„Von der Dollarschwäche profitieren“ oder „Starker Euro – billiger Sprit“

Der Euro ist en vogue, der US-Dollar hingegen out. Das Resultat: Der Kurs EUR/USD klettert unaufhaltsam, Reisen in die USA werden täglich günstiger – die Tourismusbranche reibt sich die Hände. Sicher gibt es für den Dollarverfall schwerwiegende fundamentale Gründe wie das enorme US-Leistungsbilanzdefizit oder die Aussicht, dass die US-Notenbank im nächsten Jahr wegen des Konjunkturabschwungs die Zinsen senken wird. Hinzu kommt, dass China als größter US-Gläubiger künftig weniger stark auf den US-Dollar setzen will.

Was bedeutet der Höhenflug nun für den Privatanleger im Euroraum? Wie kann er daran partizipieren, wovor muss er sich schützen? Während die deutschen Exporteure stöhnen, freuen sich deren US-Pendants. Sie werden auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger. Allerdings ist der Euro auch spürbar mehr wert als zu Jahresbeginn, wodurch US-Produkte günstiger werden. Beispielsweise kostet ein Einsteiger-PC jenseits des Atlantiks 399 USDollar. In Deutschland müssen für dasselbe Modell 369 Euro auf den Tisch gelegt werden. Beim Weihnachtsshopping in New York, wobei auch Flüge und Hotels deutlich billiger geworden sind, kostet der PC bei einem EUR/USD-Kurs von 1,33 nur 300 Euro – eine Ersparnis von fast 20%.

Das Allzeithoch des Euro gegenüber dem US-Dollar liegt bei 1,3670. Damit ist die Ende Dezember 2004 erreichte Rekordmarke in greifbare Nähe gerückt. Steigt der Kurs hierüber, sind mittelfristig auch Notierungen von 1,40 und mehr möglich. Dies kommt den Deutschen nicht nur beim Urlaub, sondern auch an der Tankstelle zugute. Zwar kostete Rohöl in der Spitze in diesem Jahr auf Dollar-Basis stolze 29% mehr als im Januar. Auf Euro-Basis können sich die Deutschen mittlerweile aber über einen Ölpreisrückgang von rund 8% freuen. Daher gilt unser Dank dem starken Euro: Die Spritpreise an den Zapfsäulen wären (die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung einmal außen vor gelassen) noch deutlich höher, da die Ölgeschäfte rund um den Globus vorwiegend in US-Dollar abgerechnet werden.

Ein positiver Effekt ist auch, dass alltägliche Produkte durch den Euroanstieg günstiger werden können. Die Medaille hat wie immer aber zwei Seiten: Die deutschen Importeure profitieren vom Höhenflug des Euro, die Exporteure dürften bei einem weiter anziehenden Wechselkurs vereinzelt in Schwierigkeiten geraten – wenn Sie sich nicht abgesichert haben. Angst, dass Deutschland seine Stellung als Exportweltmeister verliert, ist allerdings nicht angebracht. Denn rund zwei Drittel der deutschen Exporte gehen ins europäische Ausland.

Wer sich zu Jahresbeginn in US-Dollar verschuldet hat, darf sich ebenfalls freuen, da die Zins- und Tilgungsverpflichtungen aus dem Dollarkredit mit jedem Tag kleiner werden. Ein Beispiel für ein Engagement von 50.000 US-Dollar bei Parität, das heißt ein Kurs von 1,00, zeigt den Mechanismus: Verliert der US-Dollar gegenüber dem Euro in fünf Jahren 25 Prozent an Wert, müssen für die 50.000 US-Dollar nur 37.500 Euro zurückgezahlt werden.

Fazit: Der hohe Euro ist für den Verbraucher durchaus positiv zu sehen. Für Unternehmen ist die Lage hingegen zwiespältig: Vor allem exportorientierte Firmen in Dollar-Länder dürften 2007 den starken Euro spüren. Auf der anderen Seite wird der Konjunkturaufschwung von der in Deutschland anziehenden Binnenkonjunktur – auch dank des Arbeitsmarktes – gestützt.

Christian Pohl – Leiter Research
FXdirekt Bank AG

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