woche kommt aus Essen und ist an der Börse ein vergleichsweise leiser Titel. secunet Security Networks liefert Hochsicherheits-IT für Bund, Behörden und kritische Infrastruktur – Verschlüsselungssysteme der SINA-Familie, abgesicherte Netze, Lösungen für elektronische Ausweise und das Gesundheitswesen. Kunden sind selten spektakulär, dafür langfristig.
Ausgelöst wurde der Kurssprung durch den Cyber-Vorfall in der Berliner Verwaltung. In den Analysen der Folgetage wurde secunet als der Anbieter durchgereicht, dessen Infrastruktur dort gefehlt hatte – am Montag ging es um gut 8% nach oben. Kurz zuvor hatte das Unternehmen bereits eine Partnerschaft mit Cloudflare für Sicherheitslösungen für europäische Unternehmen und Behörden gemeldet. Am Freitag war secunet mit einem Plus von 3,53% noch einmal der stärkste Wert im gesamten SDAX, der Schlusskurs lag bei 198,00 Euro.
Operativ passt das ins Bild: Im ersten Halbjahr 2026 sind Umsatz und Ergebnis deutlich gewachsen, das zweite Quartal brachte einen spürbaren Ergebnissprung. Man sollte sich allerdings klarmachen, woher der Schub kommt. Ein einzelner Sicherheitsvorfall verändert kurzfristig die Wahrnehmung, nicht die Auftragslage. Ob daraus Aufträge werden, entscheidet sich in Haushalten und Vergabeverfahren – und die brauchen bekanntlich ihre Zeit.
secunet Security Networks Aktie Chart
Nordex +7,13%: Kursziel 54 Euro nach der Hochstufung
Bei Nordex lag die gesamte Wochenbewegung praktisch in einem einzigen Handelstag. Die Bank of America stufte den Windanlagenbauer am Montag von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch und hob das Kursziel von 50 auf 54 Euro an. Die Begründung: Bei den Gewinnerwartungen sei noch Luft nach oben, Nordex könnte seine mittelfristigen Margenziele sogar anheben. Als Treiber nennt der zuständige Analyst das starke Deutschland-Geschäft, jüngste Aufträge aus den USA – darunter einer über 325 Megawatt – und eine inzwischen stabilere Lieferkette.
Die Zahlen stützen das durchaus. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei 18,4 Milliarden Euro nach 14,3 Milliarden ein Jahr zuvor, für 2026 hält das Management an einem Umsatzwachstum von 9% bis 11% und einer EBITDA-Marge zwischen 8% und 11% fest. Mit einem Schlusskurs von 39,38 Euro steht seit Jahresbeginn ein Kursgewinn von rund einem Drittel zu Buche. Zu beachten ist die Spannweite der Kursziele: Sie reicht von 35 bis 54 Euro, und das ist bei einem Wert, der so stark von politischen Ausbauzielen abhängt, kein Zufall. Die Wachstumsgeschichte wird sehr unterschiedlich bewertet.
Nordex Aktie Chart
SMA Solar +3,97%: Momentum ohne eigene Nachricht
Der dritte deutsche Wert kam ohne Meldung aus dem Unternehmen aus. SMA Solar legte am Montag um gut 6% zu und eroberte dabei die 100-Tage-Linie zurück, gab im Wochenverlauf aber wieder etwas ab. Was bleibt, sind 58,90 Euro zum Wochenschluss und ein Plus von knapp 4% – und damit hauchdünn mehr als bei Aixtron, das mit 3,85% direkt dahinter lag.
Getragen wird die Bewegung von dem, was in den Wochen zuvor gemeldet wurde: ein Rekord beim Auftragseingang im Geschäft mit Großanlagen, eine angehobene Jahresprognose und eine deutlich gestiegene Nettoliquidität. Seit Jahresanfang liegt die Aktie rund 60% im Plus, notiert aber immer noch etwa ein Fünftel unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Beides zusammen beschreibt den Titel ganz gut: erholt, aber eben noch lange nicht zurück.
SMA Solar Technology Aktie Chart
Was die Woche zeigt
Drei der sechs Gewinner verdanken ihren Kurssprung keiner eigenen Meldung, sondern der Einschätzung Dritter – einem Analystenhaus, einer Branchenkonferenz, einem Investitionsplan des Kunden eines Wettbewerbers. Das ist nichts Ungewöhnliches, sollte einem aber bewusst sein, wenn man solche Bewegungen als Kaufsignal liest. Erwartungen lassen sich schneller korrigieren als Auftragsbücher.
Und noch etwas fällt auf: In den USA reichte das Thema KI-Infrastruktur bis tief in die klassische Hardware hinein, in Deutschland verteilten sich die Gewinner auf Sicherheit, Wind und Solar. Dass die Spitze im DAX bei 3,23% lag, während die stärksten deutschen Werte aus SDAX und MDAX kamen, passt zu einem Bild, das sich schon länger abzeichnet.
Die Bewegung findet gerade in der zweiten Reihe statt.
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