Die wachsende Bedeutung Chinas

In seiner Zusammenfassung der Ergebnisse unseres jüngsten Investment Forums erörtert Neil Dwane die wichtigsten Themen, die für die Entwicklung am Markt und in der Wirtschaft maßgeblich sind. Dazu zählen Chinas wachsende Bedeutung in den globalen Indizes, die Infragestellung des Status quo durch US Präsident Trump, das Superwahljahr in Europa und die globale „Jagd nach Ertrag“.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Anlass zum Optimismus geben die Reflation nach der Wahl von Trump, steigende Anleihenrenditen und der höhere Ölpreis. Anlass zur Sorge sind das mäßige Wachstum der Weltwirtschaft, der Anstieg der Verschuldung, politische Risiken und eine Politik der negativen Zinsen.
  • Der chinesische Markt ist dabei, zu einer eigenständigen Anlageklasse zu werden. Disruption ist kein auf die technologische Sphäre beschränkter Trend. Populismus und Protektionismus sind die neuen Antriebskräfte in der Politik.
  • Wir raten unseren Kunden weiterhin, zur Erzielung von Ertrag Risiken einzugehen. Potentielle Quellen der dringend benötigten Rendite sind hochverzinsliche Anleihen aus den USA und Asien, Emerging Markets Bonds und europäische Aktien.

Unser erstes Investment Forum im Jahr 2017 fand in der pulsierenden Metropole Hongkong statt – genau der richtige Ort für eine Veranstaltung, bei der China ganz oben auf der Tagesordnung stand. Weitere wichtige Themen waren politische Entwicklungen und das Phänomen der Disruption. Alle drei zusammen genommen mündeten in intensive Diskussionen darüber, ob US-Präsident Trump den politischen Status quo aushebeln kann – speziell im Hinblick auf die Beziehungen zwischen den USA und China.


Lage der Weltwirtschaft

Das Wachstum der Weltwirtschaft ist zwar recht verhalten geblieben, hat sich in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 aber etwas beschleunigt – was zu entsprechenden Reaktionen an den Märkten geführt hat. Der Sieg von Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen gab Hoffnungen auf eine Reflation Auftrieb, auch wenn unklar blieb, worin seine Prioritäten bestehen. Sollte es Trump gelingen, die Steuern zu senken, Regulierungen abzubauen und die Infrastrukturausgaben zu erhöhen, könnte die US-Wirtschaft weiter wachsen, obwohl sie sich bereits im späten Stadium des Konjunkturzyklus befindet. Anlass zu Optimismus auf globaler Ebene geben außerdem steigende Anleihenrenditen und der höhere Ölpreis. Allerdings gibt es auch gute Gründe, vorsichtig zu sein. Während die Erinnerung an die globale Finanzkrise verblasst, steigt das Niveau der Verschuldung weltweit wieder an. Des weiteren erscheinen die Banken im Euroraum weiterhin risikobehaftet. Nicht zuletzt rechnen wir damit, dass die Notenbanken sowohl in Europa als auch in Japan den Fehler, den sie mit ihrer Politik negativer Zinsen gemacht haben, wieder korrigieren.


China: eine Anlageklasse für sich

Trotz einiger ungelöster Probleme nimmt die chinesische Führung die Anpassungen vor, die notwendig sind, damit das Land auf lange Sicht erfolgreich ist. Deutlich wird dies daran, wie China die Gefahr einer Deflation und eines Kollaps am Rohstoffmarkt abgewehrt hat: Durch eine energische Kehrtwende in der Geldpolitik ist die Inflation angefacht und die Ertragskraft der Unternehmen wiederhergestellt worden, auch die staatlichen Konzerne sind wieder profitabel. Des weiteren unternimmt China zumindest den Versuch, zentrale Strukturprobleme durch eine Neuausrichtung anzugehen. Auch wenn die hohe Verschuldung und das verlangsamte Wachstum problematisch sind, ist sich die chinesische Führung der Notwendigkeit von Reformen bewusst und zeigt den Willen zum Handeln, im Unterschied zu Europa. US-Präsident Trump ist bislang noch nicht berechenbar: seine Politik könnte die Handelsbeziehungen beeinträchtigen und die “One Belt, One Road”-Strategie sowie die langfristigen regionalen Pläne Chinas durchkreuzen.

