Aktie im Fokus: Beiersdorf ? Warten auf den Ausbruch, und dann?

Die Beiersdorf-Aktie sieht in den letzten Tagen technisch sehr interessant aus. Der Kurs bewegt sich nahe eines relevanten technischen Widerstandes. Nämlich der Preiszone zwischen 84,30 und 86,00 Euro je Aktie. Zuvor wurde eine Art inverse SKS-Formation ausgebildet, die ebenfalls auf eine Bodenbildung hindeutet und die aktuelle Konsolidierungsphase möglicherweise, wenn bestätigt, beenden könnte. Die Sorgen um den Brexit haben sich allerdings auch im Kurs von Beiersdorf deutlich gezeigt. Dennoch wurde die oben genannte Preiszone wieder angesteuert.


Schwacher Euro könnte stützen, starker US-Dollar hingegen bremsen
Da Beiersdorf seine Produkte neben dem Absatz in Europa in diversen Schwellenländern vertreibt und diese sich im Verlauf des letzten Jahres etwas erholt haben, dürfte auch ein weiterhin schwacher Euro oder zumindest stabiler EURUSD-Kurs  positive Auswirkungen auf die Zahlen von Beiersdorf haben.

Der Einfluss des schwachen Euro wird allerdings immer geringer, sofern Schwellenländer sich in einer Krise befinden, die unter anderem durch einen stärkeren US-Dollar und billige Rohstoffpreise angeheizt wird. Und diese Entwicklung könnte sich, in Anbetracht eines wieder steigenden US-Dollar-Index (aktuell bei 97 Pkt.), im zweiten Halbjahr 2016 ereignen.

Auf der anderen Seite schlagen sich günstige Rohstoffpreise auf der Kostenseite von Beiersdorf positiv nieder und stützen das Europa-Geschäft. Dennoch sind die letzten Quartalsumsätze unter den Erwartungen der Analysten ausgefallen. Auch hier gilt weiterhin, die Augen offen zu halten.

Tesa und die Schwellenländer
Wie man es dreht und wendet, Beiersdorf hat immer mal wieder an den Schwellenländern zu knabbern, allen voran Lateinamerika. In dem weltgrößten Absatzmarkt für Deo- und Sonnencreme-Produkte Brasilien scheint sich die politische Krise weiter hinzuziehen. Die Wirtschaftlichkeit des Landes leidet ebenfalls daran.

Zum Ende des Jahres 2015 zog die Nachfrage aus Lateinamerika glücklicherweise an, was an der oben genannten Erholung gelegen haben könnte. Beiersdorf verzeichnete unerwartet einen Anstieg beim Jahresüberschuss von 15 % gegenüber dem Vorjahr. Zuvor wurde die Prognose nach unten revidiert. Beim Umsatz wurde ein Anstieg von 6,4 % verzeichnet. Dennoch hatte man die Dividende bei 0,70 Cent je Aktie belassen, was sich, wie sich später herausstellen sollte, als die richtige Entscheidung erwies.

Das nächste Problemkind von Beiersdorf ist die Tesa-Sparte. Besonders der Absatz in China belastet, aber auch der Markt in Europa ist für Klebstoffe größtenteils gesättigt. Auch die anderen Märkte gelten als gesättigt. Deshalb warten Anleger sehnsüchtig auf eine Übernahme. Die Branche befindet sich wie viel andere in einer Konsolidierungsphase. Eine Übernahmespekulation könnte die Beiersdorf-Aktie nachhaltig über den oben genannten Preisbereich katapultieren.

Prognose
Technisch gesehen sieht die Beiersdorf-Aktie weiterhin attraktiv aus. Ein Überschreiten der oben genannten Preisgrenze würde darauf hindeuten, dass das Potenzial seitens der Anleger als noch nicht ausgeschöpft angesehen wird. Auch die Resistenz im Zuge des Brexits und der Schwellenländerkrisen deutet auf eine gewisse Stabilität hin. Auf der fundamentalen Seite ist es allerdings noch nicht vorstellbar, dass die Aktie viel mehr Potenzial nach oben hat. Das KGV liegt bei fast 32 und signalisiert damit eine Überbewertung, die meines Erachtens, gemäß dem Zahlenwerk auch gerechtfertigt erscheint.

Sollte sich der US-Dollar nun wieder deutlich aufwerten, worauf alles hindeutet, dann wären auch die wichtigen Absatzmärkte in den Schwellenländern wieder betroffen. Der schwache Euro vermag mit hoher Wahrscheinlichkeit keine große Stütze mehr zu sein. Vorstellbar wäre daher, selbst bei einem Überschreiten der Grenze, der weitere Verlauf innerhalb einer länger andauernden Seitwärtsrange.

Inwiefern sich nun die Klage des Schlecker-Insolvenzverwalters mit dem Vorwurf der Preisabsprache auf den Kurs auswirkt, kann man aktuell nicht beurteilen. Beiersdorf hat sich dazu noch nicht geäußert. Schlussendlich wäre das wohl aber nur ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor und in diesem Fall negativ für den Kurs.

 

Chart: Beiersdorf AG (EUR, täglich)

 

Hinweis der Redaktion: Übersicht über den Beiersdorf Insiderhandel von 2008 bis 2016

 

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