DAX hängt die Wall Street weiter ab – politische Börsen haben diesmal längere Beine
Der DAX macht gerade das, was die Börsen gern in solch unsicheren Zeiten machen: Er klettert an einer Wand des Zweifels empor. Als Trump die 90-tägige Pause reziproker Zölle verkündete, sprangen die Indizes in Frankfurt und New York nach oben.
Stand jetzt notiert der DAX über dem damals erreichten Hoch, die US-Indizes aber noch darunter, wenn auch nur knapp.
Die Nebenwerte im Russell 2000 liegen schon darüber.
Sie werden aktuell gegenüber den globalisierten Unternehmen in den großen Indizes bevorzugt.
Anleger setzen auf ein besseres Geschäft der Firmen, die stärker vom Binnenmarkt abhängig sind.
Damit stellt sich aber auch unweigerlich die Frage, ob die Anleger mit ihrer Favoritenwahl beim Wiedereinstieg nach dem Ausverkauf richtig liegen. Entweder weist der Ausbruch im DAX der Wall Street den Weg oder in den kommenden Tagen setzt sich die Zurückhaltung in New York auch wieder in Frankfurt durch und beendet die dynamische Erholung aus dieser Handelswoche.
Die Leerverkäufer müssen sich weiter vor guten Nachrichten aus der Politik fürchten und darauf setzen, dass Chinas Präsident Xi nicht bei seinem Amtskollegen Trump anruft, um Verhandlungen anzubieten.
Bald schon werden die ersten Regale in den Supermärkten in den Staaten leer sein. Wenn das zu lange geht, spüren die Wähler, dass der Handelsstreit auf ihrem Rücken ausgetragen wird.
Wie man es dreht oder wendet: Die sprichwörtlichen politischen Börsen haben in diesem Jahr längere Beine als sonst.
Alles an der Börse ist aktuell politisch.
Die Anleger setzen darauf, dass die positiven Nachrichten im Tarifstreit nicht abreißen. Sie hoffen auch auf ein gegenseitiges Fallenlassen aller Zölle zwischen der Europäischen Union und den USA und eine expansive deutsche Fiskalpolitik.
Es ist diese Perspektive, die die Märkte in diesen Stunden auch über die eine oder andere widrige Konjunkturnachricht hinwegblicken lässt.
DAX Aktie Chart
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