Wohlstand in Deutschland seit 2020 unter Druck
Deutschland sollte der Entwicklung des Wohlstandes – einem der zentralen Ziele der Sozialen Marktwirtschaft – mehr Aufmerksamkeit widmen.
Das ergibt eine Studie des ifo Instituts im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).
„Unsere Analyse zeigt bei mehreren Wohlstandsindikatoren spätestens seit dem Jahr 2020 einen Rückgang oder zumindest eine Stagnation. Ohne tiefgreifende Reformen besteht die Gefahr, dass der Wohlstand in Deutschland verfällt oder die deutsche Bevölkerung von der weltweiten Wohlstandsentwicklung abgekoppelt wird“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest.
„Die Soziale Marktwirtschaft ist kein Auslaufmodell – im Gegenteil: Sie ist gerade in Zeiten des Wandels aktueller denn je. Die Rückbesinnung auf ihre Grundprinzipien ist kein Blick zurück, sondern der entscheidende Schritt nach vorne“, ergänzt vbw Präsident Wolfram Hatz.
Warum Deutschlands Soziale Marktwirtschaft an Boden verliert
„Allerdings deuten Indikatoren wie BIP pro Kopf, BIP-Wachstum, Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung auf einen Rückgang seit spätestens dem Jahr 2020 hin“, erläutert Sarah Necker, Leiterin des ifo Ludwig Erhard Zentrums für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik.
Untersucht wurden neben der Wohlstandsentwicklung vier weitere Dimensionen der Sozialen Marktwirtschaft: Breite Teilhabe durch Wettbewerb und Chancengerechtigkeit, Freiheit und Eigenverantwortung, Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaft sowie Resilienz und Widerstandsfähigkeit. Aus den Ergebnissen wird eine wirtschaftspolitische Agenda abgeleitet.
Der inländische Wettbewerb funktioniere grundsätzlich, schreiben die Autoren.
Doch die Digitalisierung übertrage negative Effekte globaler Marktkonzentration nach Deutschland.
Vor allem der Einfluss von US-Unternehmen stelle die Wettbewerbspolitik in Deutschland vor Herausforderungen. Gleichzeitig verweise die seit Jahren sinkende soziale Mobilität auf Probleme im Bildungssystem.
Dem Zustand von wirtschaftlicher Freiheit und Eigenverantwortung attestiert die Studie ein gemischtes Bild.
So seien die Staatsausgaben und die Neuverschuldung anders als in anderen G7-Ländern nach der Coronakrise nicht mehr zu den niedrigeren Ausgangsniveaus zurückgekehrt. Positiv lasse sich feststellen, dass die Zahl der Transferempfänger im Trend der letzten 20 Jahre abnimmt.
Demografie und schwache Investitionen bremsen
Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft werde durch den demografischen Wandel, geringe Investitionen in physisches Kapital und Humankapital belastet.
Positiv falle auf: Deutschland gibt 3,1 Prozent des BIP für Forschung aus und liegt damit über dem G7-Durchschnitt von 2,5 Prozent; bei den digitalen Technologien habe Deutschland allerdings Nachholbedarf. Im Bereich Umweltschutz schneide Deutschland vergleichsweise gut ab.
Eine stärkere Diversifizierung könne hier die wirtschaftliche Sicherheit erhöhen, insbesondere bei der Energieversorgung.
Die Importabhängigkeit im Energiesektor sei seit der Jahrtausendwende gestiegen, was die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Schocks erhöht habe.
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