Anleihen: „Renditerückgang geht Puste aus“

Börse FrankfurtDer Thanksgiving-Feiertag in den USA und der Black Friday mit verkürzten Handelszeiten wirkten sich auch hierzulande aus.

„Ohne die US-Märkte als Impulsgeber blieb es am Anleihemarkt recht ruhig“, berichtet Tim Oechsner, der für die Steubing AG Anleihen handelt.

Auch wegen des nahenden Jahresendes sei die Liquidität gesunken. „Die Bücher vieler Banken schließen langsam.“ Grundsätzlich sei die Stimmung aber weiter positiv.

Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen wieder mit 2,66 Prozent nach 2,57 Prozent vor einer Woche.

Die Rendite von US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit liegt bei 4,49 Prozent nach 4,45 Prozent vergangenen Freitag.

 

„Nach den deutlichen Kursgewinnen an den globalen Anleihemärkten seit Anfang des Monats geht dem Renditerückgang langsam die Puste aus“, formuliert es Rentenmarktanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

 

Die Helaba verweist auf das EZB-Sitzungsprotokoll, dem zufolge man die Tür für eine mögliche Zinsanhebung nicht verschließen wolle, und  Kommentare von Bundesbankpräsident Nagel, dass der „Job“ nicht erledigt sei.

„Das hat die Zinssenkungserwartungen etwas gedämpft und den Rentenmarkt belastet.“

 

Niedrigere Aufschläge für Italien

Das Aussetzen der Schuldenbremse in Deutschland führt zudem zu sinkenden Spreads, also Risikoaufschlägen, die die bonitätsschwächeren Euro-Länder gegenüber Bundesanleihen zahlen müssen.

Dazu sorgte die Überprüfung des Italien-Ratings durch die Rating-Agentur Moody`s für eine kleine Überraschung:

 

„Der negative Ausblick für das aktuelle Baa3-Rating wurde unerwartet auf einen stabilen Ausblick hochgestuft“, berichtet Siemßen.

 

Der Renditeaufschlag zehnjähriger italienischer BTPs gegenüber Bundesanleihen sei danach kurzfristig auf 170 Basispunkte gefallen.

 

Keine deutschen „Linker“ mehr

Ab dem kommenden Jahr will Deutschland keine neuen inflationsgebundenen Anleihen („Linker”) mehr begeben oder bestehende aufstocken, wie die Finanzagentur des Bundes am Mittwoch dieser Woche erklärte.

„Langfristig gesehen werden aus Sicht des Staates die wirtschaftlichen Vorteile inflationsindexierter Bundeswertpapiere durch die damit verbundenen Risiken konterkariert“, begründete Geschäftsführer Tammo Diemer den Rückzug gegenüber der „Börsen-Zeitung”.

Das gelte für die Planungssicherheit ebenso wie für das Risiko hoher Finanzierungskosten des Bundes in einzelnen Jahren.

Deutschland hatte erstmals im März 2006 solche Anleihen begeben.

Die noch ausstehenden Papiere werden weiter handelbar sein.

 

Beliebt: RWE, Mercedes, VW und Fraport

Im Handel mit Unternehmensanleihen punkten weiterhin bekannte Namen und überschaubare Laufzeiten.

Käufe sieht Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank für Anleihen von RWE mit Kupon von 3,625 Prozent und Fälligkeit 2029 (XS2584685031) sowie Mercedes-Benz mit 3,7 Prozent bis 2031 (DE000A3LH6U5).

Oechsner meldet gute Umsätze für Papiere von Mercedes-Benz (DE000A3LH6T7A), VW Leasing (XS2694874533), VW (XS2374595044), Wienerberger (AT0000A37249), Fraport (XS2198879145) und Continental (XS2630117328) mit Fälligkeiten zwischen 2026 und 2031 und aktuellen Renditen von 3,6 bis 4,6 Prozent.

 

Immo-Anleihen: „Zurückhaltung wegen schlechten Nachrichten“

Angespannt bleibt die Lage in der Immobilienbranche. Unter Abgabedruck geraten ist Daniel zufolge die 2024 fällige Anleihe von FCR Immobilien mit 5,25 Prozent-Kupon (DE000A2TSB16).

Die Zeichnungsfrist für eine neue Anleihe des Immobilienunternehmens (DE000A352AX7) ist am Dienstag zu Ende gegangen.

Der alte Bond konnte in den neuen umgetauscht werden, der bis 2028 läuft, 7,25 Prozent bietet und ab dem 27. November gehandelt wird.

„Es herrscht Zurückhaltung wegen der vielen schlechten Nachrichten vom Immobilienmarkt, daher kommt die alte Anleihe beim aktuellen Kurs nun auf eine Rendite von über 30 Prozent“, bemerkt Daniel.

Die Aktie (DE000A1YC913) hat bereits deutlich verloren, seit November 2022 hat sich der Kurs fast halbiert.

 

EnBW bringt Neuemission

Neues kam zum Beispiel von EnBW: Der Energiekonzern zahlt 4,3 Prozent für eine Laufzeit bis Mai 2034 (XS2722717555), die Stückelung ist mit 1.000 Euro kleinanlegerfreundlich.

Daniel zufolge findet die Emission aber kaum Beachtung, er meldet nur „marginale Käufe“.

Noch bis zum 28. November läuft die Zeichnungsfrist für die Anleihe von BDT Media Automation (DE000A351YN0), ein Green Bond mit Fälligkeit 2028 und 11,5 Prozent-Kupon.

BDT ist eigenen Aussagen zufolge ein weltweit führender Entwickler und Hersteller für Datenspeichersysteme und Anbieter von Systemlösungen für Druck- & Automatisierungstechnik.

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