03.08.2017

Aktie im Fokus: Deutsche Bank - Auf Messers Schneide

Ayondo MarketsDie Reaktion des Marktes auf die kürzlich gemeldeten Zahlen der Deutschen Bank fiel eindeutig aus: Um gut sechs Prozent rauschte der Wert in den Keller. Dabei beinhaltete die Bilanz durchaus auch einige Lichtblicke, die künftig noch an Bedeutung gewinnen könnten. Trader sollten sich den Wert genauer anschauen.
 

Auf den ersten Blick präsentierte der heimische Branchenprimus für das abgelaufene Quartal ein starkes Ergebnis. Der Nettogewinn von 466 Mio. Euro lag nicht nur deutlich über dem Vorjahreswert von 18 Mio. Euro, sondern übertraf auch klar die Erwartungen des Marktes.

Allerdings wurden die Prognosen im Vorfeld immer tiefer geschraubt. Zudem sanken die Kosten stärker als die Einnahmen, die um zehn Prozent schrumpften. Ähnlich wie die US-Konkurrenten hinterließen die ruhigen Märkte im ersten Halbjahr deutliche Bremsspuren: Der Handel mit festverzinslichen Wertapieren und Devisen ging um zwölf Prozent zurück, der Aktienhandel brach sogar um 28 Prozent ein.

Letztlich fußt der Gewinnsprung vor allem auf dem sehr schwachen Vorjahresquartal und damit einer niedrigen Vergleichsbasis. Auch der Plan des Managements, die ohnehin geringe Dividende von 0,11 Euro für dieses Jahr ganz zu streichen, kam am Markt nicht gut an.
 

Börsengang als Triebfeder

Fortschritte macht die Bank hingegen beim Kostenabbau. In den vergangenen zwölf Monaten sank die Zahl der Vollzeitkräfte um rund 4700, die Hälfte der geplanten Stellenkürzungen sind umgesetzt. Der erwartete Abbau im Zuge der Eingliederung der Postbank in das Privatkundengeschäft steht aber noch aus. Eine Mammutaufgabe, die aber dringend nötig ist.
 

Gute Signale kommen auch von der Vermögensverwaltung. Die Fondstochter Deutsche Asset Management verzeichnete im zweiten Quartal Zuflüsse von sechs Mrd. Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch neun Mrd. Euro abgezogen wurden. Für Fantasie sorgt der geplante Börsengang der Tochter. Das Listing könnte rund zwei Mrd. Euro einbringen und je nach Marktlage im Frühjahr 2018 erfolgen.
 

Bewertung lässt Spielraum

Teure Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten sind vorerst ebenfalls nicht mehr zu erwarten. Auch die ständigen Sorgen einer zu geringen Kapitalausstattung dürften nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung über acht Mrd. Euro vorerst vom Tisch sein. Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich auf 14 Prozent und liegt damit ähnlich hoch wie bei den Branchenkollegen.
 

Apropos Kennzahlen: Mit Blick auf die Bewertung ist die Aktie durchaus attraktiv. Die Konsensschätzungen für den Gewinn je Papier in 2018 liegen bei 1,57 Euro. Das daraus abgeleitete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,8 überzeugt im Konkurrenzvergleich. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,5 sticht unter den 30 DAX-Aktien hervor und signalisiert eine Unterbewertung.
 

Untergrenze wird ausgelotet

Fans der Charttechnik kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Gut 15 Euro werden derzeit aufgerufen, damit steht die Aktie an einer Schlüsselmarke. Bereits mehrfach in den vergangenen Monaten drehte der Wert auf dem Niveau wieder nach oben. Mit einem Stopp knapp darunter bietet die Aktie für Optimisten ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis.



Auf der Oberseite besteht zunächst Erholungspotenzial bis an einen frischen Abwärtstrend bei rund 16,70 Euro. Spätestens bei 17,80 Euro sollten Anleger wieder aussteigen.

Allerdings bietet auch das negative Szenario viel Potenzial. Fällt die Aktie unter die Unterstützung, drohen mittelfristig Verluste bis in den Bereich um 11,50/12 Euro. Wegen der zuletzt ausgebildeten Serie fallender Hochpunkte haben die Bären aktuell die etwas besseren Karten.
 

Für welche Richtung sich der Wert entscheiden wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Sollte sich die EZB eher in Richtung einer strafferen Geldpolitik in 2018 äußern, dürften Banken von den vermutlich steigenden Zinsen profitieren. Auch stärkere Bewegungen an den Finanzmärkten würden den Aktien- und Anleihehandel anschieben.

Als positive Katalysator dürften sich zudem der laufende Kostenabbau und der Börsengang der Vermögensverwaltung erweisen. Kurzfristige Trader achten hingegen auf die Signale der Charttechnik.
 

Autor: Feingold Research


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