Renten: Dauerhafte Inflationsresilienz?

Helaba: An den Rentenmärkten spiegeln sich die schwankenden Erwartungen über den weiteren Verlauf der Pandemie. Das Thema Inflation spielt bei Bundesanleihen dagegen kaum eine Rolle.

Renteninvestoren brauchen derzeit ein dickes Fell. Lange Zeit profitierten sie von der Unsicherheit über das Ausmaß und die Folgen der Pandemie. Die Lockdowns im Zuge der zweiten Infektionswelle hatten die Kurse zwischenzeitlich deutlich nach oben getrieben.

Die Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff löste zuletzt allerdings eine markante Gegenbewegung aus. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass aufgrund des verbesserten Ausblicks die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der EZB kleiner wird. An den Terminmärkten steht der seit März bestehende Abwärtstrend der Geldmarkt-Futures vermutlich vor einer Trendwende.

 


 

Neben Zinsfantasie spielen auch Inflationserwartungen traditionell eine wichtige Rolle bei der Preisbildung von Renten. Allerdings stellt sich die Frage, ob dies im aktuellen Umfeld noch der Fall ist. Seit dem Tiefpunkt im März sind die 5Y/5Y-Inflation-Forwards für den Euroraum um einen halben Prozentpunkt gestiegen und liegen damit im Vor-Corona-Bereich bei rund 1,2%.

Renten schadete diese Entwicklung bislang jedoch nicht. Dies zeigt auch die Korrelationsanalyse zwischen der Veränderung der Inflationserwartungen und der Veränderung der Bund-Rendite.

Nach Jahren im „normalen positiven“ Bereich (steigende Inflationserwartungen = steigende Renditen) sank der Koeffizient im letzten Jahr in den neutralen Bereich nahe der Nulllinie. Der letzte Wert liegt nun bei -0,6. Steigende Inflationserwartungen gingen einher mit sinkenden Renditen.

Anders ist das Bild bei US-Renten. Hier ist der Koeffizient konstant positiv, zuletzt bei +0,6. Es überrascht daher nicht, dass der jüngste Renditeanstieg – innerhalb von zwei Tagen kletterte die Rendite 10-jähriger US-Treasuries um einen viertel Prozentpunkt – stärker ausfiel. Die Inflation-Forwards liegen rund einen Prozentpunkt über denen im Euroraum, was US-Staatsanleihen eine höhere Sensitivität verleiht.

Inflationserwartungen und Renten: Test im nächsten Jahr

Allerdings beantwortet dies noch nicht die unterschiedlichen Vorzeichen bei den Korrelationskoeffizienten. Ein Grund dürfte im unterschiedlich hohen Einsatz der Notenbanken liegen. Setzt man die Bilanzsummen in Relation zum jeweiligen BIP, so steuert der Euroraum bis Jahresende auf einen Wert von rund 60% zu, während die Vergleichsgröße in den USA mit etwa 35% deutlich niedriger ausfällt.

Im Falle deutlich steigender Inflation trauen die Anleger der Fed, gemessen an den unterschiedlichen Korrelationskoeffizienten, vermutlich eher ein Gegensteuern zu. Immerhin hat die US-Notenbank in den letzten Jahren bereits bewiesen, dass sie in der Lage ist, ihre Anleihebestände auch wieder abzuschmelzen.

Davon gehen wohl im Falle der EZB und der besonderen Zwänge, denen sie in der Währungsunion ausgesetzt ist, wohl nur die wenigsten Anleger aus. Das heißt allerdings nicht, dass sich der Korrelationskoeffizient nicht wieder in Richtung positiver Bereich bewegen wird. Der erste ernste Test steht vermutlich nächstes Jahr an, wenn die Inflation im Euroraum wieder spürbar anzieht.

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