Der grundsätzliche Entwicklungspfad Chinas ist dessen ungeachtet vorgezeichnet: Das Land ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und verfügt über mehr börsennotierte Unternehmen als die USA. 18% der gesamten globalen Aktienmarktkapitalisierung entfallen inzwischen auf chinesische Titel. Dennoch ist China nur mit einem sehr kleinen Anteil in den globalen Leitindizes vertreten, da diese die chinesischen Inlandsbörsen nicht berücksichtigen. Dies dürfte sich jedoch ändern, wenn die Neuausrichtung Chinas und die politischen Reformen Fortschritte machen. Dann dürften sich mehr Anleger unserer Auffassung anschließen, dass China eine eigenständige Anlageklasse darstellt.


Disruption: nicht bloß ein technologischer Trend

Künstliche Intelligenz (KI) hat sich seit 2012 zu einem verlockenden Thema entwickelt, da inzwischen lernfähige Maschinen, neue Algorithmen und Fortschritte bei der Prozessorleistung auf umfassende Speichermöglichkeiten treffen. Auch wenn sich KI-Anwendungen noch in einem frühen Stadium befinden, tragen sie bereits zur beschleunigten Automatisierung bisher manuell erledigter Arbeiten bei. Die daraus resultierende Disruption kann auf der einen Seite zu Effizienzgewinnen führen, andererseits aber auch die Ungleichheit der Einkommensverteilung verschärfen und Gegenmaßnahmen seitens Politik und Regulierung nach sich ziehen. Die Unternehmen, die von destruktiven Entwicklungen profitieren, könnten auch den Trend weg von passiven Indexinvestments verstärken: Da im Jahr 2016 praktisch der gesamte Kurszuwachs an der US-Börse auf die obersten 20% der notierten Unternehmen entfiel, erscheint die aktive Einzeltitelauswahl umso attraktiver. Unser Research-Team reagiert auf diese Entwicklung durch Einführung neuer „Disruptions-Ratings” für die von unseren Analysten abgedeckten Unternehmen. Möglicherweise hängt in allen Branchen der Erfolg künftig davon ab, eine neue Mentalität zu entwickeln nach dem Motto: „Bevor man zum Opfer von Disruption wird, muss man selbst disruptiv tätig werden!“


Populismus und Protektionismus sind die neuen Antriebskräfte in der Politik

Bei dem sich abzeichnenden politischen Trend weg von Globalisierung und Freihandel hin zu Populismus und Protektionismus wird Europa im Jahr 2017 eine zentrale Rolle spielen: So dürften ernsthafte Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU („Brexit“) aufgenommen werden und es wird eine außergewöhnliche Abfolge von Wahlen geben geben, in den Niederlanden, Frankreich, und Deutschland, möglicherweise auch in Italien. Unabhängig davon, in welcher Form sich der „Brexit” letztlich vollzieht, dürfte die europäische Union darauf aus sein, Großbritannien den Austritt noch vor den EU-Parlamentswahlen im Mai 2019 zu ermöglichen. Unter Druck steht die Region auch deshalb, da die Ansicht verbreitet ist, dass die EU zu viele Mitglieder hat und deshalb „schrumpfen muss, um wachsen zu können“. So mag sich Europa im Jahr 2017 noch durchwursteln, doch muss die EU eine neue Vision entwickeln und einen nachhaltigen Entwicklungspfad einschlagen – denn die Zeit läuft gegen sie. In den USA könnte die Regierung künftig stärkeren Einfluss auf die Geldpolitik nehmen: Für US-Präsident Trump könnte sich die Möglichkeit ergeben, sechs von sieben Mitgliedern des obersten Entscheidungsgremiums der US-Notenbank (Federal Reserve Board) zu ernennen.


Wichtige Schlussfolgerungen für Anleger

Die wichtigsten Chancen und Risiken, die Anleger künftig berücksichtigen müssen, sind folgende:

  • In dem Maß, in dem China eine wichtigere Rolle in den globalen Leitindizes spielt, sollte es auch einen größeren Anteil an den Anlegerportfolios einnehmen.
  • Europa könnte durch eine Abfolge negativer politischer Nachrichten belastet werden, und speziell europäische Finanzwerte erscheinen risikobehaftet.
  • US-Aktien erscheinen zwar bereits recht teuer, verfügen aber noch über Kurspotential für den Fall, dass Trumps Pläne zu fiskalpolitischen Anreizen und Steuersenkungen Realität werden.
  • Bei der weltweiten „Jagd nach Ertrag” stellen Hochzinsanleihen aus den USA und Asien sowie Emerging Market Bonds und europäische Aktien potentielle Renditequellen dar.
  • Generell raten wir unseren Kunden weiterhin, zur Erzielung von Ertrag Risiken einzugehen – ein Ansatz, der durch die Marktergebnisse immer wieder gerechtfertigt worden ist.

 

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