OPEC in der Krise

Mit einem Paukenschlag warteten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in der abgelaufenen Woche auf. Sie haben die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) am Freitag verlassen.

Inmitten der Energiekrise, die Ende Februar mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran und der daraus folgenden Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran begonnen hat, bewegte dieser Schritt an den Ölmärkten nur kurzzeitig die Notierungen. Die Einflüsse werden aber möglicherweise längerfristig zu spüren sein.

Die VAE sind innerhalb der OPEC hinter Saudi-Arabien das wichtigste Land mit freien Produktionskapazitäten. Beide Länder hatten vor dem Krieg einen Anteil von fast 70%, im März noch immer über 50%. Wegen der Sperrung der Exportroute haben inzwischen Länder wie der Irak und Kuwait im März ihre Produktion deutlich gedrosselt und ebenfalls nennenswerte freie Kapazitäten aufgebaut. Im April dürfte sich diese Entwicklung fortgesetzt haben.

 

 

US-Schieferöl beschneidet seit Jahren den Einfluss der OPEC

Klar ist: Die Macht des Ölkartells ist mit dem Schritt der VAE weiter geschrumpft. Schon seit Jahren hat der Aufschwung der US-amerikanischen Schieferölproduktion die Fähigkeiten der OPEC beschnitten, der Welt den Ölpreis zu diktieren.

Um Preismacht zurückzugewinnen, hat sich die OPEC daher in den letzten Jahren mit zehn weiteren Staaten, darunter Russland, im Rahmen der OPEC+ abgestimmt. Zur Preisstabilisierung beschlossene Produktionskürzungen konnten in den letzten Quartalen nur zögerlich wieder rückgängig gemacht werden. Den Löwenanteil dieser Angebotsmengensteuerung hat Saudi-Arabien (SA) geschultert.

 

WTI Öl Chart

 

US-Druck und Iran-Krise belasten Zusammenhalt der OPEC

Schon seit längerem waren die VAE dabei bemüht, eine Quotenausweitung für sich zu erlangen, was aber nur teilweise innerhalb der OPEC ermöglicht wurde. Insofern überrascht der Schritt der VAE nicht. Es könnte ein Entgegenkommen gegenüber den USA sein.

Der US-Präsident hatte die militärische Unterstützung für die Golfstaaten mit einer Verringerung der Ölpreise in Verbindung gesetzt und damit infrage gestellt. Schließlich ist es im Wahlkampf 2024 das erklärte Ziel gewesen, die Lebenshaltungskosten der US-Amerikaner zu senken, was bis dato als gründlich gescheitert angesehen werden darf – nicht nur weil die Benzinpreise seit Kriegsbeginn um über 40% zugelegt haben, sondern auch wegen der US-Zollpolitik.

Zudem sind die VAE die engsten US-Verbündeten in der Region und hatten unter den Angriffen des Irans deutlich mehr zu leiden als andere Golfanrainer. Die VAE kritisierten daraufhin die mangelnde Hilfe anderer Golfstaaten bei der Verteidigung gegen die iranischen Angriffe und so vertiefte sich der Dissens innerhalb der OPEC.

 

Brent Öl Chart

 

VAE setzen auf zügige Vermarktung ihrer Ölreserven

Ob der langfristig strategische Gedanke, vor dem Hintergrund des Klimawandels und der an Fahrt gewinnenden grünen Transformation lieber zügig Bodenschätze zu versilbern, bevor Ölreserven zu „sunk assets“ werden, eine Rolle bei der Loslösung von OPEC und OPEC+ spielt, ist offen.

Die VAE wollen vermutlich die neu gewonnene Produktionsfreiheit auch nutzen, um die kriegsbedingten Schäden und Produktionsausfälle schnell zu kompensieren und Projekte des Strukturwandels (KI-Investitionen, Tourismus) zu fördern. Dies wird jedoch erst möglich sein, wenn die Exportroute durch die Straße von Hormus wieder offen ist. Auch daher haben die Ölpreise nicht nachhaltig auf die Entscheidung reagiert.

An unserer Erwartungshaltung, dass sich die Ölnotierungen unter der Voraussetzung einer politischen Lösung des Iran-Konflikts bis Juni deutlich entspannen, halten wir bis auf Weiteres fest.

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