Aktien: Wird der Aufschwung „zertrumpelt“?

Helaba: Die überraschende Zuspitzung des Handelsstreits zwischen USA und China hat an den Aktienmärkten Spuren hinterlassen. Das zyklische Erholungsmuster ist bislang zwar intakt. Die Risiken für die Unternehmensgewinnperspektiven, die maßgeblich von einem funktionierenden internationalen Handel abhängen, haben allerdings deutlich zugenommen.

Eben noch neue Höchststände beim S&P 500, gute Aussichten auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China und auf einmal: Aus der Traum!? Viele Marktteilnehmer, die von der Kursrally in diesem Jahr auf dem falschen Fuß erwischt worden waren, vertraten ohnehin die Ansicht, Aktien hätten bereits zu viel Positives vorweggenommen, während die harten Konjunkturdaten in den Industrieländern eher noch enttäuschend ausfallen.

Dass Aktien der Konjunktur einige Monate vorauslaufen und daher in dieser Phase die fundamentale Untermauerung fehlt, ist aber ganz normal. Auch das Ausmaß der bisherigen Erholung ist im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich.

 


 

Wir haben die jüngste DAX-Entwicklung mit früheren Phasen verglichen, in denen erste Frühindikatoren ihren Boden ausbildeten. Das Tief der Konjunkturstimmung haben wir am ZEW-Index festgemacht und zwar am Mittelwert aus Lageeinschätzung und Erwartungen.

Dieser Gesamtindex hatte im Februar dieses Jahres seinen Boden ausgebildet. Dass der DAX bereits zum Jahresende 2018 sein Tief erreichte, passt ebenso ins historische Verlaufsmuster wie die seitdem erzielten Kursgewinne.

Richtig ist, dass der Kursanstieg mit einer Bewertungsexpansion einherging, da ähnlich wie die Konjunkturerwartungen auch die Gewinnschätzungen in den vergangenen Monaten deutlich nach unten korrigiert wurden. Dennoch bewegt sich die Bewertung des DAX – anders übrigens als die des S&P 500 – noch klar innerhalb des langjährigen Bandes.

 

 

Für die nächste Phase der Kurserholung müssten allerdings auch die Erwartungen für die Unternehmensgewinne steigen. Zuletzt zeichnete sich bereits eine Bodenbildung bei den Schätzungen für die kommenden 12 Monate ab.

Der negative Gewinnrevisionstrend hat weltweit gedreht. Hier kommt nun wieder das Thema Handelskonflikt ins Spiel. Schließlich hängen die Unternehmensgewinne sehr stark von der Entwicklung des weltweiten Handels ab. Eine Eskalation würde die jüngsten Erholungsansätze vermutlich zunichtemachen

Verhandlungslösung dringend gefragt
Trump hat sich häufig für steigende Aktienkurse feiern lassen. Für den Kurseinbruch im letzten Herbst machte er die Zinserhöhungen der US-Notenbank verantwortlich. Eine Eskalation im Handelskonflikt und damit verbunden deutliche Kursrückgänge auch bei US-Aktien müsste er auf die eigene Kappe nehmen.

Dass dies seine Verhandlungsstrategie beeinflusst, können wir derzeit nur hoffen. Sollte der sich zuspitzende Streit in eine Spirale von neuen Zöllen und Gegenmaßnahmen münden, stünden auch unsere Aktienprognosen zur Disposition.

 


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