Eurozone: Inflationsrate steigt auf 2,9 Prozent

Die Inflation in der Eurozone ist im Juli wegen höherer Energiepreise wieder gestiegen.Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat heute in Luxemburg mitteilte.

Im Juni war die Inflationsrate auf 2,8 Prozent zurückgegangen, nachdem sie im Mai auf 3,2 Prozent geklettert war.

Im Vergleich zum Vormonat legte das Preisniveau im Juli um 0,2 Prozent zu.

Die Kernrate der Inflation, bei der besonders schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, stieg im Jahresvergleich von 2,4 auf 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat stagnierte die Kernrate.

Mit dem Wiederaufflammen des Iran-Krieges legten die Energiepreise im Juli um 10,3 Prozent im Vergleich zum Juli 2025 zu.

Auch Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,3 Prozent spürbar. Lebensmittel, Alkohol und Tabak kosteten hingegen nur 1,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

 

 

EZB-Ratsmitglied Rehn sieht noch keine Zweitrundeneffekte

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Sie hatte im Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Auf der Zinssitzung im Juli wurden die Zinsen stabil gehalten. Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist für den 10. September angesetzt. Derzeit bergen die vom Iran-Krieg angeheizten hohen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen das Risiko, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln und sich so die Inflation verfestigt. Nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Olli Rehn blieb das Lohnwachstum bislang aber moderat. Es gebe keine klaren Anzeichen für Zweitrundeneffekte, sagte der finnische Notenbankchef. „Entscheidend wird sein, die Inflationserwartungen verankert zu halten, damit dies auch so bleibt“, betonte Rehn in einem heute veröffentlichten Redetext.

In Deutschland stieg die Jahresinflationsrate gemessen am europäischen Verbraucherpreisindex HVPI im Juli auf 2,8 Prozent. Ein Grund dafür war das Auslaufen des staatlichen Tankrabatts am 30. Juni. In Frankreich erhöhte sich die Jahresteuerung auf 2,4 Prozent und in Spanien auf 3,9 Prozent. Die italienische Rate sank leicht auf 2,9 Prozent. Die höchste Inflationsrate in der Eurozone wies Litauen mit 5,4 Prozent auf.

Analyse der Broker-Test.de Redaktion

Inflation zieht wieder an: Was Anleger aus den Juli-Daten lesen sollten

Die jüngsten Eurostat-Zahlen zeigen ein ambivalentes Bild: Mit 2,9 Prozent im Jahresvergleich hat die Inflation in der Eurozone im Juli wieder leicht zugelegt, nachdem sie im Juni auf 2,8 Prozent gesunken war. Der Preisanstieg bleibt damit oberhalb des von der EZB angestrebten Ziels von 2 Prozent. Für Anleger ist dies ein Signal, dass der Disinflationsprozess ins Stocken geraten könnte und die Notenbank auf ihrer Sitzung am 10. September wenig Spielraum für aggressive Lockerungen hat.

Treiber der jüngsten Entwicklung sind vor allem die Energiepreise, die im Zuge des wieder aufgeflammten Iran-Konflikts um 10,3 Prozent zulegten.

Auch Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,3 Prozent spürbar – ein Bereich, der als besonders hartnäckig gilt, weil er stark von Löhnen abhängt.

Die Kernrate, die schwankungsanfällige Komponenten ausklammert, stieg leicht von 2,4 auf 2,5 Prozent und verharrt damit auf erhöhtem Niveau.

 

Preisentwicklung Eurozone im Juli
Jahresvergleich laut Eurostat
2,9 %
Gesamtinflation
▲ von 2,8 % im Juni
2,5 %
Kernrate
▲ von 2,4 %
10,3 %
Energiepreise
▲ starker Treiber
3,3 %
Dienstleistungen
▲ hartnäckig
Quelle: Eurostat / eigene Einordnung. Keine Anlageberatung.

 

Entscheidend bleiben die Zweitrundeneffekte

Für die weitere Zinsentwicklung ist die Frage zentral, ob sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln. EZB-Ratsmitglied Olli Rehn gab zumindest vorsichtig Entwarnung: Das Lohnwachstum sei bislang moderat geblieben, klare Anzeichen für Zweitrundeneffekte gebe es nicht. Gleichzeitig betonte er, dass die Verankerung der Inflationserwartungen entscheidend sei. Für Anleger heißt das: Solange keine Lohn-Preis-Spirale entsteht, dürfte die EZB Kurs halten – ein abrupter Politikwechsel ist derzeit unwahrscheinlich.

Auffällig ist die Heterogenität innerhalb der Währungsunion. Während Deutschland mit 2,8 Prozent auch durch das Auslaufen des Tankrabatts belastet ist und Frankreich bei 2,4 Prozent liegt, verzeichnet Spanien mit 3,9 Prozent und Litauen mit 5,4 Prozent deutlich höhere Raten. Diese Spannbreite erschwert die einheitliche Geldpolitik und bleibt ein Dauerthema für den Anleihe- und Aktienmarkt.

 

Einordnung für Anleger
Chancen und offene Fragen
Chancen
  • Lohnwachstum laut EZB bislang moderat
  • Keine klaren Zweitrundeneffekte erkennbar
  • Kernrate steigt nur leicht
  • EZB signalisiert stabile Linie
Risiken
  • Energiepreise durch Iran-Konflikt volatil
  • Inflation weiter über 2-Prozent-Ziel
  • Dienstleistungspreise hartnäckig hoch
  • Große Unterschiede zwischen Euro-Ländern
Quelle: Eurostat / eigene Einordnung. Keine Anlageberatung.

 

Unterm Strich bestätigen die Juli-Daten, dass der Weg zurück zur Preisstabilität kein linearer ist. Für Anleger dürfte die EZB-Sitzung am 10. September zum nächsten wichtigen Datum werden. Solange die Energiepreise durch geopolitische Risiken getrieben werden und die Kernrate zäh bleibt, ist mit anhaltend erhöhter Aufmerksamkeit der Märkte auf jede Notenbank-Kommunikation zu rechnen.

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