Kanadischer Dollar vor Aufschwung: Energiepreise und Zinsdifferenzen als Treiber
Der Kanadische Dollar wertete gegenüber dem US-Dollar über die vergangenen fünf Jahre leicht, aber beständig ab.
Hauptsächlich war diese Abwärtsbewegung auf einen zunehmenden Zinsvorteil der USA gegenüber Kanada zurückzuführen.
Die neu geschaffene Realität an den Energiemärkten könnte diesen Abwärtstrend jedoch stoppen oder sogar umkehren.
Wir gehen zum Jahresende von einem Kurs von 1,35 gegenüber dem US-Dollar aus.
Die Bank of Canada musste ihren Leitzins 2023 weniger straffen als die Federal Reserve und konnte im anschließenden Zinssenkungszyklus die Zinsen stärker senken als ihr US-Pendant.
Seit Oktober 2025 hält sie ihren Leitzins bei 2,25 %, während in den USA noch das Zielband von 3,50 bis 3,75 % gültig ist.
Die relative Attraktivität nahm also im Zeitverlauf ab, was der Währung schadete.
Seit dem sogenannten „Liberation Day“ konnte der „Loonie“ gegenüber dem US-Dollar zulegen.
Das ist aber eher Ausdruck eines schwachen US-Dollars als eines starken Kanadischen Dollars.
Gegenüber dem Euro und den meisten anderen Währungen entwickelte sich der Kanadische Dollar eher schwach.
Da aber rund 67 % des Handels mit den USA stattfinden, ist vor allem der Vergleich zu ihm relevant.
Mit Ausbruch des Irankriegs konnte der Kanadische Dollar gegenüber dem US-Dollar etwas und gegenüber dem Euro deutlich von steigenden Ölnotierungen profitieren.
Infolge des Waffenstillstands wurden wieder Hoffnungen auf einen Frieden geweckt und die Kursgewinne schmolzen dahin.
Der Devisenmarkt preist gewissermaßen einen Frieden ein, obwohl sich die Ölpreise auch Wochen nach Kriegsbeginn nicht zurückbilden.
Wie schnell sich das Ölangebot im Friedensfall normalisiert, ist fraglich.
Einerseits liegen vollbeladene Schiffe in den Häfen, die bei Öffnung der Straße von Hormus das Ölangebot ausweiten werden.
Andererseits sind Förderanlagen zum Teil nachhaltig beschädigt, was das Angebot langfristig knapper werden lässt.
Ohnehin ist fraglich, wie bald die Tanker die Meerenge unbehelligt passieren könnten.
Im Roten Meer beispielsweise hat sich die Anzahl der täglich passierenden Tanker nach Angriffen der Huthis seit 2023 nicht erholen können.
Das rohstoffreiche Land Kanada – in den Worten von Mark Carney eine „Energie-Supermacht“ – exportierte 2025 Öl und Gas im Gegenwert von 154 Mrd. Kanadischen Dollar, was etwa 100 Mrd. Euro entspricht.
Mit einem Anteil von rund 25 % an den Exporten des Landes hat dieser Sektor einen großen Einfluss auf den Außenhandel und somit auch auf den Wechselkurs.
Kanada gilt zudem als politisch stabiles Land und somit als zuverlässiger Handelspartner.
Durch die höheren Energiepreise verbessern sich zwangsläufig die Exportpreise für Kanada, was eine erhöhte Nachfrage nach Kanadischem Dollar mit sich bringt.
In der unten stehenden Grafik ist der starke Zusammenhang zwischen Rohölpreis und Euro-Kanadischer-Dollar-Wechselkurs zu erkennen.
Der Wechselkurs gegenüber dem Euro spiegelt die Ölpreisentwicklung phasenweise gut wider, beispielsweise die jüngste Aufund Abwärtsbewegung.
Die realen Exportmengen lassen sich jedoch kurzfristig nicht ausweiten, da die kanadische Erdölindustrie bereits stark ausgelastet ist.
Das in Alberta geförderte Erdöl wird mittels Pipeline an die Westküste nach Vancouver geleitet, um von dort nach Übersee exportiert zu werden.
Noch wichtiger ist die Pipeline, die Rohöl in die USA exportiert.
Beide Pipelines haben kurzfristig keine Möglichkeiten zur Kapazitätsausweitung.
