Gewinnsteigerung für US-Finanzinstitute: Goldman Sachs mit 78% mehr Gewinn – auch JPMorgan meldet Rekordquartal

Mehrere US-Geldhäuser haben im zweiten Quartal ein Gewinnplus erzielt. Wie Morgan Stanley am Mittwoch in New York mitteilte, belief sich der auf die Investmentbank entfallende Nettogewinn zwischen April und Juni auf 5,58 Milliarden US-Dollar (rund 4,9 Milliarden Euro) beziehungsweise 3,46 US-Dollar je Aktie.

Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 3,54 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2,13 Dollar je Aktie betragen. Ausschlaggebend für die Entwicklung sei trotz makroökonomischer Unsicherheiten eine starke Aktivität bei Fusionen und Übernahmen gewesen.

 

Morgan Stanley Aktie Chart

 

Auch die Bank of New York Mellon (BNY Mellon) meldete einen höheren Nettogewinn als im Vorjahreszeitraum. Als Hauptgründe nannte das Institut vor allem gestiegene Gebühreneinnahmen durch Neugeschäft, eine höhere Kundenaktivität sowie höhere Marktwerte.

Der den Stammaktionären zurechenbare Nettogewinn kletterte im zweiten Quartal auf 1,7 Milliarden US-Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum 1,39 Milliarden US-Dollar zu Buche gestanden hatten. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich von 1,93 US-Dollar auf 2,45 US-Dollar.

 

Bank of New York Mellon Aktie Chart

 

Positive Entwicklung bei PNC Financial Services

PNC Financial Services Group blickt ebenfalls auf ein erfolgreiches Quartal zurück. Das Finanzunternehmen aus Pittsburgh profitierte heutigen Angaben nach von Rekordwerten bei Umsatz und Gebühreneinnahmen. Zusätzlichen Rückenwind lieferten das wachsende Firmenkreditgeschäft und höhere Bestände unverzinster Kundeneinlagen.

Unter dem Strich entfielen auf die Stammaktionäre 2,06 Milliarden US-Dollar oder 4,81 US-Dollar je Aktie.

Ein Jahr zuvor waren es 1,64 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,85 US-Dollar je Aktie gewesen.

Damit schnitt PNC besser ab, als Analysten erwartet hatten.

Diese waren im Durchschnitt von 4,54 US-Dollar je Aktie ausgegangen.

 

PNC Financial Services Aktie Chart

Analyse der Broker-Test.de Redaktion

Goldman Sachs mit 78% mehr Gewinn – auch JPMorgan meldet Rekordquartal

Während Morgan Stanley, BNY Mellon und PNC bereits solide Zahlen vorlegten, folgten am selben Tag die eigentlichen Schwergewichte der Wall Street: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo.

Auch bei ihnen war die Richtung eindeutig – hohe Erträge aus Zinsgeschäft und Wertpapierhandel bescherten allen vier Instituten ein deutlich besseres Quartal als von Analysten erwartet.

 

US-Großbanken: Nettogewinn im zweiten Quartal 2026
Stand: Berichte vom 14./15. Juli 2026
~21 Mrd. $
JPMorgan Chase
▲ höchster Quartalsgewinn der Firmengeschichte
6,6 Mrd. $
Goldman Sachs
▲ +78% ggü. Vorjahr
~5,8 Mrd. $
Citigroup
▲ deutlich über Erwartungen
~6,4 Mrd. $
Wells Fargo
▲ solides Quartal
Quelle: Unternehmensmitteilungen, Stand: 14./15. Juli 2026.

Ganz so eindeutig positiv, wie es die nackten Zahlen nahelegen, ist das Bild bei genauerem Hinsehen allerdings nicht.

Ein gutes Stück des JPMorgan-Rekords geht auf einen Sondereffekt zurück: rund 4,6 Milliarden Dollar des Ergebnisses stammen aus dem Tausch alter Anteile an der Kreditkartengesellschaft Visa – ein einmaliger Buchgewinn, kein operativer Fortschritt.

Auch die kräftigen Zuwächse im Handelsgeschäft bei Goldman Sachs und JPMorgan hängen stark an der erhöhten Marktvolatilität der vergangenen Monate, die sich nicht beliebig fortschreiben lässt.

 

US-Großbanken: Chancen und Risiken der aktuellen Berichtssaison
Einordnung über alle sieben genannten Institute hinweg
Chancen
  • M&A- und IPO-Geschäft zieht spürbar an, wovon Morgan Stanley, JPMorgan und Goldman Sachs profitieren
  • Hohe Marktvolatilität kurbelt Handelserträge in Aktien, Anleihen und Währungen kräftig an
  • Gebühreneinnahmen aus Vermögensverwaltung wachsen strukturell, etwa bei BNY Mellon und Goldman Sachs
  • Kostendisziplin zahlt sich aus – Citigroups Sparkurs unter CEO Jane Fraser zeigt erste deutliche Erfolge
Risiken
  • Einmaleffekte wie der Visa-Sondergewinn bei JPMorgan verzerren die Vergleichbarkeit der Ergebnisse
  • Handelserträge hängen stark an geopolitisch getriebener Volatilität und sind nicht beliebig wiederholbar
  • Regionalbanken wie PNC zeigen: Die Kreditqualität im Firmenkundengeschäft bleibt ein Punkt, den es zu beobachten gilt
  • Nach der starken Rally der Bankaktien ist die Bewertung bereits gestiegen, die Luft nach oben entsprechend begrenzter
Quelle: Eigene Auswertung auf Basis der Quartalsberichte. Keine Anlageberatung.

 

Für wachstums- und marktzyklusorientierte Anleger, die auf eine anhaltend hohe Handelsaktivität und eine wiederbelebte M&A-Welle setzen, liefert die aktuelle Berichtssaison reichlich Bestätigung.

Konservativere, auf nachhaltige und wiederholbare Erträge bedachte Investoren sollten dagegen genauer hinschauen, welcher Teil der Gewinne tatsächlich operativ und welcher – wie bei JPMorgan – eher Sondereffekten geschuldet ist.

Damit bleibt es, wie schon bei Morgan Stanley, BNY Mellon und PNC aus dem ersten Teil, vor allem eine Frage der Nachhaltigkeit: starke Einzelquartale sind das eine, ein tragfähiger Trend über mehrere Quartale hinweg das andere.

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