Interview mit Nazli Visne von Kraken: Wie die Krypto-Börse mit tokenisierten US-Aktien, Kraken Card und der Partnerschaft mit der Deutsche Börse Group den Markt erobern will

Nazli Visne, Head of Growth – DACH bei Kraken
Broker-Test im Interview mit Nazli Visne, Head of Growth – DACH bei Kraken, über die Positionierung als regulierte Multi-Asset-Plattform, die Verschmelzung von traditionellen und digitalen Märkten und warum Sicherheit bei Kraken kein Feature, sondern das Fundament der Architektur ist.
Kraken ist eine der bekanntesten Krypto-Börsen weltweit – können Sie kurz skizzieren, was Anleger bei Kraken handeln können und wodurch sich Kraken von anderen Anbietern unterscheidet?
Unsere Nutzer haben Zugang zu einem hochliquiden Markt mit über 600 sorgfältig geprüften Kryptowährungen. Ein zentraler Unterschied zu anderen Krypto-Börsen ist unserer Brückenfunktion zum traditionellen Kapitalmarkt.
Durch unsere strategische Partnerschaft mit der Deutsche Börse Group und der 360X-Infrastruktur können wir tokenisierte Wertpapier-Exposures, sogenannte „xStocks“, anbieten.
Das bedeutet, dass unsere Kunden neben Bitcoin oder Ethereum auch tokenisierte US-Aktien und ETFs, wie beispielsweise Johnson & Johnson (JNJx) oder Intel (INTCx), direkt über die Blockchain handeln können. Darüber hinaus bieten wir institutionelles Staking für über 20 Assets sowie fortgeschrittene Margin- und Futures-Produkte an. Wir sind nicht mehr nur eine Krypto-Börse, sondern eine regulierte Multi-Asset-Plattform mit einer in der Branche unübertroffenen Sicherheitsbilanz ohne einen einzigen großen Sicherheitsvorfall.
Welche strategischen Ziele verfolgt Kraken konkret im deutschen Markt – und welche Rolle spielt Deutschland in Ihrer globalen Wachstumsstrategie?
Mit dem Inkrafttreten des paneuropäischen MiCA-Regelwerks werden unsere Krypto-Dienstleistungen für deutsche Kunden seit dem 1. August 2025 direkt über die MiCA-regulierte Einheit Payward Europe Solutions Limited (PESL) erbracht, womit wir EU-weit unter einem harmonisierten Regulierungsrahmen operieren.
Ein weiteres konkretes Ziel ist das B2B-Wachstum. Mit „Kraken Embed“ ermöglichen wir deutschen Banken und Fintechs, unsere regulierte Infrastruktur als White-Label-Lösung zu nutzen, um ihren eigenen Kunden Krypto-Handel anzubieten.
Sicherheit ist für Krypto-Anleger ein zentrales Thema. Wie ist Kraken reguliert, welche Sicherheitsmaßnahmen gelten für Kundengelder – und wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von weniger regulierten Wettbewerbern?
Sicherheit ist bei Kraken kein Feature, sondern das Fundament unserer Architektur. Für deutsche Kunden operieren wir regulatorisch unter den strengsten Vorgaben: Zunächst gestützt durch die europäische MiCA-Verordnung via PESL. Dies garantiert eine strikte Trennung von Kundengeldern und Unternehmenskapital.
Technologisch unterscheiden wir uns von weniger regulierten Marktteilnehmern durch absolute physische und digitale Härtung: Die überwiegende Mehrheit der digitalen Assets wird in geografisch verteilten, air-gapped Cold-Storage-Systemen gelagert.
Auf Nutzerebene setzen wir branchenführende Sicherheitsstandards um – darunter eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) mit TOTP, verpflichtende Whitelists für Auszahlungsadressen und umfassende Verschlüsselung. Ebenso konsequent handeln wir bei der Verwahrung: Kundengelder werden strikt von Unternehmensmitteln getrennt, und unser Treasury-Management folgt klaren, transparenten Prinzipien.
