Aktien: Erholung gerät ins Stocken

Helaba: Saisonal ist die Phase von Anfang Mai bis Ende Oktober im langfristigen Vergleich der mit Abstand schwächste Sechs-Monats-Zeitraum am Aktienmarkt. Bislang ist der Mai auch in diesem Jahr alles andere als ein Wonnemonat. Nach einer beeindruckenden Aufholjagd seit den Tiefstständen im März scheint den international führenden Indizes etwas die Puste auszugehen.

Wir hatten in den vergangenen Wochen bereits darauf hingewiesen, dass die an den Aktienmärkten gehandelten Erwartungen schon wieder recht hoch sind. Da braucht es nicht viel, um für Enttäuschung und Verunsicherung zu sorgen: Eskaliert nun der Streit zwischen den USA und China erneut? Wie schnell und kräftig zieht die Konjunktur wieder an? Droht eine zweite Welle an Infektionen, wenn die Restriktionen nun mehr und mehr gelockert werden?

 


 

Zwar ist derzeit nur schemenhaft zu erkennen wie die „Neue Normalität“ in Zeiten von Corona aussehen wird. Die von manchen Marktteilnehmern erwartete schnelle Rückkehr zum Status vor Ausbruch der Pandemie ist bis auf Weiteres jedoch nicht in Sicht.

So wird sich im Zuge der Lockerungsmaßnahmen erst nach und nach zeigen, welche Probleme auf der Angebots- sowie auf der Nachfrageseite gelöst werden und welche vorerst bestehen bleiben.

Lassen sich Güter- und Dienstleistungen unter den veränderten Bedingungen mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand erstellen? Gibt es angesichts enormer Arbeitsplatz- und Einkommensunsicherheit überhaupt genug Nachfrage dafür? Dies wird nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Branche zu Branche unterschiedlich sein.

Zwar wird von Seiten der Fiskal- und der Geldpolitik derzeit kein Aufwand gescheut, diese Verwerfungen abzumildern und Überbrückungshilfen zu leisten. Dies kann jedoch kein adäquater Ersatz für einen funktionierenden globalen Wirtschaftskreislauf sein.

 

 

Konsolidierung angezeigt

Aktien hatten zuletzt viel Positives vorweggenommen. Im Vergleich zur Entwicklung nach früheren Kursabstürzen war die jüngste Erholung außerordentlich stark. Steigende Kurse und gleichzeitig fallende Gewinnerwartungen bedeuten aber, dass sich die Bewertung von Aktien in den vergangenen Wochen wieder erhöht hat.

Besonders ausgeprägt ist dies in den USA. Dort hat das KGV des S&P 500 auch dank einer kräftigen Ausweitung der Fed-Bilanzsumme das ohnehin schon hohe Niveau von vor Ausbruch der Pandemie überschritten.

Erholen sich die Unternehmensgewinne aber tatsächlich so schnell, um dies zu rechtfertigen und reicht die „Alternativlosigkeit“ von Aktien auf diesem Bewertungsniveau als Argument für weitere Käufe? Die Zweifel daran sind bei Investoren zuletzt gewachsen und auch die Historie zeigt, dass es trotz eines Mangels an Anlagealternativen zeitweilig zu Rücksetzern bei Aktien kommen kann

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