ETX Capital: Australischer Dollar verliert nach BHP Billiton Warnung
Der Australische Dollar verlor gestern gegenüber dem US-Dollar und dem Euro an Wert, nachdem "The Big Australian", wie BHP Billiton auch genannt wird, davor warnte, dass eine nachhaltiger Rückgang der chinesischen Wachstumsraten infolge zu einem scharfen Rückgang der Nachfrage nach Eisenerz führen könnte.
Eisenerz ist der wesentliche Rohstoff für die Stahlproduktion. China ist momentan der weltweit größte Nachfrager nach Eisenerz und damit nach Stahl. BHP Billiton demgegenüber ist die weltweit größte Minengesellschaft und müsste vor diesem Hintergrund Kapazitäten und geplante Investitionsprojekte streichen. Vor der Meldung von BHP wurden gestern noch die Minutes der Reserve Bank of Australia für den Monat März veröffentlicht. Die RBA Minutes sind das Protokoll der letzten Sitzung des Direktoriums der australischen Notenbank und geben den FX Marktteilnehmern Aufschluss darüber, welche Richtung die RBA in ihrer Zinspolitik einschlagen wird. Entgegen der Warnung von BHP Billiton war der Ton des RBA Direktoriums insgesamt positiv.
Die Herren der RBA konstatieren, dass sich die Aussichten der Weltwirtschaft im letzten Monat verbessert hätten, nachdem die europäische Schuldenkrise von den Politikern zunehmend entschärft wird und deren Bewältigung voranschreitet. Laut RBA Direktorium stellt die europäische Schuldenkrise nach wie vor ein Problem für die Weltwirtschaft dar, jedoch sinkt nach dem griechischen Schuldenschnitt die Wahrscheinlichkeit unkontrollierter Entwicklungen in der näheren Zukunft. Die RBA wird deshalb vorerst den Zinssatz auf den aktuellen Niveaus bei 4,25 Prozent belassen, wird aber auch weiterhin die Entwicklung in der Weltwirtschaft genau beobachten und sofort reagieren, wenn sich hier Unwägbarkeiten auftun oder wenn sich ein stärkerer Rückgang der Wachstumsraten ankündigt. Der gelassene Ton der RBA signalisiert dem FX Markt, dass die australische Notenbank keine Eile hat die Zinssätze zu senken.
Der Kurs des Overnight Index Swaps (OIS) der Credit Suisse, die aktuell bei ca. -40 Basispunkten notieren, zeigen, dass die Marktteilnehmer auf Sicht der nächsten zwölf Monate keine großen Zinssenkungen vonseiten der RBA sehen. Die Kurve der OIS vereint die Erwartungen der Devisenhändler bezüglich der Zinspolitik der RBA in den nächsten 12 Monaten. Ein Wert von -50 signalisiert z.B., dass Marktteilnehmer auf Sicht von einem Jahr eine Zinssenkung von 0,5 Prozent durch die RBA erwarten. Der Chart zeigt die enge Korrelation zwischen dem Kursverlauf des AUD/USD und den Verlauf der Overnight Index Swaps, also den Zinssatzerwartungen, für die RBA Zinsen.
Die wichtigsten Eckdaten der australischen Binnenwirtschaft entwickeln nach wie vor positiv und machen vorerst keine expansive Geldpolitik notwendig. So liegt die Arbeitslosenrate in Australien momentan bei 5,2 Prozent, also nicht weit weg von Vollbeschäftigung, die Inflationsrate bei 3,1 Prozent, und das BIP Wachstum für das vierte Quartal 2011 liegt bei 2,3 Prozent, verglichen mit dem vierten Quartal 2010. Trotzdem ließen sich die Devisenhändler von der Warnung von BHP beeindrucken. Denn die Minengesellschaften sind in Australien die größten Arbeitgeber und ein Rückgang der Nachfrage nach Rohstoffen könnte die Arbeitslosenrate schnell ansteigen lassen. Dies könnte dann schnell die RBA mit Zinssenkungen auf den Plan rufen und für schwächere Kurse des australischen Dollars sorgen.
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