Interview mit quirion über moderne Vermögensverwaltung, Online Coaching bei der Geldanlage und das neue ETF-Portfolio für Megatrends

David Ernsting, Broker-Test Chefredakteur, im Interview mit Karl-Matthäus Schmidt, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von quirion, und Martin Daut, Vorstandsvorsitzender von quirion, über Online Coaching bei der Geldanlage, Unterschiede zwischen Quirion und Quirin Privatbank, moderne Vermögensverwaltung und das neue ETF-Portfolio für Megatrends.

 

Karl-Matthäus Schmidt, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von quirion, und Martin Daut, Vorstandsvorsitzender von quirion

Karl-Matthäus Schmidt, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von quirion, und Martin Daut, Vorstandsvorsitzender von quirion

quirion hat dieses Jahr ein komplettes Redesign des Logos und der Webseite durchgeführt. Alles ist nun etwas emotionaler und moderner – was ist die zentrale Botschaft hinter diesem neuen Corporate Design?

Martin Daut: Ja, in der Tat ist unsere Website jetzt heller und damit freundlicher und moderner. Das Logo haben wir nur vorsichtig weiterentwickelt und dem „i“ jetzt auch einen i-Punkt spendiert. Vor allem ging es uns darum, noch einfacher und verständlicher zu werden.

Deshalb haben die Struktur der Website geändert und neue Angebote wie abonnierbares Online Coaching im Premium Paket eingeführt. Das ist eine absolute Innovation im Finanzmarkt. Wir wollen, dass Kunden sich bedarfsorientiert über Abos ihre Beratungsservices dazubuchen und auch wieder abbestellen können.

Wir möchten die Hürden für eine Geldanlage am Kapitalmarkt, die vielen Menschen immer noch als relativ hoch empfinden, so weit wie möglich reduzieren.

Und dafür sind eine einfache Webseite und flexible Beratungsangebote wichtig.

 

 

Damit hebt sich quirion nicht nur optisch von der Muttermarke Quirin Privatbank ab – was sind die inhaltlichen Unterschiede dieser beiden Angebote zur Vermögensverwaltung?

Karl Matthäus Schmidt: Im Kern sind unsere Angebote sehr ähnlich. Sowohl die Quirin Privatbank als auch quirion setzen auf eine prognosefreie, wissenschaftlich basierte Geldanlage. Letztlich geht es uns darum, den Kunden genau das Maß an Beratung und Individualität der Betreuung zu bieten, das ihm am besten gefällt.

Ein Kunde, der seine Geldanlage am Computer oder Handy selber starten kann und keine Beratung wünscht, ist im Digital-Paket bei quirion sehr gut aufgehoben.

Wer einen Financial Planner sucht oder eine komplexe Vermögensstruktur hat, ist bei einem Quirin-Berater besser aufgehoben.

Der Kunde hat die freie Wahl – und bezahlt nur für die Form der Betreuung, die er benötigt.

 

Bei quirion bieten Sie die drei Servicepakete Digital, Premium und Privat an – für welchen Anlegertypen ist welches Paket am Besten geeignet?

Martin Daut: Wie Karl schon sagte, entscheidet bei uns der Kunde, welche Form der Betreuung und Beratung er in Anspruch nehmen möchte. Das spiegelt sich auch in unseren neuen Servicepaketen wider.

Das Digital-Paket ist das Modell, das die meisten unserer Kundinnen und Kunden wählen. Es ist die Basis und beinhaltet die eigentliche Vermögensverwaltung.

Kunden, die darüberhinaus mehr Wissen aufbauen wollen und  eventuell doch Fragen an einen Vermögensberater haben, können das Premium-Paket wählen. Hier haben sie neben der klassischen Kundenbetreuungs-Hotline, die natürlich auch den „Digital-Kunden“ zur Verfügung steht, per Telefon oder Video Zugriff auf einen Pool ausgebildeter Vermögensberater. Es gibt regelmäßige Videosessions in kleinem Kreis, um sich weiterzubilden.

Wer gerne einen festen persönlichen Ansprechpartner in einer der Niederlassungen der Quirin Privatbank haben möchte, entscheidet sich am besten für das Privat-Paket.

Zwischen den Paketen ist auch ein flexibler Wechsel möglich.

Wichtig: Das Asset-Management ist in allen drei Paketen identisch.

Bei der Qualität der Geldanlage machen wir also auch im preiswertesten Paket keine Abstriche.

 

 

Welche Gebühren fallen hierbei an und wie stehen Sie dort im Vergleich zu Wettbewerbern?

Martin Daut: Wir gehören auf jeden Fall zu den günstigsten Anbietern am Markt. Im Digital-Paket verwalten wir die ersten 10.000 Euro ein Jahr lang kostenfrei, danach berechnen wir eine jährliche Vermögensverwaltungsgebühr von 0,48%.

Das Premium-Paket kostet 0,84% pro Jahr, das Privat-Paket 1,2%.

 

Und wie schaut es bei der Performance aus? 2022 war bisher ja für den gesamten Markt eher durchwachsen und die Gewitterwolken Inflation und Rezession schweben immer noch über uns…

Karl Matthäus Schmidt: Nach dem extrem guten Vorjahr ist das bisher schlechte Börsenjahr 2022 natürlich auch in unseren Portfolios sichtbar. Das ist ja auch logisch, weil wir den kompletten Weltmarkt abbilden und eben nicht das Unmögliche versuchen, also den Markt zu timen.

Allerdings profitieren wir mit unserem „Weltdepot“ von der Stärke des US-Dollars.

