Mittelstand steigert Umsätze trotz politischer Krisen

Der deutsche Mittelstand kann auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurückblicken. Im Spannungsfeld von Ukraine-Krise und schwachem Euro auf der einen und niedrigem Ölpreis und robuster Arbeitsmarktsituation auf der anderen Seite, verzeichneten die mittelständischen Unternehmen nach aktuellen Zahlen der Sparkassen-Finanzgruppe ein rund fünfprozentiges Umsatzwachstum. Gleichzeitig legte die Umsatzrendite um einen Prozentpunkt von sechs auf sieben Prozent zu. Ein überdurchschnittlich dynamisches Umsatz- und Renditewachstum konnten die kleineren Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 2,5 Mio. Euro aufweisen.


Spürbares Plus an Aufträgen und Umsatz

Der Blick auf die einzelnen Wirtschaftsbranchen zeigt, dass über alle Bereiche hinweg ein spürbares Plus an Aufträgen und Umsatz festgestellt werden kann. Überdurchschnittlich stark entwickelten sich die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und die unternehmensnahen Dienstleister. Die Handelsunternehmen bilden zwar weiterhin das Schlusslicht, konnten ihren Umsatz aufgrund der positiven Konsumstimmung aber dennoch verhältnismäßig stark ausweiten. Die hohen Lohnzuwächse in der jüngeren Vergangenheit trugen hierzu bei. Der intensive Wettbewerb lässt die Renditen jedoch nach wie vor auf mäßigem Niveau verharren.

Vor diesem erfreulichen Hintergrund scheint sich auch das Vertrauen vieler Unternehmer in die Zukunft langsam wieder zu festigen. Überdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten das Verarbeitende Gewerbe, die Baubranche sowie die Dienstleistungsunternehmen. Zu den investitionsstärksten mittelständischen Firmen zählen aber nach wie vor die großen Immobilienunternehmen. Im Vergleich zu 2013 fielen deren Investitionen 2014 aber etwas geringer aus – möglicherweise ein erstes Indiz für eine beginnende Abschwächung des Immobilienbooms?

„Wir sehen positive Signale bei der Investitionstätigkeit in Deutschland. Dieser Trend muss sich aber weiter fortsetzen und erheblich an Fahrt aufnehmen. Deutschland hat großen Nachholbedarf, sowohl bei privaten als auch öffentlichen Investitionen“, so der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, heute in Berlin.


Wieder erstarkende Investitionstätigkeit

„2015 könne der Anfang für eine wieder erstarkende Investitionstätigkeit werden“, so Fahrenschon. Dies zeigten die jüngsten Geschäftszahlen der Sparkassen im Firmenkundensegment. So stieg das Volumen der Darlehenszusagen der Sparkassen an Unternehmen in den ersten fünf Monaten 2015 um fast 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf über 30 Mrd. Euro an. War bisher vor allem der gewerbliche Wohnungsbau Treiber der Entwicklung, nahmen die Zusagen für Investitionskredite an andere Branchen seit Jahresbeginn 2015 ebenfalls an Fahrt auf. Umgekehrt bauten die Firmenkunden ihre Einlagen bei den Sparkassen seit Jahresbeginn um insgesamt 2,8 Prozent bzw. 4,0 Mrd. Euro ab. Eine gesteigerte Verwendung dieser zusätzlichen finanziellen Mittel im Rahmen von Investitionsvorhaben liegt zumindest nahe. „Dies sollte ein deutliches Signal sein, das günstige geldpolitische Umfeld zu nutzen, um jetzt Investitionsvorhaben zu verwirklichen“, so Fahrenschon.


Optimistische Aussichten für 2015 vor allem für Automobil- und Maschinenbau

Im laufenden Jahr 2015 dürften insbesondere die Automobil- und Maschinenbauunternehmen von den guten Exportaussichten bei weiter schwachem Euro und niedrigem Ölpreis profitieren. Die sich verbessernde wirtschaftliche Lage in Westeuropa und eine weiter lebhafte Nachfrage aus China und den USA tragen hierzu bei. Die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland stellen jedoch besondere Herausforderungen für einen Teil der deutschen Maschinenbauer dar, denen ihr viertgrößter Exportmarkt im Prinzip weggebrochen ist.

Nachdem die Aufträge aus Russland 2014 bereits um 17 Prozent zurückgingen, schrumpften sie im ersten Quartal 2015 um weitere 28 Prozent. Russland ist damit auf Rang Zehn der Exportmärkte für deutsche Maschinen gefallen. Die erheblichen Umsatzrückgänge konnten aber von den Zuwächsen in den übrigen Absatzmärkten überkompensiert werden. Auch die Bau- und Immobilienbranche kann trotz Mietpreisbremse optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf blicken. Die vom Wohnungsbau getragene schwungvolle Baukonjunktur bei nach wie vor historisch niedrigen Zinsen lässt auf weitere Umsatzzuwächse hoffen, wenn auch mit etwas schwächerer Dynamik. „Insgesamt gesehen halten wir für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von gut 1,5 Prozent für realistisch“, so Fahrenschon.


Redaktionstipp

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Dienstleistungsbereiche tragen das Wachstum

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