Small Caps: Ist Größe noch relevant?

T. Rowe Price: In den 90er-Jahren haben der Nobelpreisträger Eugene Fama und Professor Kenneth French das „Drei-Faktoren-Modell“ etabliert, um die Aktienrenditen besser zu erklären. Ihre Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Value-Aktien tendenziell Wachstums-Aktien übertreffen und Small Caps besser abschneiden als Large Caps.

Die Vorstellung, dass kleinere Unternehmen höhere risikoadjustierte Renditen aufweisen, besteht bereits seit einigen Jahrzehnten. Zugleich war es die Geburt der „Größenrisikoprämie“.

Unter der Risikoprämie versteht man die überdurchschnittliche Rendite, die Anleger für das Eingehen eines Risikos entschädigen soll. Das Prinzip: Wer ein größeres Risiko eingeht, soll auch im Erfolgsfall eine größere Rendite erzielen.

Kleinere Unternehmen sind aus mehreren Gründen tendenziell für Investoren riskanter als ihre größeren Pendants:

Erstens, ist es in der Regel teurer, Informationen über weniger bekannte Firmen zu erhalten als über größere. Diese „Informationskosten“ sollten sich in der Rendite widerspiegeln.

Zweitens, sind kleinere Unternehmen weniger liquide als große Unternehmen. Dadurch entstehen beim Verkauf der Aktien höhere Kosten. Als Entschädigung erhalten Anleger eine Liquiditätsprämie.

Drittens, sind die Geschäftsrisiken bei kleineren Unternehmen tendenziell größer, da sie zumeist weniger Ressourcen haben als große Unternehmen und auch weniger diversifiziert sind. Hinzu kommt, dass große Konzerne in der Regel auch international besser aufgestellt sind und daher unempfindlicher auf Konjunkturabschwünge reagieren.

Der Einbruch der Renditetheorie
Soweit zur Theorie. „Wir sehen drei mögliche Gründe für den Einbruch der Small-Cap-Prämie: die starke Rally bei Technologiewerten, das Niedrigzinsumfeld und die allgemeine Dollarschwäche“, sagt Yoram Lustig, Head of Multi-Asset Solutions, EMEA bei T. Rowe Price. So sind Large Caps deutlich technologielastiger als Small Caps.

Die enorme Outperformance von Technologieunternehmen im vergangenen Jahrzehnt, insbesondere Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google, erklärt zum Teil die jüngste Stärke der Large Caps. Niedrige Zinsen können ein weiterer Grund dafür sein, dass Small Caps gegenüber Large Caps in den vergangenen Jahren nicht besser performen konnten.

 

 

In Phasen steigender Zinsen, die mit einer wirtschaftlichen Erholung einhergehen, spielen Small Caps ihre Stärken aus. Die vergangenen Jahre waren jedoch durch das schwache Zinsniveau geprägt. Darüber hinaus haben die schwachen Zinsen Large Caps geholfen, da sie in der Regel mehr Dividenden ausschütten als kleinere Unternehmen.

Große Unternehmen neigen zudem dazu, mehr zu exportieren als kleinere. Deswegen konnte der insgesamt schwache Dollar die Large Caps stärken.

Small Caps gehören ins Portfolio
Auch wenn die meisten Portfolios in Large Caps engagiert sind, ist es wichtig, bei Small Caps die strategische Allokation beizubehalten. Nicht nur zur Diversifikation, sondern auch weil kleine Firmen schneller wachsen können als ihre größeren Konkurrenten. Kein Zweifel, einigen Small Caps gehört die Zukunft. Zwar sind sie grundsätzlich riskanter, dafür versprechen sie aber auch höhere Renditen.

„Das nächste Jahrzehnt könnte sich für kleine Unternehmen ganz anders entwickeln als das vergangene“, bemerkt Lustig. So sei es denkbar, dass große Tech-Unternehmen aufgrund der hohen Bewertungen und des regulatorischen Gegenwindes nachgeben – zudem die US-Zinsen stiegen und der Dollar seit April 2018 stärker geworden sei.

Außerdem hätten sich US-Steuersenkungen auf kleine Firmen stärker ausgewirkt als auf große, sodass das Umfeld allmählich kleinen Unternehmen zugute kommen könnte.

Small Caps gehören also nach wie vor zu einem breit diversifizierten Portfolio. Die Kunst dabei ist jedoch, den besten Ansatz dafür zu finden. „In diesem Universum ist ein aktives Management der Schlüssel zum Erfolg. Im Small-Cap-Segment mit seinen weniger erforschten, weniger bekannten und weniger liquiden Aktien ist eine gezielte Auswahl der Titel unbedingt notwendig“, resümiert Lustig.

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