Operative Marge bei 10,7% – adidas übertrifft eigenes Margenziel schon jetzt
Fundamental zeigt sich adidas so robust wie lange nicht – im ersten Quartal 2026 legte der währungsbereinigte Umsatz um 14% auf 6,59 Mrd. Euro zu, das Betriebsergebnis kletterte um 16% auf 705 Mio. Euro, die operative Marge verbesserte sich auf 10,7%. Der Gewinn je Aktie stieg von 2,40 auf 2,72 Euro. Besonders das eigene Einzelhandelsgeschäft zog kräftig an – online mit einem Plus von 25%, im stationären Handel mit 19%.
Für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern seinen Ausblick: währungsbereinigtes Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich, ein Betriebsergebnis von rund 2,3 Mrd. Euro.
Vorstandschef Bjørn Gulden hat sich mittelfristig eine EBIT-Marge von 10% bis 2027 zum Ziel gesetzt – dieses Niveau hat adidas mit dem ersten Quartal bereits übertroffen.
Auf der Bewertungsseite zahlt sich das noch nicht vollständig aus…
Bei einem KGV von knapp 19 und einer Marktkapitalisierung von rund 32,6 Mrd. Euro ist die Aktie nach dem Kursanstieg seit dem Zwischentief vom März nicht mehr günstig, aber auch keineswegs ambitioniert bewertet.
Die für 2026 von Analysten erwartete Gewinnsteigerung von rund 28% würde das relativieren, sofern sie eintrifft.
205 Euro
Durchschnittliches 12-Monats-Kursziel (Konsens)
▲ rund +11% Potenzial
250 Euro
Höchstes Kursziel (Metzler)
▲ rund +36%
185 Euro
Vorsichtigstes Kursziel (Goldman Sachs)
▼ kaum Potenzial, „Neutral“
10,7%
Operative Marge Q1 2026
▲ +0,8 Punkte ggü. Vorjahr
Quelle: Unternehmensangaben, aggregierte Analystenschätzungen. Stand: Juli 2026. Keine Anlageberatung.
Analysten uneins: Zwischen Kaufempfehlung und Neutral-Rating
Die Bandbreite der Einschätzungen ist zuletzt größer geworden. J.P. Morgan nahm die Coverage Anfang Juli mit „Overweight“ und einem Kursziel von 230 Euro wieder auf. Die Deutsche Bank hob ihr Ziel auf 210 Euro an und bleibt bei „Buy“, UBS sieht 219 Euro.
Am oberen Ende steht Bernstein mit „Outperform“ und 245 Euro – kombiniert mit dem Metzler-Ziel von 250 Euro ergibt sich das größte Aufwärtspotenzial.
Zurückhaltender bleibt Goldman Sachs: Das Kursziel wurde zwar von 165 auf 185 Euro angehoben, das Rating aber bei „Neutral“ belassen – Analyst Richard Edwards wartet erst die Quartalszahlen am 30. Juli ab, ehe er sich stärker positioniert.
Genau diese Spanne – von kaum Luft nach oben bei Goldman bis zu gut einem Drittel Potenzial bei Metzler – zeigt, wie unterschiedlich der Markt die anstehenden Zahlen einschätzt.
Rückenwind vom Rasen: adidas und die WM 2026
Ein Sonderfaktor für das laufende Jahr ist die Fußball-Weltmeisterschaft. adidas rüstet insgesamt 14 Nationalmannschaften aus – mehr als Rivale Nike mit zwölf.
Zu den prominentesten zählen Titelfavorit Spanien, Argentinien und Co-Gastgeber Mexiko.
Ausgerechnet die deutsche Nationalmannschaft, ebenfalls im adidas-Trikot und beim laufenden Turnier zum letzten Mal vor dem Wechsel zu Nike ab 2027, schied bereits in der Runde der letzten 32 gegen Paraguay aus – ein kurzfristiger Dämpfer für die Stimmung rund um den Ausrüster, auch wenn der Effekt auf die eigentlichen Umsätze begrenzt sein dürfte.
Im nun laufenden Achtelfinale zeigt sich ein gemischtes Bild: Von den 16 verbliebenen Teams tragen sechs Nike, fünf adidas und fünf Puma.
adidas — Argentinien, Belgien, Kolumbien, Mexiko, Spanien
5 Teams
Nike — Frankreich, Brasilien, Norwegen, England, USA, Kanada
6 Teams
Puma — Marokko, Paraguay, Portugal, Ägypten, Schweiz
5 Teams
Quelle: Offizielle Trikotausrüster der Nationalverbände. Stand: 4. Juli 2026.
Bleiben Argentinien, Spanien, Belgien, Kolumbien und Mexiko im Turnier möglichst lange dabei, dürfte das den Absatz von Trikots und Fanartikeln zusätzlich stützen – ein Effekt, der sich allerdings erst in den Zahlen zum zweiten und dritten Quartal zeigen wird, nicht in den bereits vorliegenden Q1-Daten.
Chancen und Risiken im Überblick
Operativ hat sich die Ausgangslage für adidas zuletzt klar verbessert. Ob das für eine nachhaltige Neubewertung reicht, hängt aber auch von externen Faktoren ab, die das Unternehmen nur bedingt selbst steuern kann.
- Operative Marge bereits über dem mittelfristigen 10%-Ziel des Managements
- Kräftiges DTC-Wachstum (Online +25%, Einzelhandel +19%) zeigt Markenstärke
- WM-Sichtbarkeit durch mehrere aussichtsreiche, adidas-gesponserte Nationalteams
- Jahresausblick bestätigt: EBIT-Ziel von rund 2,3 Mrd. Euro für 2026
- Goldman Sachs bleibt trotz Kurszielanhebung bei „Neutral“ – kaum Potenzial eingepreist
- Wechselkurs- und Zolleffekte belasten die Marge weiterhin spürbar
- Rabattgeprägtes Marktumfeld im Großhandel erfordert bewusste Zurückhaltung bei Belieferung
- Entscheidende Quartalszahlen erst am 30. Juli – bis dahin bleibt die Analystenmeinung gespalten
Quelle: Eigene Analyse, Unternehmensangaben. Keine Anlageberatung.
Fazit: Für wen sich die adidas-Aktie jetzt eignet
adidas ist derzeit ein Fall für Anleger, die an die operative Wende unter Bjørn Gulden glauben und bereit sind, die Unsicherheit bis zu den Zahlen am 30. Juli auszuhalten.
Die Kombination aus verbesserten Margen, starkem DTC-Geschäft und WM-Rückenwind spricht für weiteres Potenzial – die Konsens-Ziele sehen das ähnlich.
Wer dagegen kurzfristig Klarheit sucht, sollte das vorsichtige Goldman-Sachs-Rating ernst nehmen: Ein Teil der Straße sieht das aktuelle Niveau bereits als weitgehend fair bewertet.