Aktien: Schaukelbörse hält an – aber viel Negatives ist bereits eingepreist

Helaba: Aktien wirken weiterhin angeschlagen. Bisherige Erholungsansätze haben sich als sehr kurzlebig erwiesen. Zuletzt testeten die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq Composite die Tiefstände vom März dieses Jahres.

Die Belastungsfaktoren sind die gleichen wie schon in den letzten Monaten: Ängste, die Notenbanken könnten mit ihren Zinserhöhungen das Wachstum abwürgen, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und die Probleme Chinas bei der Bekämpfung von Corona.

Dabei ist die Unsicherheit am Aktienmarkt noch vergleichsweise gering ausgeprägt.

Viel stärker ist die implizite Volatilität am US-Rentenmarkt gestiegen und dies scheint auch immer wieder auf Aktien überzuspringen.

Ein positives Gegengewicht bildeten zuletzt die Unternehmenszahlen. Inzwischen hat mehr als die Hälfte der S&P 500-Mitglieder ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt. Rund 82% konnten die Gewinnschätzungen übertreffen.

Gerade in Zinserhöhungsphasen ist eine positive Gewinnentwicklung wichtig, da steigende Zinsen Druck auf die Bewertung ausüben, d.h. Kurse nur unterproportional zu den Gewinnen zulegen können.

 

 

Hierzulande ist die Berichtssaison noch nicht so weit vorangeschritten. Aus dem DAX haben bislang erst 11 der 40 Unternehmen Zahlen vorgelegt. Rund 60% übertrafen dabei die Erwartungen.

Mit Blick auf die Gewinnentwicklung ist entscheidend, ob die Unternehmen in der Lage sind, die gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe an die Endverbraucher weiterzugeben. Schließlich ist die Inflation ein Verteilungsproblem.

Zuletzt sind die Verbraucherpreise in Deutschland erneut gestiegen. Vergleicht man die Stimmungsentwicklung in den Unternehmen mit der von Konsumenten, zeigt sich, dass die Verbraucher deutlich pessimistischer sind. Inflation trifft sie stärker als die Unternehmen.

Dies bestätigen auch die jüngsten Daten zum ifo Geschäftsklima, das leicht zulegte, während das GfK-Konsumentenvertrauen einen Einbruch zu verzeichnen hatte.

 


 

Auch Zahlen zur Entwicklung der Gewinnmargen, die in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen sind, belegen dies.

Solange es nicht zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu geringeren Umsatzerlösen bei den Unternehmen kommt, bleibt der Ausblick für die Unternehmensgewinne positiv.

 

 

Da gerade deutsche und europäische Dividendentitel inzwischen moderat bewertet sind, ergeben sich für mittelfristig orientierte Anleger Chancen. Zwar kann es aufgrund nur schwer zu kalkulierender geopolitischer Risiken zu Kursrücksetzern kommen.

Allerdings ist an den Märkten bereits viel Negatives eigepreist, so dass der Pessimismus vieler Marktteilnehmer allmählich eine Kontraindikation für die Kursentwicklung liefern könnte.

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