Aktienmärkte: Hohe Erwartungen

Helaba: In Erwartung baldiger Lockerungsmaßnahmen haben Aktien weltweit in den vergangenen Wochen einen beachtlichen Teil der Verluste aufgeholt. Damit ist viel Positives vorweggenommen, so dass es zwischenzeitlich durchaus zu Enttäuschungen kommen kann.

Aktien rund um den Globus konnten in den vergangenen Wochen einen Teil der massiven Verluste wieder wettmachen. Während die US-Leitindizes zwischenzeitlich mehr als die Hälfte des Kurseinbruchs aufholen konnten, waren es beim DAX gut 40 % der Verluste.

Indessen werden derzeit die Gewinnschätzungen auf breiter Front nach unten revidiert. Steigende Kurse und fallende Gewinnerwartungen bedeuten unter dem Strich, dass sich die Bewertung von Aktien in den vergangenen Wochen wieder sichtbar erhöht hat.

So hat der S&P 500 auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate bereits wieder das gleiche KGV wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie erreicht. Ähnliches gilt für den DAX, der jedoch insgesamt eine deutlich moderatere Bewertung als sein US-Pendant aufweist.

Dies sind klare Anzeichen dafür, dass die Gewinneinbußen von den Marktteilnehmern als vorübergehend eingestuft werden und danach eine V-förmige Erholung einsetzt. Dies entspricht grundsätzlich auch unserem Bild. Die Frage ist jedoch, wie tief dieses „V“ bei den Gewinnen wird und ob die Gewinnerwartungen bereits hinreichend negativ sind.

 


 

Erste Hinweise darauf liefern die Zwischenberichte der Unternehmen über das erste Quartal. In den USA haben bislang 8 % der S&P 500-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Diese fielen im Durchschnitt 14 % niedriger aus als die Konsensschätzungen. Hierzulande läuft die Berichterstattung erst in KW 18 so richtig an. Es wird also noch etwas dauern, bis mehr Klarheit hinsichtlich der fundamentalen Gegebenheiten besteht.

 

 

Verschnaufpause angezeigt

Eine grobe Orientierung kann in der Zwischenzeit der Vergleich mit früheren Kurseinbrüchen liefern. Bei Rückgängen um mehr als 20 % spricht man von einem Bärenmarkt. Hierzulande gab es seit 1960 auf Basis des zurückgerechneten DAX bislang 13 solcher Abwärtsphasen. In 10 Fällen war der Verlust größer als 30 %.

Um das Chance-Risiko-Verhältnis auszuloten, haben wir die Entwicklung früherer Zyklen untersucht, in denen der DAX bereits 30 % eingebüßt hatte und mit dem aktuellen DAX-Verlauf verglichen.

Es zeigt sich, dass diesmal nach einem Rückgang um insgesamt 39 %, was übrigens auch dem Mittelwert der Verluste früherer Bärenmärkte entspricht, eine außerordentlich starke Erholung einsetzte. Dabei wurden zeitweilig sogar die Spitzenwerte früherer Zyklen übertroffen, die sich aus den Kursverläufen der Jahre 1998 und 2011 ergeben. In diesen beiden Jahren war die Dauer des Absturzes mit rund 3 bzw. 4 Monaten besonders kurz.

Diesmal erreichte der DAX innerhalb eines Monats sein (bisheriges) Tief. Die einfache Gleichung schneller Einbruch = schnelle Erholung scheint sich zu bewahrheiten. Da Aktien inzwischen aber schon viel Positives vorweggenommen haben, würde eine Verschnaufpause nicht schaden.

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