Keine Zinssenkungen in diesem Jahr?
Der überraschend starke Arbeitsmarktbericht aus den USA in der ersten Januarwoche wirkte zum Start des neuen Börsenjahres nach.
Die Anleger fangen an, die Möglichkeit einzukalkulieren, dass die Federal Reserve in Sachen Leitzinsen in diesem Jahr die Füße auch ganz still halten könnte.
Das zumindest signalisiert der Anleihemarkt, an dem die Renditen immer weiter steigen.
So werden festverzinsliche und damit risikoarme Bonds zunehmend zu einer Alternative zu einem immer noch hoch bewerteten Aktienmarkt.
Die Investoren sehen sich aktuell einem gefährlichen Mix aus Risikofaktoren gegenüber.
Die Geldpolitik der Fed und die steigenden Renditen auf der einen Seite und die noch immer unsichere Zollpolitik und geopolitischen Provokationen eines künftigen US-Präsidenten Trump andererseits.
Wurde der Wahlsieg des Republikaners vor zwei Monaten noch mit steigenden Aktienkursen gefeiert, blicken viele Investoren nun stark verunsichert in die Zukunft.
Überraschungspotenzial für Aktienmarkt bleibt hoch
Die Situation erinnert etwas an das vergangene Jahr, als der Markt im anderen Extrem noch bis zu sieben, Leitzinssenkungen einpreiste und dann Mitte des Jahres schwer enttäuscht wurde.
Derzeit rechnen die Anleger nur noch mit einer Zinssenkung und könnten damit erneut falsch liegen.
Diesmal aber bestünde das Überraschungspotenzial für den Aktienmarkt nach oben, was eine Fortsetzung der Rally und neue Rekordhochs bedeuten würde.
Bis zur Amtsübernahme von Donald Trump am kommenden Montag und auch darüber hinaus dürfte am Markt noch Unsicherheit herrschen, spätestens aber in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit sollte es mehr und mehr Klarheit über die aktuell dringendsten Fragen geben und damit die Richtung für die Börse feststehen.
Thema des Jahres
Das übergreifende Thema für das Jahr 2025 dürfte demnach „die Entdeckung eines neutralen Zinses“ sein.
Dieses Konzept bezieht sich auf den Prozess des Verstehens, was ein „normales“ wirtschaftliches Umfeld nach einer Pandemie inmitten erheblicher politischer und makroökonomischer Volatilität ausmacht.
Makroökonomisches Umfeld:
Normalisierung nach der Pandemie:
Die Wirtschaft befindet sich immer noch im Prozess der Anpassung an eine neue Normalität nach den Verwerfungen in der Pandemie.
Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, ob sich der neutrale Zinssatz, der ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftswachstum und Inflation herstellt, aufgrund von Faktoren wie den erheblichen Defizitausgaben der Staaten verschoben hat oder ob er unverändert bleibt.
Debatte über den neutralen Zinssatz:
Es gibt eine anhaltende Debatte darüber, ob der neutrale Zinssatz durch die jüngste Finanzpolitik angehoben wurde.
Dennoch wird anerkannt, dass dieser Satz im Wesentlichen nicht bekannt ist und durch die aktuelle Wirtschaftsleistung und die Reaktionen auf politische Veränderungen ermittelt werden muss.
Geldpolitischer Ausblick
Zinssenkungen und Stimmungsschwankungen:
Nach dem Ruf nach dringenden Zinssenkungen im vergangenen Jahr hat sich die Stimmung nun in Richtung einer „längerfristig höheren“ Zinspolitik gedreht.
Wie aber im vergangenen Jahr dürfte die aktuelle Stimmung nur eine Momentaufnahme sein.
Weiter wäre es sogar möglich, dass sich diese Stimmung erneut umschlägt und weitere Zinssenkungen bis Ende 2025 getätigt werden.
Der Rahmen in dem dies passiert könnte sich in der gleichen Dimension erweisen, wodurch die Federal Funds Rate um 75 bis 100 Basispunkte gesenkt werden könnte.
Wachstumssorgen-Prognose
Gründe könnten in den Schwächephasen der Wirtschaft liegen, da der US-Wohnungsmarkt in einer sehr schwierigen Situation befindet.
Es wird mit einem Wachstumsschock gerechnet, möglicherweise ausgelöst durch Abschwünge auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere im Wohnungsbau, die in der ersten Jahreshälfte einsetzen dürften.
Dies könnte zu Arbeitsplatzverlusten führen und die Geldpolitik weiter in Richtung Lockerung beeinflussen.
Schlussfolgerung
In diesem Jahr könnte es zu erheblichen Anpassungen der Politik kommen, da die Zentralbanken versuchen, diese Unsicherheiten zu bewältigen, was zu einem klareren Verständnis dessen führen könnte, wie „neutrale“ wirtschaftliche Bedingungen in dieser Welt nach der Krise aussehen.
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