Anleihen: Höhere Inflation und höhere Renditen

Mit der Feuerpause im Nahen Osten sind die Ölpreise zwar leicht gefallen – und mit ihnen Inflationserwartungen und Renditen. Von echter Entspannung kann aber keine Rede sein. Der energieinduzierte Inflationsanstieg könnte sich nach Einschätzung von LBBW-Analyst Matthias Krieger durchaus noch fortsetzen. „Ein wirkliches Ende des Konflikts ist noch immer nicht erkennbar ist, zudem besteht ein hohes Risiko, dass auch nach Ende der Kampfhandlungen der Weltmarkt für Öl und LNG noch längere Zeit unter Druck bleiben wird“, erklärt er.

Was auch immer die Finanzmärkte gerade kurzfristig spielten: Solange die Straße von Hormus für den größten Teil der Schiffe gesperrt bleibe, werde es keine Ruhe geben.

„Zu wichtig ist das Nadelöhr für die Energieversorgung der Welt.“

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war zwischenzeitlich auf 3,13 Prozent gestiegen, am Freitag waren es 3,03 Prozent – immer noch der höchste Stand seit 15 Jahren.

 

Deutlich höhere Leitzinsen erwartet

Insgesamt haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik mit dem Iran-Krieg deutlich nach oben verschoben. Einer von Bloomberg Economics erstellten Gesamtkennzahl zufolge liegt der Leitzinsausblick für Industrieländer per Jahresende inzwischen rund 35 Basispunkte höher als noch vor drei Monaten.

Am Freitagnachmittag wurden die US-Verbraucherpreise für den März veröffentlicht. „Kurzfristig lassen die stark gestiegenen Energiepreise die Inflationsrate nach oben springen“, meint Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Sollte der Konflikt tatsächlich beigelegt sein, werde es hier bald zu einer Entlastung kommen. Mit Zinssenkungen sei dennoch vorerst nicht zu rechnen.

Zurückhaltung bei Unternehmensanleihen

Im Handel mit Unternehmensanleihen geht es ruhig zu. „Die Umsätze sind dünn“, schildert Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Lage. „Anleger halten sich zurück, denn keiner weiß, was als nächstes passiert.“ Tendenziell abgegeben werde eine im Oktober dieses Jahres fällige Volkswagen-Anleihe mit aktueller Rendite von 2,8 Prozent (XS1893631769).

Im Gegenzug werde auf Mercedes-Benz gesetzt, mit Laufzeit bis 2031 und aktuell 3,2 Prozent (DE000A3LH6U5). Außerdem gesucht: eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Fälligkeit 2028 und momentan 4,21 Prozent (DE000A382665).

Einiges um geht laut Tim Oechsner von der Steubing AG in Anleihen von Eon mit Laufzeit bis 2029 (XS2673536541), Bayer bis 2029 (XS2630112014), Porsche Automobil Holding bis 2030 (XS2643320109), Würth bis 2031 (XS2911681083) und VW bis 2031 (XS2694874533) mit Renditen zwischen 2,9 und 3,6 Prozent. Ebenfalls umsatzstark: Bonds von Nestlé in Euro mit Fälligkeit 2029 und 2,6 Prozent (XS1707075328) sowie John Deere in US-Dollar bis 2030 und 4,2 Prozent (US24422EWZ86).

 

Viele Neuemissionen – auch dank Amazon & Co

Der Primärmarkt für Unternehmensanleihen verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein robustes Emissionsvolumen von 151 Milliarden Euro – ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025, wie die DZ Bank berichtet. Auch der Fünfjahresdurchschnitt von 123 Milliarden Euro wurde deutlich überschritten.

Maßgeblich für diese Entwicklung: US-Emittenten, die bereits Anleihen im Nennwert von knapp 50 Milliarden Euro platziert hätten, vor allem zur Finanzierung von KI-Lösungen. Das Emissionsvolumen im Tech-Sektor habe sich sogar mehr als verdreifacht. Mit knapp 28 Milliarden Euro liege der Sektor nun nahezu gleichauf mit den traditionell emissionsstarken Versorgern.

Disclaimer & Risikohinweis
Feld nicht bekannt
Themen im Artikel

Infos über Deutsche Börse Frankfurt

    Deutsche Börse Frankfurt:

    Die Deutsche Börse AG ist der Betreiber des börslichen Handelsplatzes Deutsche Börse Frankfurt und dem elektronischen Deutsche Börse Xetra. Die Deutsche Börse Frankfurt unterhält modernste Handels-, Abwicklungs- und Informationssysteme rund um den börslichen Handel. Mit einem Umsatzanteil von ...

    Deutsche Börse Frankfurt News

    [btde_debug]

    Weitere Trading News