Sie bieten mit Kraken und Kraken Pro zwei verschiedene Plattformen an. Für welche Anlegertypen ist welche Lösung gedacht – und wo liegen die konkreten Unterschiede in Funktionsumfang und Gebührenstruktur?
Um unterschiedliche Nutzerbedürfnisse über denselben Liquiditätspool abzubilden, haben wir eine Dual-Plattform-Strategie entwickelt.
Die Standard-Plattform Kraken richtet sich an Einsteiger und langfristige Anleger, die eine einfache Benutzeroberfläche und Funktionen wie automatisierte Sparpläne schätzen. Die Gebührenstruktur ist bewusst simpel gehalten. Es gilt eine pauschale Gebühr von 1% zuzüglich eines dynamischen Spreads, um den Ausführungspreis zu garantieren.
Kraken Pro hingegen ist das Werkzeug für aktive Trader und institutionelle Akteure. Hier entfallen pauschale Aufschläge zugunsten eines volumenbasierten Maker-Taker-Modells. Die Gebühren beginnen bei wettbewerbsfähigen 0,25% für Maker und 0,40% für Taker und sinken bei höherem Handelsvolumen auf bis zu 0,00% bzw. 0,001%.
Zusätzlich bietet Kraken Pro erweiterte Orderarten, Echtzeit-Orderbücher, professionelles Charting und Zugang zu Derivaten.
Wie bewerten Sie die Bedeutung mobiler Trading-Apps für Krypto-Anleger – und welche Features bieten Ihre Apps, um sowohl Einsteiger als auch Profis optimal zu bedienen?
Ein spannendes Feature für regelmäßige Nutzer ist das Abonnement Kraken+: Für 4,99 Euro im Monat entfallen die Handelsgebühren für ein monatliches Volumen von bis zu 10.000 Euro (wobei die Spreads weiterhin gelten), wodurch sich die Kosten für aktive Retail-Nutzer erheblich reduzieren.
Die Kraken-Pro-App bringt hingegen die Leistungstabellen von Desktop-Terminals auf das Smartphone. Profis können hier bis zu vier Märkte gleichzeitig vergleichen, Live-Orderbücher analysieren und komplexe technische Indikatoren auf voll funktionsfähigen Charts anwenden, um Latenzzeiten beim Trading zu minimieren.
Mit der Kraken Card haben Sie eine Krypto-Debitkarte auf den Markt gebracht. Wie funktioniert das Konzept, welche Vorteile bietet es – und wie wird die Karte von deutschen Nutzern angenommen?
Die Krak Card macht digitale Vermögenswerte im Alltag direkt nutzbar, ohne Abhängigkeit von externen Fiat-Gateways. Über das globale Netzwerk von Mastercard können Nutzer bei alltäglichen Zahlungen, etwa im Supermarkt, aus mehr als 400 Krypto- und Fiat-Währungen wählen.
Bei einer Transaktion werden die hinterlegten Portfoliowerte in Echtzeit konvertiert. Das Konzept besticht durch absolute Gebühreneffizienz und Kontrolle: Es werden weder Fremdwährungsgebühren (Zero FX) noch monatliche Kontoführungsgebühren erhoben.
Zusätzlich bietet die Karte ein attraktives Cashback-Programm von 1% auf jeden Einkauf, das wahlweise in Euro oder Bitcoin ausgezahlt wird.
Im EU-Markt ist die Resonanz äußerst positiv, da die Karte durch zusätzliche Features wie Gehaltseingänge (Salary Deposits) und „Vaults“, die Erträge von bis zu 10% APY auf ungenutzte Vermögenswerte ermöglichen, für viele Nutzer traditionelle Neobanken ersetzt.
Welche weiteren Innovationen oder Produkterweiterungen plant Kraken für die nächsten 12 Monate – insbesondere mit Blick auf den deutschen Markt?
Unsere Roadmap für das Jahr 2026 konzentriert sich auf die weitere Verschmelzung traditioneller und digitaler Märkte, ohne dabei spekulative Hypes zu verfolgen. Im deutschen Markt ist der wichtigste Hebel der Ausbau unserer strategischen Partnerschaft mit der Deutsche Börse Group:
Erstens integrieren wir uns direkt in 360T, den Devisenhandelsplatz der Deutschen Börse, um institutionelle FX-Liquidität (Fremdwährungen) zu sichern.
