Aus den Magnificent Seven werden die Magnificent Ten: SpaceX und die neue Macht der Indexmechanik

Der geplante SpaceX-Börsengang ist mehr als ein Mega-IPO. Er könnte zum Stresstest für passive Anleger werden und mit OpenAI und Anthropic stehen bereits die nächsten Mega-IPO-Kandidaten in den Startlöchern. Warum Indexanbieter bereits den roten Teppich ausrollen und was das für ETFs und aktive Anleger bedeutet, erklärt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A.

Die illustre Runde der „Magnificent Seven“ wird demnächst um drei weitere Titel ergänzt. SpaceX soll unter dem Ticker SPCX an der Nasdaq gelistet werden, mit einer Platzierung von voraussichtlich 40 bis 80 Milliarden US-Dollar und einer Unternehmensbewertung von 1,75 bis 2,0 Billionen US-Dollar.

Der 12. Juni könnte damit zum Startpunkt für den größten „Friends & Family Trade“ aller Zeiten werden. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte. OpenAI peilt ein IPO im vierten Quartal 2026 an, Anthropic könnte kurz vor Jahresende folgen. In Summe geht es um rund 3 bis 3,4 Billionen US-Dollar, die sich in den großen Indizes in gewisser Art und Weise abbilden dürften.

„Aus den Magnificent Seven werden bald die Magnificent Ten“, sagt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. „Das wird eine Indexkonzentration, wie wir sie zuletzt in den 1930er-Jahren gesehen haben.“

 

Alte Indexregeln für eine neue Größenordnung

Das Problem: Die alten Indexregeln waren für Unternehmen dieser Größenordnung nicht ausgelegt. Zwölf Monate „Seasoning“-Regel, Profitabilitätsanforderung, Mindestregel für frei verfügbare Aktien – all das ergibt für normale IPOs Sinn. Nicht aber für Unternehmen, die ab Tag eins unter die zehn größten der USA fallen könnten.

Deshalb haben die Indexanbieter angepasst. „Die Indexanbieter rollen den roten Teppich aus“, so Held. „Die Regeln werden auf Unternehmen zugeschnitten, die für normale IPO-Standards schlicht zu groß sind.“

Der Nasdaq 100 hat seit dem 1. Mai 2026 eine neue Fast-Entry-Regel. Wer nach sieben Handelstagen unter den Top 40 liegt (nach Marktkapitalisierung), kann nach 15 Handelstagen in den Index. Eine Seasoning-Regel gibt es nicht mehr. Die alte Zehn-Prozent-Mindestregel für frei verfügbare Aktien ist ebenfalls weggefallen; Aktien mit geringem Streubesitz werden beim Indexgewicht gedeckelt.

Auch für den S&P 500 wird aktuell an Anpassungen gearbeitet: Die Seasoning-Regel soll von zwölf auf sechs Monate halbiert werden. Für Mega-Caps sollen die Regeln für frei verfügbare Aktien und sogar die Profitabilitätsanforderung entfallen.

FTSE Russell prüft ebenfalls eine schnelle Indexaufnahme.

 

Der passive Aufschlag

In der heutigen ETF-zentrierten Welt betrifft das jeden Investor. Indextracker machen 25 bis 30 Prozent des täglichen S&P-500-Volumens aus. Sobald die Aufnahme eines Titels in den Index bestätigt ist, müssen die Tracker die neuen Indexkomponenten kaufen – egal zu welchem Preis. Bei drei Aufnahmen dieser Größenordnung geht es um Zwangskäufe im zweistelligen Milliardenbereich.

„Wer eine Allokation in diesen Namen bekommt, sitzt auf einem raren Gut“, sagt Held. „Alle anderen werden den passiven Aufschlag zahlen müssen – und damit die Buchbewertungen der Altaktionäre nach oben treiben.“

 

Magnificent Ten: Konzentration statt Diversifikation

Die Magnificent Seven machen heute rund 34 Prozent des S&P 500 aus. Mit SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten daraus Magnificent Ten mit rund 40 Prozent Indexgewicht werden.

„Für Anleger ist das keine technische Fußnote. Wer passiv investiert, kauft nicht nur den Markt. Er kauft zunehmend die Indexkonzentration weniger Mega-Caps mit“, ordnet Held ein.

 

Was aktive Anleger jetzt prüfen sollten

Für aktive Investoren sieht Held somit ein klares Aufgabenprofil: „Es geht nicht darum, der größten Story blind hinterherzulaufen. Für uns geht es darum, frühzeitig zu prüfen, wo Indexflüsse, Neubewertungen und relative Gewichtsverschiebungen Chancen oder Risiken schaffen, die wir proaktiv und flexibel nutzen, um Mehrwert für unsere Anleger zu schaffen. Das ist unser Anspruch und das, was aktives Management für Anleger – im Gegensatz zum Index-Tracking – leisten sollte.“

„Wir halten aktuell an selektiven FANG+-Namen fest und werden die Positionierungen deutlich vor dem SpaceX-IPO erneut prüfen“, führt der Portfolio Manager weiter aus. „In den für den Börsengang von SpaceX beauftragten Konsortialbanken sind wir auch mit Blick auf die zu erwartenden zusätzlichen Markttransaktionen bereits stark positioniert. Darüber hinaus profitierten unsere Investoren indirekt durch die stark hochlaufenden Bewertungen der Space-Namen, in denen wir schon exponiert sind.“

 

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