Aktie im Fokus: Commerzbank – S&P passt Ausblick an – Analysten sehen Kursziele bis 43 Euro

Die weltgrößte Ratingagentur S&P hat den Ausblick für die Bonität der Commerzbank von positiv auf stabil gesenkt, das Rating jedoch bestätigt. Bei ihrer am Donnerstag veröffentlichten Benotung verwies die Agentur auf die nach ihrer Ansicht zu erwartende Übernahme des Frankfurter Geldhauses durch die italienische Großbank UniCredit.

„Der stabile Ausblick für die Commerzbank spiegelt unsere Erwartung wider, dass die Bank unter dem wahrscheinlichen Szenario einer Mehrheitsbeteiligung und -kontrolle durch die UniCredit in den nächsten zwei Jahren ihre solide Bonität beibehalten wird“, teilte S&P Global Ratings mit.

Der Mailänder Konzern hat sich bereits mehr als 47 Prozent der Anteile am Frankfurter Institut gesichert. Bei der anvisierten Integration verlöre die Commerzbank dem Bericht zufolge ihre eigenständigen Risikopuffer.

Eine Integration in den UniCredit-Konzern könnte laut S&P eine Herabstufung des Ratings zur Folge haben, wenn sich nicht zugleich die Bonitätsnote von UniCredit verbessere. Dies sei bei einer Übernahme der Commerzbank durch das italienische Institut möglich, hieß es.

Bisher wird die Kreditwürdigkeit der Commerzbank mit der Bonitätsstufe „A“ bewertet. Das ist die sechstbeste Ratingnote auf der S&P-Skala. UniCredit liegt mit „A-“ derzeit eine Stufe darunter, erhält allerdings weiterhin einen positiven Ausblick.

 

Commerzbank Aktie Chart

 

Merz rügt Stil der UniCredit

Unterdessen hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz nicht grundsätzlich gegen eine Verbindung der Commerzbank mit UniCredit ausgesprochen.

„Wir verhindern nicht diese Fusion“, sagte er am Mittwoch auf der Sommerpressekonferenz in Berlin. Die Aktionäre der Commerzbank hätten das – wirtschaftlich eigentlich nicht besonders attraktive – Übernahmeangebot der Italiener zu einem beachtlichen Teil angenommen, erklärte Merz. Der Bund – er ist noch mit 12 Prozent an dem Geldhaus beteiligt – habe dies nicht getan. „Wir erlauben uns auch die Frage nach dem Geschäftsmodell zu stellen.“

Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle in der Finanzierung der Wirtschaft und vor allem des Mittelstands. „Ich würde es sehr ungern sehen, dass die Funktion in Zukunft nicht mehr ausgeübt wird“, erklärte der Kanzler.

Er bekräftigte seine Kritik an der Vorgehensweise von UniCredit. Die Art und Weise, wie das Frankfurter Geldhaus attackiert werde, stoße nicht auf Zustimmung der Bundesregierung, sagte Merz.

Gleichwohl betonte er, dass Europa große und starke Banken brauche, die im Wettbewerb mit ihren US-Rivalen mithalten könnten.

 

UniCredit Aktie Chart

Analyse der Broker-Test.de Redaktion

Während S&P den Ratingausblick kappt und der Bundeskanzler den Stil der UniCredit rügt, blicken die Bank-Analysten der Wall Street und der Londoner City vor allem auf das operative Geschäft der Commerzbank – und da gibt sich das Institut selbstbewusst: Das Gewinnziel für 2026 wurde erst kürzlich auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben, bis 2028 soll die Ausschüttungsquote über Dividenden und Aktienrückkäufe auf nahezu 100% des Gewinns steigen.

Ob das reicht, um die Übernahmefantasie fundamental zu untermauern, sehen die Häuser durchaus unterschiedlich.

 

Commerzbank: Kursziele und Kapitalrückgabe im Überblick
Stand: Mitte Juli 2026
43,00 €
Höchstes Kursziel (RBC Capital Markets)
▲ +13% Potenzial
41,00 €
Schnitt der aktuellen Kursziele
▲ +8% Potenzial
37,00 €
Vorsichtigstes Kursziel (JPMorgan)
▼ −3% Potenzial
~100%
Ausschüttungsquote 2026–2028 (Ziel)
▲ nahezu vollständige Gewinnausschüttung
Quelle: Analystenschätzungen, Stand: Mitte Juli 2026.

 

Bezeichnend dabei: JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein bestätigte sein Kursziel von 37 Euro erst am 16. Juli – und liegt damit inzwischen praktisch auf Höhe des aktuellen Kurses.

Anders gesagt: Wer der vorsichtigsten Stimme am Markt folgt, sieht in der Aktie kaum noch operatives Potenzial über die reine Übernahmefantasie hinaus.

Genau diese Lücke zwischen fundamentaler Bewertung und Übernahmepreis dürfte auch erklären, warum S&P die Eigenständigkeit der Bank inzwischen skeptischer beurteilt.

 

Commerzbank-Aktie: Chancen und Risiken im Übernahmepoker
Einordnung zwischen operativer Stärke und politisch-regulatorischer Unsicherheit
Chancen
  • Angehobenes Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 unterstreicht operative Stärke
  • Geplante Ausschüttungsquote von nahezu 100% des Gewinns bis 2028 spricht für Aktionärsfreundlichkeit
  • UniCredit hält bereits rund 47% der Anteile – ein höheres Gebot bleibt im Raum stehen
  • Politischer Rückhalt: Bund hält weiterhin eine Sperrminorität von rund 12%
Risiken
  • S&P senkte den Ratingausblick von positiv auf stabil – eigenständige Risikopuffer könnten bei Integration wegfallen
  • Vorsichtigstes Kursziel (JPMorgan) liegt praktisch auf aktuellem Kursniveau – kaum fundamentales Potenzial
  • Bis zur für eine Verschmelzung nötigen Schwelle von 75% fehlen UniCredit noch rund 25 Prozentpunkte
  • Politischer Gegenwind aus Berlin sowie ausstehende Zustimmung der EZB sorgen für anhaltende Unsicherheit
Quelle: Eigene Auswertung auf Basis aktueller Analystenschätzungen. Keine Anlageberatung.

 

Wie unterschiedlich die einzelnen Häuser die Gemengelage aus operativer Stärke und Übernahmesituation gewichten, zeigt der direkte Vergleich.

 

Analystenmeinungen im Vergleich
Kursziel und Einstufung ausgewählter Research-Häuser, Stand: Mitte Juli 2026
Haus Kursziel Rating
RBC Capital Markets 43,00 € Kaufen
Deutsche Bank Research 42,00 € Kaufen
Barclays 42,00 € Kaufen
JPMorgan 37,00 € Neutral
Quelle: Analystenschätzungen verschiedener Research-Häuser, Stand: Mitte Juli 2026. Keine Anlageberatung.

 

Für übernahme- und ereignisorientierte Anleger, die auf ein höheres Gebot oder eine zügige Einigung mit Berlin setzen, bleibt die Aktie damit interessant – schließlich hält selbst die zurückhaltendste Stimme kein Verkaufssignal bereit.

Konservative, auf Bonität und Eigenständigkeit bedachte Investoren sollten dagegen genau die Punkte im Blick behalten, die schon eingangs eine Rolle spielten: den gesenkten Ratingausblick von S&P, den politischen Widerstand aus Berlin und die Frage, ob und wann die EZB einer echten Kontrollübernahme durch UniCredit zustimmt.

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