Target2 Salden

Target2 Salden und mögliche Konsequenzen für Deutschland: Jeden Tag fließen etwa 350.000 Zahlungen im Wert von über 1,7 Billionen Euro über das Zahlungsverkehrssystem Target2. Viele Anleger wissen dabei gar nicht, worum es sich bei Target2-Salden eigentlich handelt.

 

  • Wie also funktioniert dieses Zahlungsverkehrssystem Target2?
  • Welche aktuellen Target2-Zahlen sind bekannt?
  • Welche Konsequenzen haben die Target2 Salden für die europäische Union?
  • Welche Konsequenzen haben die Target2 Salden für die Bundesrepublik Deutschland?

 

Diese Fragen wollen wir Ihnen gerne beantworten!

Target2 – was ist das?

Target2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das sowohl nationale als auch grenzüberschreitende Zahlungen abgewickelt werden. Involviert ist bei jeder Transaktion grundsätzlich die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Zentralbanken der jeweiligen Länder.

Target2 steht dabei für Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System. Pro Tag werden rund 350.000 Zahlungen über Target2 abgewickelt. Auf das Jahr gerechnet sind das etwa 90 Millionen Zahlungen mit einem Gesamtwert von etwa 440 Billionen Euro.

Geschäfte, die einer Target2-Transaktion zu Grunde liegen, können ganz unterschiedlicher Natur sein - z.B. Warenlieferung, Wertpapierhandel, Darlehensrückzahlung, ...

Beispiel:

Soll eine Überweisung von einem Kunden in Italien an einen Händler in Deutschland erfolgen, so gibt die italienische Bank den Auftrag zunächst an die italienische Zentralbank Banca d’Italia weiter. Nun leitet die italienische Zentralbank die Transaktion über die Europäische Zentralbank (EZB) an die Bundesbank in Deutschland.

Das Geld fließt dabei nicht physisch, sondern es entsteht auf Seiten der italienischen Zentralbank eine Verbindlichkeit und auf Seiten der deutschen Bundesbank eine Forderung gegenüber der EZB. Von der Bundesbank wird der Auftrag dann an die jeweilige deutsche Geschäftsbank weitergegeben und der Händler erhält sein Geld. Dieses Euro-Zahlungssystem nennt sich Target2.

Die EZB fungiert dabei als sogenannte Clearingstelle. Das bedeutet, dass hier täglich die entsprechenden Forderungen und Verbindlichkeiten gegeneinander aufgerechnet werden.

Bei der belasteten Zentralbank entsteht dabei ein negativer Target2 Saldo und bei der empfangenden Zentralbank entsprechend ein positiver Saldo.

Target2: Zahlen und Fakten

Nur wenige Euroländer (aktuell sieben) haben gegenüber der EZB im Target2-System eine Forderung. Die Mehrheit der Länder (aktuell elf) im Eurosystem verfügt über einen negativen Target2-Saldo und damit über eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB. Nur Estland verfügt derzeit über einen ausgeglichenen Target2-Saldo von null.

 
 Land  Status  Salden in Euro
 Deutschland   Forderung  852,5 Milliarden (Stand: 31.08.2017) 
 Luxemburg  Forderung  189,5 Milliarden
 Niederlande  Forderung  101,5 Milliarden
 Italien  Verbindlichkeit   -397,7 Milliarden
 Spanien  Verbindlichkeit   -383,2 Milliarden
 Portugal  Verbindlichkeit   -77,3 Milliarden
Quelle: de.statista.com, Stand Juli 2017

Target2 Salden - Konsequenzen für Deutschland

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Mögliche Konsequenzen aus den Target2 Salden für Deutschland und die EU: problematisch ist der Target2 Saldo für Deutschland vor allem deshalb, da die Forderungen der Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank seit längerer Zeit extrem steigen.

Aktuell fordert die deutsche Bundesbank aus Target2 mehr als 852 Milliarden Euro - Tendenz steigend (Stand: 31. August 2017).

Diese gigantische Forderung, die Deutschland gegen die EZB hat, löst bei Notenbankern, Ökonomen und Politikern gleichermaßen Besorgnis aus. Schließlich ist Deutschland wegen dieser Milliardenforderung auf einen Fortbestand der europäischen Währungsunion angewiesen.

Solange die Währungsunion weiterbesteht, "ist der Target2 Saldo nicht verlustträchtig".

Das zumindest behauptete Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Ende Februar diesen Jahres. Für den Fall, dass ein Land aus der Währungsunion austritt, ist zumindest theoretisch ein Ausgleich der Verbindlichkeiten bzw. Forderungen vorgesehen.

Fraglich ist allerdings, ob das in der Praxis auch durchgesetzt werden könnte. Würde beispielsweise Griechenland die Eurozone verlassen, würden wohl auch die Target-Verbindlichkeiten des Landes (aktuell rund 105 Milliarden Euro) nicht mehr zurückgezahlt werden.

Für Deutschland ist die exorbitante Forderung von bald knapp einer Billion Euro aus dem Target2 System deshalb ein erhebliches Risiko. Dasselbe gilt für alle anderen Länder, die aktuell gegenüber der EZB eine Forderung haben.

Sicherheiten werden durch Zentralbanken mit negativem Saldo nicht erbracht.

Das Target2-System wird auch deshalb kritisch gesehen, weil die EZB auf diese Weise die Kapitalflucht aus Krisenländern des Euros in Länder wie Deutschland oder Luxemburg finanziert. Kreditinstitute in den Euro-Krisenländern gelangen so an Kapital und entgehen damit einer Insolvenz.

Überspitzt gesagt subventionieren die Länder mit einem positiven Target2-Saldo (z.B. Deutschland, Luxemburg, Niederlande) die Mitglieder mit einem negativen Saldo (z.B. Italien, Spanien).

Die Möglichkeiten, die Target-Salden einzudämmen, sind prinzipiell nur theoretischer Natur. Jeder Versuch würde zu einem erheblichen Eingriff in die Geldpolitik führen und damit weitere Gefahren mit sich bringen.

Zusammenfassend kann dabei gesagt werden:

Je größer die Target-Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB, desto bedrohlicher wird die Gesamtsituation.
Leidtragende könnten am Ende die ganz normalen deutschen Steuerzahler sein.
 

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