Finanzmärkte im Herbstmodus: Gold, Zinsen und Trumps Einfluss im Fokus
Der Sommer geht zu Ende und auch an den Finanzmärkten scheint es herbstlicher zu werden.
Wir haben die jüngsten geld- und handelspolitischen Entwicklungen zum Anlass genommen, unsere Erwartungen für die USA , den Ölpreis , Devisen , die deutsche Konjunktur sowie Aktien zu revidieren.
Die Anleger werden wieder etwas vorsichtiger.
Sichtbares Zeichen für eine zuletzt wachsende Risikowahrnehmung ist das deutliche Wochenplus bei Gold, das die Marke von 3.400 US-Dollar je Feinunze übersprungen hat und kurz vor einem neuen Rekordwert notiert.
Gold Chart
Das Bedürfnis nach Sicherheit zeigt sich ebenso in den deutlichen Kursgewinnen vor allem am US-Rentenmarkt. Da die 10jährigen US-Treasuries auf Wochensicht stärkere Zinsrückgänge zu verzeichnen hatten als Bundesanleihen, konnte der Euro im Gegenzug weiter profitieren und wertete auf 1,17 gegenüber dem Dollar auf.
Dies ist nicht nur US-Präsident Trump zu verdanken, der mit diversen Anschuldigungen auf Mitglieder der Fed Sorgen um deren Unabhängigkeit befeuert. Hinzu kommt die mit den Zöllen verbundenen unsicheren US-Inflationsaussichten. Von den US-Börsen jedoch wird die Aussicht auf Zinssenkungen der Fed positiv begleitet.
Der marktbreite S&P 500 Index konnte erstmals in seiner Geschichte die Marke von 6.500 überspringen.
Nicht ganz so rund lief es hingegen für die europäischen Börsen.
Der deutsche Leitindex DAX hat auf Wochensicht gut 1 % verloren.
DAX Chart
Hier belastet die Furcht vor Neuwahlen in Frankreich, deren Ausgang im Euroraum Ängste vor einer erneuten Verschuldungskrise anfachen könnte.

Kapitalmärkte im Wochenrückblick
In der Berichtswoche werden Daten zum US-Arbeitsmarkt, die ISM-Indizes sowie PKW-Absätze zeigen, ob die US-Wirtschaft die von Präsident Trump vehement geforderten Zinssenkungen benötigt. Im Euroraum stehen die Verbraucherpreise sowie die Einkaufsmanagerumfragen für einzelne Länder an.
Schließlich dürften auch die chinesischen Einkaufsmanager Beachtung finden.
Vor dem Hintergrund steigender Risiken am Arbeitsmarkt und niedrigerer erwarteter Inflation passen wir unsere Fed-Prognose an.
Dabei spielt Donald Trump (bislang) keine Rolle.
Der US-Senat hat für den 4. September die Anhörung zur Ernennung von Stephen Miran, Trumps treuem Gefolgsmann, als Fed-Gouverneur angesetzt.
Selbst ohne die Ereignisse der vergangenen Tage wäre er an seiner neuen Arbeitsstätte auf große Vorbehalte gestoßen – zu klar ist seine Aufgabe, im Board of Governors und im FOMC der Stimme seines Herrn Gehör zu verschaffen.
Nach der versuchten Entlassung der Gouverneurin Lisa Cook durch den Präsidenten kann Miran nun aber wohl auf eine eisige Stimmung bei seinen zukünftigen Kollegen zählen. Dies betrifft nicht nur die anderen Gouverneure, sondern gerade auch die regionalen Fed-Präsidenten. Offenbar heckt man im Weißen Haus einen Plan aus, deren alle fünf Jahre stattfindende Bestätigung durch das Board im Februar als politischen Hebel einzusetzen.
Unabhängig davon, ob sich Trump vor Gericht gegen Lisa Cook durchsetzt, gehen wir aber nun davon aus, dass die Fed bereits im September – und damit drei Monate früher als bisher gedacht – den Leitzins nach einer längeren Pause weiter senkt.
Obwohl es Ende Juli ausgerechnet die zwei von Trump nominierten Gouverneure waren, die für eine Zinssenkung stimmten, haben sich in den vergangenen Wochen wohl für alle Geldpolitiker die relativen Risiken für den Ausblick verschoben.
Auf der Inflationsseite bleibt der Preisdruck zwar unangenehm hoch. Weitere Effekte der Zollpolitik Präsident Trumps sind zu erwarten. Wir rechnen nun allerdings mit einem etwas geringeren Anziehen der Kernwarenpreise als bisher.
Gleichzeitig senken wir unsere Prognose für den Ölpreis .
In der Kombination der niedrigeren Energiepreise und einer noch immer merklichen, aber weniger dramatischen Beschleunigung der Warenpreise ergibt sich eine neue Prognose für den Anstieg des Verbraucherpreisindex: 2,8 % für 2025 (bisher: 3,0 %) und 2,7 % für 2026 (bisher: 3,3 %). Vor allem für die Änderung 2026 steht der Energiepreiseffekt im Vordergrund. Der Kernindex ohne Nahrungsmittel und Energie dürfte in beiden Jahren um rund 3 % zulegen, was aus Sicht der Fed eigentlich zu hoch ist.
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