Zweitens planen wir, vorbehaltlich der endgültigen regulatorischen Genehmigungen, perspektivisch auch Eurex-gelistete Derivate auf unserer Plattform handelbar zu machen.
Drittens bauen wir den B2B-Sektor über „Kraken Embed“ weiter aus. Damit geben wir Banken und Fintechs in Deutschland eine API-Infrastruktur an die Hand, um ihren Kunden Krypto-Dienstleistungen regulierungskonform anbieten zu können.
Welche typischen Fehler beobachten Sie bei Krypto-Anlegern – gerade bei Einsteigern – und welche grundlegenden Prinzipien sollten Anleger beim Kryptohandel unbedingt beachten?
Dort könnten sie von minimalen Maker-/Taker-Gebühren (ab 0,25%) profitieren. Das Grundprinzip dahinter ist simpel: Die Wahl der Plattform muss zur eigenen Handelsstrategie passen.
Der zweite Fehler ist eine zu lockere Haltung bei der Kontosicherheit.
Ein Krypto-Konto ist wie ein Tresorraum und darf nicht wie ein Social-Media-Profil behandelt werden. Vor dem ersten Trade muss die Aktivierung einer hardwaregestützten Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) sowie die Einrichtung einer Whitelist für vertrauenswürdige Auszahlungsadressen das absolute Grundprinzip sein.
Wir integrieren umfangreiche Schutzmechanismen in die Plattform, doch letztlich bleibt ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein der Nutzer der wirksamste Schutz.
Abschließend der Blick nach vorn: Wo sehen Sie Bitcoin und Ethereum am Jahresende 2026 – und welche Faktoren werden aus Ihrer Sicht die Kursentwicklung maßgeblich beeinflussen?
Als regulierter Finanzdienstleister geben wir grundsätzlich keine Preisprognosen ab. Was wir aber einordnen können, sind die strukturellen Faktoren, die die Marktkapitalisierung bis Ende 2026 bestimmen werden.
Bei Bitcoin beobachten wir weiter die Entwicklung weg von einem reinen Retail-Asset hin zu einem makroökonomischen Hedge-Instrument. Entscheidend dürften dabei die fortschreitende Absorption durch institutionelle Spot-ETFs sowie das generelle Marktumfeld sein.
Auch die Diskussion über mögliche staatliche Allokationen oder strategische Reserven kann Erwartungen beeinflussen, unabhängig davon, wie schnell so etwas tatsächlich umgesetzt wird.
Für Ethereum liegt der zentrale Werttreiber aus unserer Sicht in der Netzwerknutzung, insbesondere durch die Tokenisierung von Real-World Assets (RWAs).
Wir beobachten, dass immer mehr traditionelle Finanzinstrumente, von privaten Kreditmärkten bis hin zu Staatsanleihen, zunehmend auf Blockchain-Architekturen migrieren.
Dieses Segment wächst rasant in den zweistelligen Milliardenbereich.
Diese strukturelle Nachfrage nach Blockspace wird die wirtschaftliche Basis von Ethereum im Jahr 2026 maßgeblich bestimmen.
Ethereum Chart
Disclaimer & Risikohinweis
Diese Unterlagen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Beratung zu Anlagen oder Finanzprodukten oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf, zum Staking oder zum Besitz von Krypto-Assets oder zur Beteiligung an einer bestimmten Handelsstrategie dar. Kraken beeinflusst weder aktuell noch zukünftig absichtlich den Preis einer der angebotenen Kryptowährungen. Die Unvorhersehbarkeit von Kryptovermögensmärkten kann zu Verlusten führen.
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Infos über Kraken
Kraken ist eine internationale Kryptowährungsbörse, die 2011 gegründet wurde und zu den etablierten Handelsplätzen für digitale Vermögenswerte zählt. Die Plattform ermöglicht den Handel von Kryptowährungen gegen Fiatwährungen wie Euro oder US-Dollar und richtet sich sowohl an private Anleger a...