Das sorgt dann auch dafür, dass wir mit dem 100%-Aktienportfolio deutlich besser dastehen als beispielsweise der DAX.

 

Seit Kurzem bieten Sie auch das ETF-Portfolio für Megatrends an. Darunter befinden sich u.a. Clean Energy, Cyber Security & Machine Learning. Was ist das Ziel dieses ETF-Portfolios und was sind die Kriterien für Megatrends?

Martin Daut:Das wichtigste vorweg: Das Megatrends-Portfolio ist eine Beimischung zu unserem klassischen globalen oder nachhaltigen Portfolio. Zielgruppe sind diejenigen, die neben dem Standardangebot mit mehr Risikoakzeptanz aber dennoch kuratiert in die Megatrends einsteigen wollen.

Mit dem Megatrends-Portfolio können unsere Kundinnen und Kunden gebündelt in aktuell fünf Megatrends investieren – und das unter dem Dach einer Vermögensverwaltung. Das bedeutet, dass wir die Auswahl und Gewichtung der einzelnen Themen und Produkte fortlaufend überwachen. Für die Zusammenstellung haben wir verschiedene Megatrends und Themen analysiert und dabei auch Einschätzungen großer Research- und Beratungsunternehmen berücksichtigt.

Die Gewichtung erfolgt auf Basis der Risiken der einzelnen Trends.

Ziel war es, dass alle Themen gleichermaßen auf das Gesamtrisiko einzahlen.

 

Beim Thema Clean Energy fällt allerdings auf, dass das Thema Atomenergie ausgespart wird. Ein zu heißes Eisen in Deutschland? In anderen Ländern werden viele neue und modernere Atomkraftwerke gebaut. So ist es auch kein Wunder, dass Uranminen-Aktien und Uran-ETFs bisher zu den Gewinnern in 2022 gehörten. Kommt das Thema noch in Ihre Megatrends rein oder bleibt es außen vor?

Karl Matthäus Schmidt: Die Diskussion, ob Atomkraft „clean“ ist oder nicht, kann man natürlich führen. Ich glaube, beide Seiten haben da ihre Argumente. Wir haben Clean Energy als Megatrend identifiziert und dann entsprechend gute und preiswerte ETFs gesucht, mit denen wir diesen Bereich abbilden können.

Dabei setzen wir stark auf erneuerbare Energien und Trends rund um das Thema Wasserstoff.

 

 

Neben den oben genannten Produkten tun Sie aber auch viel für die Weiterbildung Ihrer Kunden – wobei vieles ja auch für Nichtkunden dabei ist. Neben Webinaren und Podcasts schreiben Sie wöchentliche Kolumnen über die Geldanlage, die wesentlich tiefer als kurze Tageskolumnen gehen. Was sind die Schwerpunkte und was wollen Ihren Kunden vermitteln?

Karl Matthäus Schmidt: Ja, das ist ein Thema, das mir persönlich sehr wichtig ist und zu dem ich mich auch regelmäßig mit Martin und dem quirion-Team austausche. Im Kern geht es darum, die Menschen mit Aufklärung zu besseren Anlegerinnen und Anlegern zu machen.

Je mehr Menschen verstehen, dass der Kapitalmarkt nicht böse, sondern optimal zum langfristigen Vermögensaufbau geeignet ist, desto besser. Das gleiche gilt auch für die Themen aktives Management, Prognosen, Timing und so weiter.

Das alles führt nur dazu, das Geldanlage teurer und schlechter ist, als sie sein müsste.

Geldanlage geht besser und günstiger als mit den Produkten der Bankverkäufer.

 

Viele vermögende Anleger und Investoren wollen aber nicht nur für sich anlegen, sondern auch für ihre Kinder und Enkel. Hier bieten Sie ein Kinderkonto an. Was muss hierbei, u.a. auch steuerlich, beachtet werden?

Martin Daut: Ja, das Kinderkonto ist seit dem Start Ende 2019 ein echter „Renner“. Das Konto läuft immer auf den Namen des Kindes, für die Eröffnung ist die Zustimmung aller Sorgeberechtigten notwendig. Sind diese bereits Kunden bei quirion, ist die Eröffnung ganz einfach, wir benötigen nur noch eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes.

Sind die Sorgeberechtigten, also in der Regel die Eltern, noch nicht Kunde, müssen Sie sich ebenfalls per Post- oder VideoIdent persönlich legitimieren.

Mit dem Kinderkonto kann dann der zusätzliche Freibetrag des Kinds genutzt werden.

 

Zum Schluß hätten wir gerne noch Ihre Prognose für die Aktienmärkte: wo steht der DAX am Jahresende? Und bekommen wir die Inflation in den Griff?

Karl Matthäus Schmidt: Da muss ich Sie leider enttäuschen. quirion und Quirin investieren prognosefrei. Warum? Weil Prognosen pure Spekulation sind und es Zufall wäre, träfe meine Prognose zu. Niemand hat eine Glaskugel und kann vorhersagen, wie sich die Märkte entwickeln. Das ist übrigens auch wissenschaftlich sehr eindeutig belegt.

Der DAX könnte also unter 10.000 oder über 15.000 Punkten  stehen – oder bei jeder anderen Zahl… Für den Anlageerfolg ist es viel wichtiger, investiert zu sein und diszipliniert dabei zu bleiben. Timing funktioniert auf Dauer nicht.

Und zur Inflation: Ich bin kein Volkswirt, bin aber optimistisch, dass wir das in den Griff bekommen.

Sie wird uns aber sicher noch eine Weile begleiten.

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