Zertifikatemarkt boomt

Marktvolumen wächst im April um 10,6% auf 88,4 Mrd. Euro.

Der Markt für strukturierte Produkte in Deutschland hat im April stark zugelegt. Das zeigen die aktuellen Daten, die von der European Derivatives Group (EDG) im Auftrag des Deutschen Derivate Verbands (DDV) monatlich bei fünfzehn Banken erhoben werden. Die von den Banken verwalteten Anlegergelder haben, gemessen am Open Interest, im April um 10,6 % bzw. 7,2 Mrd. Euro auf 75,1 Mrd. Euro zugenommen.

Die Banken verdanken dieses Wachstum vor allem der starken Nachfrage der Anleger nach Kapitalschutz- und Renten-Zertifikaten sowie der positiven Entwicklung an den Aktienmärkten. Die positiven Preiseffekte lagen dank der Kurssteigerungen bei durchschnittlich 4,2 %. Allein die Kurserholung an den Aktienmärkten sorgte für eine Steigerung der Produktpreise um durchschnittlich 6,5 %. Werden die Zahlen der 15 an der Erhebung teilnehmenden Banken auf den Gesamtmarkt hochgerechnet, beläuft sich das gesamte Marktvolumen im April auf 88,4 Mrd. Euro.

Bei den Anlageprodukten stieg das ausstehende Volumen insgesamt um 10,8 % bzw. 7,3 Mrd. Euro. Bereinigt um die Preiseffekte, verzeichneten sie Zuflüsse von 4,3 Mrd. Euro, was einem Wachstum des Open Interest von 6,3 % entspricht.

Sicherheit stand bei den Anlegern im Berichtsmonat wieder im Vordergrund. Das zeigt auch die Analyse der Anlageprodukte nach Anlageklassen. Hier erhöhte sich insbesondere die Nachfrage nach Zertifikaten auf Rentenbasis. Diese Produkte verzeichneten gegenüber dem März einen kräftigen Anstieg der verwalteten Anlegergelder von 19,8 % auf rund 22,4 Mrd. Euro. Seit dem Jahresanfang beträgt das Wachstum sogar 48,5 % bzw. 7,3 Mrd. Euro. Diese Produktgruppe vereinigt nach dem positiven Trend der letzten Monate schon fast ein Drittel des gesamten Marktvolumens auf sich.

Aktienbasierte Zertifikate nahmen im April dank der positiven Entwicklung der Märkte preisbereinigt um 1,3 % bzw. 597 Mio. Euro zu. Die Aktien-Zertifikate dominieren zwar weiterhin als Basiswert die Anlageprodukte, doch gegenüber dem Vormonat ging ihr Anteil von 67,0 % auf 64,3 % zurück.

Bei Zertifikaten mit Währungen und Rohstoffen als Basiswerte stieg das Marktvolumen trotz der positiven Entwicklung der Commodity-Märkte nur leicht an, und zwar um 0,7 % bzw. 7 Mio. Euro. Allerdings spielen die Währungs-und Rohstoff-Zertifikate mit einem Anteil von 1,4 % für die Gesamtentwicklung des Zertifikatemarkts nur eine untergeordnete Rolle.

Bei den Hedge-Fonds-Produkten hält der Schwächetrend der zurückliegenden Monate an. Das ausstehende Volumen fiel preisbereinigt um 1,7 % bzw. 38 Mio. Euro. Mit einem Open Interest von 2,2 Mrd. Euro liegt der Anteil der Hedge-Fonds-Produkte am Gesamtvolumen bei 3,1 %.

Differenziert nach Produktkategorien war bei den Anlage-Zertifikaten der relative Anstieg des ausstehenden Volumens bei den Aktienanleihen am stärksten. Der Open Interest nahm um 28,7 % bzw. 237 Mio. Euro zu. Ihr Anteil am Gesamtvolumen steigerte sich dadurch von 1,2 % auf 1,5 %. Hinter den Aktienanleihen folgten die Kapitalschutz-Zertifikate. Ihr Open Interest steigerte sich um 11,4 % bzw. 4,5 Mrd. Euro. Sie konnten damit ihren Anteil am Gesamtvolumen noch einmal leicht auf 59,1 % ausbauen.

Die Express-Zertifikate waren auch im April mit einem Marktanteil von 12,3 % die zweitgrößte Kategorie unter den Anlage-Zertifikaten. Aufgrund des gesunkenen Anlegerinteresses ging das ausstehende Volumen allerdings um 2 % bzw. 161 Mio. Euro zurück.

Auch das Interesse an Discount-Zertifikaten nahm offensichtlich wegen der sinkenden Volatilität an den Kapitalmärkten ab. Das Volumen sank um 0,6 % und damit um 42 Mio. Euro. Discount-Zertifikate blieben aber mit einem Anteil von 9,7 % die drittgrößte Produktkategorie bei den Anlage-Zertifikaten. Bonus- und Teilschutz-Zertifikate profitierten im April von den positiven Preiseffekten. Ihr Open Interest erhöhte sich um 8,4 % bzw. 481 Mio. Euro auf 6,2 Mrd. Euro. Preisbereinigt gingen allerdings die von den Banken verwalteten Anlegergelder um 4,6 % bzw. 263 Mio. Euro zurück. Mit 8,4 % bleiben die Bonus- und Teilschutz-Zertifikate weiterhin die viertgrößte Kategorie bei den Anlage-Zertifikaten.

Im April erhöhte sich auch der Open Interest der Outperformanceund Sprint-Zertifikate. Die hohe Nachfrage der Anleger und die positiven Preiseffekte der steigenden Märkte ließen das ausstehende Volumen um 16,3 % bzw. 31 Mio. Euro wachsen. Preisbereinigt blieb ein Plus von 0,7 % bzw. 1,3 Mio. Euro. Mit einem Marktanteil von 0,3 % blieb diese Produktkategorie aber ein Nischenprodukt.

Im Gleichklang mit den steigenden Aktienmärkten verbesserte sich auch das ausstehende Volumen der Index- und Partizipations-Zertifikate. Ihr Open Interest wuchs um 14,1 % bzw. 296 Mio. Euro. Preisbereinigt nahm das verwaltete Volumen um 1,1 % oder 22 Mio. Euro zu. Der Marktanteil lag bei 3,2 %.

Anders als bei den Anlageprodukten stand die Entwicklung bei den Hebelprodukten unter einem eher negativen Vorzeichen. Ihr Open Interest verringerte sich im Vergleich zum Vormonat um 10,8 % oder 84 Mio. Euro. Vor allem die negativen Preiseffekte in Höhe von 22,2% waren für diesen Rückgang verantwortlich. Da gleichzeitig die Aktienpapiere im April stark stiegen, dürfte dies ein Hinweis darauf sein, dass ein Großteil des ausstehenden Volumens der Hebelprodukte zur Zeit in Short- bzw. Put-Strukturen investiert ist. Diese Produkte verlieren spiegelbildlich zu den steigenden Aktienkursen an Wert. Preisbereinigt wuchs der Open Interest bei den Hebel-Zertifikaten um 11,4 % bzw. 89 Mio. Euro.

Aufgrund des starken Anstiegs des Marktvolumens bei den Anlageprodukten und des Rückgangs bei den Hebelpapieren verschoben sich auch die Anteile dieser beiden Produktklassen am Gesamtmarkt. Auf Anlageprodukte entfielen Ende April 99,1 % des Gesamtvolumens. Der Marktanteil der Hebelprodukte ging entsprechend auf 0,9 % zurück.

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