Anleger korrigieren Wachstumserwartungen – kommt die Rezession?

Helaba: An den Aktienmärkten herrschte zuletzt bereits zu viel Konjunkturoptimismus. Die jüngsten schwachen Daten aus den USA haben die Stimmung merklich getrübt. Es ist fraglich, ob eine noch lockerere Geldpolitik alleine ausreicht, um das Blatt schnell wieder zu wenden.

Zu viel Konjunkturoptimismus eingepreist
Die Erholung der Aktien im September hat sich als Strohfeuer erwiesen. Trotz rückläufiger Frühindikatoren setzten bereits viele Anleger auf eine baldige Erholung der Konjunktur.

Der jüngste deutliche Rückgang der ISM-Einkaufsmanagerindizes hat augenscheinlich zu einem deutlichen Stimmungsabfall bei Aktienanlegern geführt. Was, wenn aus einer Delle eine Rezession wird?

Der US-Präsident hat vorsorglich schon einmal die Schuldigen benannt: Die US-Notenbank, deren Politik zu einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen geführt habe, was sich negativ auf die US-Industrie auswirke.

Indikatoren wie der in Kategorien unterteilte Index für wirtschaftliche und politische Unsicherheit belegen dagegen, dass nicht die Geldpolitik, sondern die Handelspolitik der größte Unsicherheitsfaktor ist. Wichtige Frühindikatoren für den globalen Handel sind bislang noch rückläufig.

Die von vielen Anlegern erhoffte Wende lässt somit weiterhin auf sich warten. Dies hat auch negative Auswirkung auf die Aussichten für die Unternehmensgewinne weltweit.

Die koreanische Exportentwicklung hat sich in der Vergangenheit als zuverlässiger Frühindikator für das Gewinnwachstum der Unternehmen erwiesen. Bis zuletzt waren die Exporte Koreas rückläufig. Damit dürften sich die negativen Revisionen bei den Schätzungen für die Nettoergebnisse der Unternehmen erst einmal fortsetzen.

 


 

Unsicherheitsphase hält vorerst an
Angesichts der aktuellen Bewertungsniveaus, die sich auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses bereits am oberen Rand des langfristigen Normalbereiches bewegen, besteht kurzfristig also kaum noch Luft für höhere Notierungen.

Zu einem anderen Ergebnis würde man kommen, wenn man anstatt der absoluten auf die relative Bewertung gegenüber Renten abstellt. Angesichts niedriger und vielfach sogar negativer Renditen sind Aktien günstig. Und mit schwachen Konjunkturdaten steigt die Erwartung, dass die Notenbanken weiter lockern, was die relative Attraktivität noch mehr zugunsten von Aktien verschieben würde.

Absolute oder relative Bewertung – welches Argument wiegt nun schwerer? Dies hängt von der Risikobereitschaft der Anleger ab und die wiederum schwankt mit den konjunkturellen Frühindikatoren. Je höher die Wachstumsunsicherheit, desto höher die Risikoaversion und desto höher die geforderte Risikoprämie für Aktien.

Anlagenotstand hin oder her, Anleger werden vermutlich nur dann bereit sein, Aktienpositionen aufzubauen, wenn zumindest die Aussicht auf eine Stabilisierung des Wachstums besteht. Bislang geben die Indikatoren dies- und jenseits des Atlantiks dies noch nicht her. Es ist daher zu erwarten, dass sich der Schaukelkurs an den Börsen in den kommenden Wochen fortsetzen wird.

 


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