BaFin warnt vor Marktverwerfungen – Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss

Die Finanzaufsicht BaFin sieht Potential für plötzliche Korrekturen an den Märkten. Insgesamt nennt sie in ihrem Bericht „Risiken im Fokus“ sechs Gefahren für die Finanzunternehmen und drei Trends, die den Finanzsektor verändern. Erstmals enthält die Analyse zusätzlich drei Top-Risiken, die unmittelbar Verbraucherinnen und Verbraucher betreffen.

Die Lage an den Finanzmärkten bleibt fragil und unsicher. Und zwar gerade, weil Marktbewertungen immer neue Höchststände erreichen. Das stellt die deutsche Finanzaufsicht in ihrem am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten Bericht zu den Risiken 2026 fest.

Die BaFin sieht zwar keinen Grund zur Schwarzmalerei: Banken und Versicherer sind meistens profitabel und solide kapitalisiert. Das Zinsumfeld zeigt sich stabil, und zumindest für die Eurozone ist die Inflationsgefahr gesunken. Es ist zudem davon ausgehen, dass sich die großen Investitionen des deutschen Staats positiv auf die Konjunktur auswirken.

Die gute Stimmung an den Märkten blendet jedoch nach Meinung der Finanzaufsicht stabilitätsbedrohende Faktoren aus: Handels- und militärische Konflikte, die hohe Verschuldung wichtiger Industrienationen sowie die ungeklärte Frage, ob die Wachstums- und Kurseuphorie bei Künstlicher Intelligenz mittelfristig durch Fakten gerechtfertigt wird.

Hinzu komme der beispiellose politische Druck auf Institutionen, der die internationale Reaktionsfähigkeit im Krisenfall gefährden könnte. Für BaFin-Präsident Mark Branson ist das eine gefährliche Mischung. Er sagte bei der Vorstellung des Berichts: „Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss. Das Potential für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen ist hoch.“

 

Sechs Marktrisiken, drei Trends und drei Verbraucherrisiken

In ihrer Risikobewertung für das deutsche Finanzsystem nehmen die Finanzaufseher im laufenden Jahr sechs Finanzmarktrisiken genauer unter die Lupe. Darüber hinaus analysieren sie drei Trends, die den Finanzsektor tiefgreifend verändern: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und geopolitische Umbrüche. Und zum ersten Mal macht die BaFin in ihrem Bericht auch die wichtigsten Verbraucherrisiken zum Thema:

  • Drohende Überschuldung, besonders, wenn man heute kauft und erst später bezahlt
  • Durch soziale Medien angeheizte Investitionen von Privatleuten, besonders in Kryptowerte
  • Den Abschluss kapitalbildender Lebensversicherungen mit überhöhten Kosten

 

Notleidende Kredite

Die BaFin will 2026 die Kreditrisiken von Banken und Versicherern intensiv überwachen. Mit der anhaltenden Schwäche der deutschen Wirtschaft steige die Zahl der Unternehmensinsolvenzen – und damit der Anteil notleidender Kredite in den Bilanzen deutscher Banken.

 

Private-Debt-Fonds

Genau hinschauen muss die Finanzaufsicht in Europa auch bei der fortschreitenden Verflechtung von Banken und Versicherern mit Nichtbankfinanzierern (Non Bank Financial Intermediaries) durch Private-Debt-Fonds.

Die Kreditvergabe von Banken an Private-Debt-Fonds erhöht nach Meinung von Mark Branson die Ansteckungsgefahren für die Stabilität des deutschen Finanzsystems: „Finanzunternehmen hierzulande sind mit ausländischen Private-Debt-Vehikeln verflochten. Sie stellen ihnen Kapital zur Verfügung, mit dem die Fonds ihre Investments hebeln. Hier lauern Gefahren außerhalb des traditionell regulierten Bankensektors.“

 

Kreditrisiken für Verbraucherinnen und Verbraucher

Kreditrisiken können in Form von Überschuldung zudem Verbraucherinnen und Verbraucher treffen. Erstmals seit 2018 ist laut Creditreform die Zahl überschuldeter Menschen in Deutschland wieder gestiegen: auf 5,7 Millionen im November 2025 oder acht Prozent der Bevölkerung über 18 Jahre. Eine Ursache dafür sind Konsumentenkredite.

 

Buy now, pay later – Jetzt kaufen, später zahlen

Ein wachsender Anteil der privaten Haushalte kauft Konsumgüter und Dienstleistungen auf Kredit. Besonders beliebt sind dabei kleine Darlehen unter 200 Euro, die ohne Kreditwürdigkeitsprüfung vergeben werden, häufig in Form von Buy now, pay later-Geschäften oder Kreditkartenkrediten.

Eine Umfrage der BaFin aus dem Jahr 2025 zeigt: Die einfache Handhabung und niedrige Beträge bei der Möglichkeit, später zu bezahlen, verleiten zu Impulskäufen auf Pump. Dadurch verlieren manche Verbraucherinnen und Verbraucher den Überblick über ihre finanziellen Verpflichtungen.

Die BaFin will hier gegensteuern, indem sie die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen bei Konsumentenkrediten streng überwacht und ihre Informationsangebote für Verbraucherinnen und Verbraucher ausbaut.

 

Digitalisierung: Stablecoins und Krypto-Investments von Privatleuten

Die BaFin unterstützt Innovationen und neue Geschäftsmodelle. Sie sieht in ihnen das Fundament für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandorts. Aber neben den Chancen erkennt die Finanzaufsicht auch neue Risiken.

Diese zeigten sich etwa im Stablecoin-Markt. Bei einer Entkoppelung der Stablecoins von ihren Referenzwerten – und einem massenhaften Ausstieg der Investoren – drohe ein Szenario wie bei einem klassischen Bankrun. Notverkäufe würden dann nicht allein den Krypto-Markt, sondern auch den traditionellen Finanzmarkt erfassen.

Die Geschwindigkeit und Anonymität des Krypto-Markts machen ihn zudem zu einem Einfallstor für Finanzkriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

 

Soziale Medien befeuern den Kryptowerte-Boom bei Privatleuten

Auch bei privaten Anlegerinnen und Anlegern werden Kryptowerte immer beliebter. Aber wegen starker Wertschwankungen sind sie für diese Zielgruppe eine hochspekulative Geldanlage. Aus Sicht der BaFin haben die sozialen Medien und besonders Finfluencer erheblichen Anteil an diesem Trend.

Eine Erhebung der Finanzaufsicht zeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich risikoreicher investieren, wenn sie sich in den sozialen Medien und bei Finfluencern über Finanzthemen informieren.

 

Verstärkte Aufsicht über Krypto-Anbieter und Warnung vor schwarzen Schafen

Die BaFin erkennt hier Gefahren durch Wertschwankungen und Cyber-Risiken sowie durch unseriöse Anbieter und die mangelnde Qualität vieler Anlagetipps in den sozialen Medien. Mit verstärkter Aufsicht über die Krypto-Anbieter, Warnungen vor schwarzen Schafen sowie konsequenter Verbraucheraufklärung geht die BaFin diese Probleme an.

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