Daher wird wegen der Engpässe aus dem Nahen Osten nicht zwangsläufig mehr kanadisches Öl gekauft, sondern lediglich zu höheren Preisen.
Für einen Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren sieht der kanadische Erdölverband
CAPP
Möglichkeiten, die Exportkapazitäten um 800.000 Barrel pro Tag (ca. +7 %) zu erhöhen.
Langfristig sind zwei neue Pipelines mit insgesamt 1,45 Millionen Barrel pro Tag an Kapazitä

ten geplant.
Damit könnten von Kanadas Westküste aus asiatische Länder mit Öl versorgt werden, was deren Abhängigkeit vom Nahen Osten und gleichzeitig die Exportabhängigkeit Kanadas von den USA reduziert (siehe obige Grafik).
Dies würde die Nachfrage nach Kanadischen Dollars erhöhen und somit die Währung stärken.
Neben der realwirtschaftlichen Nachfrage sind die Zinsdifferenzen ein wichtiger Faktor für die Entwicklung jeder Währung.
Der Zinsvorteil von US-Treasuries gegenüber kanadischen Staatsanleihen gipfelte Anfang 2025 und ist seitdem rückläufig.
Während in den USA weiterhin eher von Zinssenkungen als von Zinserhöhungen die Rede ist, sind letztere in Kanada wahrscheinlicher.
Die Inflation war vor dem Energiepreisschock gut unter Kontrolle und mit einem Leitzins von 2,25 % ist die Geldpolitik nicht stark expansiv.
Eine hohe Inflation, vergleichbar mit 2022, ist daher nicht zu erwarten.
Eventuelle Zinsschritte werden also moderat ausfallen.
Bis zu zwei Zinsschritte sind in Kanada 2026 vorstellbar, der Markt preist aktuell etwas mehr als einen Zinsschritt um 25 Basispunkte zum Jahresende ein.
Wir gehen davon aus, dass die Fed dieses Jahr ihren Leitzins unverändert lässt.
Der Renditevorsprung von US-Treasuries gegenüber ihren kanadischen Pendants wird damit im Jahresverlauf also eher nachgeben.
Gegen eine Aufwertung spricht hingegen die schwächere wirtschaftliche Entwicklung in Kanada.
Nach einem guten Jahr 2024 verlor die Wirtschaft 2025 an Schwung.
Auch im laufenden Jahr wird sie keine allzu großen Sprünge machen und bei rund 1 % Wachstum landen.
Damit fällt das Wachstum geringer aus als in den USA mit rund 2 %.
Langfristig könnten die Wachstumsdifferenzen zum einzigen Nachbarland Kanadas jedoch in Richtung null laufen, wenn sich der KI-Boom abschwächt und die protektionistischen Maßnahmen in den USA das Wachstum dämmen.
Fundamental betrachtet ist der Kanadische Dollar anhand der Kaufkraftparität deutlich unterbewertet.
Sie bietet einen Richtwert für den fairen Wert einer Währung, kann von dem Wechselkurs aber jahrelang abweichen.
Auch reale Wechselkursindizes signalisieren einen langfristigen Aufwertungsbedarf der Währung.
Die Positionen der spekulativen Anleger richteten sich in den vergangenen Jahren in der Regel gegen den Kanadischen Dollar.
Der Irankrieg konnte die Positionierungen in substanziellem Maße abbauen, was auch die zwischenzeitliche Aufwertung erklärt.
Mittlerweile gehen spekulative Anleger zwar wieder von einem fallenden Kanadischen Dollar aus, allerdings nicht so ausgeprägt wie vor Kriegsbeginn.
Eine zu starke Positionierung dient uns als Kontraindikator, daher beobachten wir die Entwicklung der Positionierung.
Wir gehen im Jahresverlauf von einer Aufwertung des Kanadischen Dollars gegenüber dem US-Dollar aus.
Neben dem gewichtigen Energiesektor und der erwarteten Veränderung der Zinsdifferenzen spielen auch die tendenziell schlechteren Aussichten für den US-Dollar eine Rolle.
Diese haben wir in unserer Studie zu den USA und dem US-Dollar ausführlich beschrieben.
Aufgrund der insgesamt schwachen wirtschaftlichen Aussichten, wird der Loonie aber keine großen Sprünge machen und gegenüber dem Euro sogar leicht abwerten.

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