Anleihen: Seitwärtsmarkt vor EZB-Sitzung
Nach dem jüngsten Rückgang haben sich die Renditen am europäischen Rentenmarkt in den vergangenen Tagen wieder etwas gefestigt. Die zehnjährige Bundrendite stieg im Vergleich zur Vorwoche von 2,95 Prozent auf 3,02 Prozent.
In den USA stieg die Rendite 10-jähriger US-Treasuries von 4,44 Prozent auf 4,47 Prozent. Ein klarer Trend lässt sich nach Ansicht von Ilona Korsch derzeit nicht ausmachen. „Zehnjährige Bunds handeln knapp über der wichtigen Marke von 3 Prozent in einem möglichen Seitwärtstrend“, erklärt die Anleihe-Spezialistin von Hauck Aufhäuser Lampe.
Notenbanken als möglicher Impulsgeber
Raffaele Antacido von der ICF Bank analysiert in diesem Zusammenhang das in dieser Woche veröffentlichte Beige Book. Darin berichtete die US-Notenbank über ein leichtes bis moderates Wachstum der US-Wirtschaft, einen anhaltenden Inflationsdruck und eine spürbare finanzielle Belastung der Verbraucher. „Die von der Fed bevorzugte PCE-Inflationsrate stieg im April auf 3,8 Prozent an, nach 3,5 Prozent im März. Trotz eines stabilisierten Arbeitsmarktes deutet der Bericht auf eine verhaltene Konsumstimmung und eine anhaltend restriktive Geldpolitik hin“, sagt der Händler.
Ralf Umlauf geht ebenfalls von tendenziell steigenden Leitzinsen aus. „Die EZB hat die Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung bereits in der nächsten Woche eingestellt. Dies ist weitgehend eskomptiert (rund 98 Prozent)“, merkt der Helaba-Analyst an.
In den USA setze man dagegen weiterhin auf einen späteren Termin. Hier wird aktuell laut dem Strategen zu fast 70 Prozent eine Zinserhöhung im Dezember eingepreist. Nach Ansicht von Elmar Völker stehen bei der EZB-Sitzung auch die neuen Stabsprojektionen für Wachstum und Inflation im Fokus. Die dürften nach Ansicht des LBBW-Analysten „einen wichtigen Fingerzeig auf den weiteren geldpolitischen Pfad erbringen“.
Der Marktkonsens gehe derzeit davon aus, „dass die Euro-Währungshüter nach dem Juni-Termin ein bis zwei weitere Zinsanhebungsschritte vollziehen werden“.
Analysten rechnen mit steigenden Bund-Renditen
Die LBBW rechnet zum Ende des Jahres mit einem Leitzins von 2,75 Prozent (aktuell: 2,00 Prozent) im Euroraum. Auch die langfristigen Kapitalmarktrendite sollen demnach steigen. Für die zehnjährige Bundesanleihe wird ein Anstieg der Rendite auf 3,35 Prozent prognostiziert. Schon Ende September sollen es 3,20 Prozent sein.
Völker nennt als Gründe die überdurchschnittlich hohen Nettoemissionen im Juni, das typische Saisonmuster, das bis zur Jahresmitte steigende Anleiherenditen erwarten lässt und eine anhaltende Dominanz bearisher Positionen am Markt für Bund-Future-Optionen.
Zudem sieht der LBBW-Experte eine „erhebliche Gefahr“, dass ein anhaltender Stillstand am Golf die Stimmung an den Anleihemärkten irgendwann kippen ließe. „Die Erwartungen der Marktakteure spiegeln deren Zuversicht wider, dass die Inflationsgefahren ihren Zenit überschritten haben. Sollte diese Zuversicht ins Wanken geraten, dann droht u.E. eine Rückkehr des einstweilen gestoppten renten-bearishen Momentums“.
Corporate Bonds: Qualität bleibt gefragt
Tim Oechsner von der Steubing AG sieht Käufe in Anleihen der Deutschen Bahn (XS2689049059), der Deutschen Post (XS2784415718) und von Würth Finance International (XS2911681083). Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ist ein Bond von Heidelberg Materials (XS3379436598) sehr beliebt.
Zudem werde die gerade neu aufgelegte Anleihe der Breiteneder Immobilien Parking Konzernfinanzierungs GmbH (AT0000A3USC0) direkt gekauft. Bei einer Laufzeit bis 2032 bietet dieses Papier eine Rendite von 4,7 Prozent.
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