Anleihen: Anleger rechnen mit anhaltenden Turbulenzen

Börse Frankfurt: Die rasant steigenden COVID-19-Fälle in Europa und der „Lockdown-Light“ in Deutschland führen nicht nur zu einer Verkaufswelle am Aktienmarkt. Auch riskantere Anleihen werden eher abgegeben. Mit dem März ist die Situation Händlern zufolge aber nicht zu vergleichen.

Die Kapitalmärkte stehen abermals ganz im Zeichen von Corona. Und während am Aktienmarkt diese Woche im großen Stil verkauft wurde, ist die Anleihenwelt zweigeteilt: Anleger setzen auf als sicher geltende Staatsanleihen und trennen sich von allem, was nach Risiko aussieht.

Bundrendite auf Siebenmonatstief

Wegen der hohen Nachfrage nach Bundesanleihen ist die Rendite für zehnjährige Papiere wieder in den Keller gerutscht und liegt am Freitagmorgen bei minus 0,64 Prozent. „Das ist der niedrigste Stand seit März“, stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Von dem damaligen Niveau um minus 0,90 Prozent ist die aktuelle Rendite aber noch weit entfernt.

Staatsanleihen aus Europas Südländern, die im Krisenmodus oft verkauft werden, zeigen sich diesmal vergleichsweise stabil. „Das liegt an der Absicherung durch die EZB“, bemerkt der Händler. Auf der gestrigen Notenbanksitzung hat EZB-Chefin Largarde sogar Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gemacht.

 


 

DIC-Kursrückgang trotz guter Zahlen

Viele Unternehmensanleihen stehen dieser Tage auf den Verkaufslisten. So trennen sich Anleger von einer Anleihe des Immobilienunternehmens DIC Asset, die bis 2023 läuft und einen Kupon von 3,5 Prozent bietet. „Dabei hat DIC eigentlich gute Zahlen für die ersten neun Monate geliefert“, erklärt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Weiter verkauft werden Daniel zufolge Anleihen der Deutschen Lufthansa, aber auch die Otto-Hybridanleihe mit Kupon von 4 Prozent und ein bis 2026 laufendes Papier des Handelskonzerns. „Anleger rechnen offenbar mit anhaltenden Turbulenzen und wollen lieber ruhig schlafen.“

KMU-Anleihen: Verkäufe, aber keine Verkaufswelle

Anleihen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) gerieten generell etwas unter Druck. „Anleger halten sich im Moment sehr zurück, da wirken sich Verkäufe natürlich stark aus“, stellt Brunner fest. Gerade Anleihen von Immobilienentwicklern seien von Abgaben betroffen, er nennt als Beispiel Eyemaxx Real Estate. „Die Befürchtung ist, dass die Corona-Krise sich in den Immobilienbewertungen niederschlagen wird, etwa bei den Einzelhandelsimmobilien.“

Eine größere Verkaufswelle bei KMU-Anleihen kann Rainer Petz von Oddo Seydler allerdings nicht feststellen. „Es ist relativ ruhig geblieben im Vergleich zu anderen Ausverkaufswellen am Aktienmarkt.“

Neuemissionen mit großer Nachfrage

Trotz der Turbulenzen an den Börsen gab es einiges an Neuemissionen – allerding nur mit einer Mindestanlagesumme von 100.000 Euro. Sehr gesucht waren zum Beispiel drei neue Anleihen des Reifenherstellers Michelin im Volumen von jeweils 500 Millionen Euro, von denen Brunner berichtet.

„Die waren sechsfach überzeichnet und werden jetzt über 100 Prozent gehandelt.“ Die Anleihen laufen bis 2028, 2032, 2040 und bieten Kupons von 0 Prozent, 0,25 Prozent und 0,625 Prozent. Gut angenommen werden auch neue Anleihen des dänischen Schweinefleischproduzenten Idavang, wie Brunner meldet.

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