Das Munitionsdepot der EZB ist ziemlich leer

Marktkommentar von Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, zur morgigen Sitzung der EZB

Das wird wieder schwierig für die Falken – die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank wird denjenigen Ratsmitgliedern, die eher eine restriktive Geldpolitik befürworten, wahrscheinlich wenig Aufwind verschaffen.

Denn die Inflation im Euroraum ist in einen Sinkflug übergegangen. Daran wird sich auch in den kommenden Monaten nicht viel ändern. Das Preisziel von knapp 2 Prozent scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Deshalb können auch die guten Konjunkturdaten von den Tauben im EZB-Rat leichter weg argumentiert werden.

Wir gehen daher davon aus, dass EZB-Chef Draghi bei seiner Forward Guidance keine signifikante Anpassung vornehmen wird. Zumal er bis zuletzt noch betont hat, dass ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung immer noch notwendig ist.

Möglicherweise wird Draghi anders als in der Vergangenheit die sich belebende Konjunktur im Euroraum – sicher zur Freude der Falken – stärker in den Vordergrund stellen. Diese Vorgehensweise würde es ihm erleichtern, gegebenenfalls im Herbst zu verkünden, dass das Volumen der monatlichen Anleihekäufe im kommenden Jahr sinken wird. Aber auch hier müsste er sich eigentlich Zurückhaltung auferlegen. Denn falls er seine Formulierungen nicht sehr vorsichtig wählt, könnte das den Euro nochmals treiben – und daran wären nicht einmal die Falken interessiert.

Insgesamt birgt Draghis Zögern Risiken. Sollte die Konjunktur im Euroraum wieder zur Schwäche neigen, könnte die EZB kaum helfend eingreifen. Ihr Munitionsdepot ist ziemlich leer. Doch das scheint den EZB-Chef weniger zu interessieren.

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