Aktienanalyse: AbbVie – Umsatzanstieg trotz Underperformance?

XTB: AbbVie (ABBV.US / ISIN: US00287Y1091) wurde 2013 als Ableger von Abbott Laboratories gegründet und ist eines der sechs größten US-amerikanischen Pharmaunternehmen. Das Unternehmen hebt sich von der Gruppe ab, weil es trotz seines starken Arzneimittelportfolios deutlich niedrigere Gewinnmultiplikatoren als der Durchschnitt aufweist.

In dieser Analyse werden wir versuchen festzustellen, ob die aktuelle Bewertung im Kontext der Zukunftsaussichten von AbbVie und seiner Position in der Branche gerechtfertigt ist.

 

Seit der Ausgliederung von Abbott Laboratories verzeichnete AbbVie ein stärkeres Umsatzwachstum sowie eine bessere Nettomarge. Es ist zu beachten, dass alle Einbrüche im vierten Quartal des Jahres stattgefunden haben, weshalb sie eher der Buchhaltung als der operativen Tätigkeit zugeschrieben werden könnten. Quelle: Bloomberg, XTB Research

 


 

Abbott Laboratories, das US-amerikanische Gesundheitsunternehmen mit über 130-jähriger Geschichte, gab Ende 2011 bekannt, dass es sich in zwei Unternehmen aufteilen werde: Eines davon konzentriert sich auf Medizinprodukte und Generika, das andere auf forschungsbasierte Arzneimittel. Letzteres wurde AbbVie genannt und Anfang 2013 aus den Unternehmensstrukturen von Abbott Laboratories ausgegliedert. Das neue Unternehmen erhielt die Rechte an den Medikamenten, die zuvor von der Forschungsabteilung von Abbott Laboratories entwickelt wurden, einschließlich Humira.

Das immunologische Medikament ist mit einem Umsatz von fast 20 Mrd. USD im Jahr 2018 das meistverkaufte verschreibungspflichtige Arzneimittel der Welt. Kein Wunder, dass es auch der Hauptgewinntreiber für AbbVie ist: 2018 trug es über 60% zum Umsatz des Unternehmens bei. Nichts hält jedoch ewig, auch Medikamentenpatente nicht.

Eine solche hohe Umsatzkonzentration stellt für das Unternehmen nach Ablauf des Patents ein erhebliches Risiko dar. Dieser Effekt hat bereits begonnen, als das Humira-Patent in Europa Ende 2018 auslief und Substitute auf den Markt kamen. AbbVie nutzte jedoch Lücken im US-Patentsystem, sodass Humira bis 2023 vor anderen Wettbewerb im Land geschützt ist.

AbbVie ist derzeit in hohem Maße vom Humira-Verkauf abhängig. Das Management des Unternehmens prognostiziert jedoch, dass der Umsatz mit anderen Produkten im Jahr 2025 insgesamt 35 Mrd. USD erreichen wird, gegenüber weniger als 13 Mrd. USD im Jahr 2018. Quelle: Bloomberg, XTB Research

 

Dennoch laufen in jedem Markt irgendwann Patente aus und Humira wird anfangen, Marktanteile an günstigere Alternativen bzw. Generika zu verlieren. Das bedeutet nicht, dass die Einnahmen von Humira im Jahr 2023 sofort auf Null fallen werden, aber ein Rückgang scheint unvermeidlich. In diesem Kontext könnte es ratsam sein, einen genaueren Blick auf die anderen Medikamente im Portfolio des Unternehmens zu werfen. Im Jahr 2018 vermarktete das Unternehmen fast 15 Produkte. Allerdings erwirtschafteten im Jahr 2018 nur drei davon einen Jahresumsatz von mehr als 1 Mrd. USD. Tatsächlich machten diese drei Medikamente über 80% des Umsatzes von AbbVie aus.

 

 

Dennoch erwarten sowohl das Unternehmen als auch Analysten eine gute Aufnahme neuer Produkte, wobei die Zahl der Medikamente mit einem Umsatz von 1 Mrd. USD im Jahr 2019 auf fünf ansteigen könnte. Während der letzten Ergebnispräsentation sagte das Management des Unternehmens, dass es erwarte, dass der Umsatz außerhalb von Humira im Jahr 2025 (zwei Jahre nach Ablauf des Humira-Patents) 35 Mrd. USD erreichen wird.

Das bedeutet, dass das Unternehmen erwartet, dass der Umsatz anderer Produkte in den nächsten sieben Jahren um 173% oder jährlich um 15,4% steigen wird. Ein ziemlich beeindruckendes Tempo. Beachten Sie, dass der Umfang von 35 Mrd. USD den Gesamtumsatz von AbbVie im Jahr 2018 (32,75 Mrd. USD) übersteigt.

Wie bereits gesagt, wird Humira nach Ablauf des Patentschutzes wahrscheinlich noch Einnahmen generieren, wobei die Erwartungen deutlich geringer ausfallen sollten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aussichten vielleicht doch nicht so schlecht aussehen, wie man es am Anfang vermutet haben könnte.

 

Ausgewählte Finanzdaten von AbbVie und seinen wichtigsten US-Konkurrenten. Quelle: Bloomberg, XTB Research

 

Da das Unternehmen scheinbar Produkte hat, die in der Zukunft den entgangenen Humira-Umsatz ausgleichen könnten, mag die Bewertung in Bezug auf Wettbewerber verwirrend sein. Vielleicht könnten uns die Finanzdaten eine Antwort geben. In der obigen Tabelle ist eine Zusammenstellung ausgewählter Finanzdaten für das erste Quartal 2019 zu finden.

Die Bruttomarge als auch die operative Marge von AbbVie liegt über dem Durchschnitt der Peergroup. Die Nettogewinnmarge liegt wiederum unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe, aber die Marge von Eli Lilly (LLY.US / ISIN: US5324571083) von 83,3% ist hier ein klarer Ausreißer. Der Medianwert könnte ein besser geeignetes Maß sein, wobei AbbVie in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 die Peergroup übertraf.

 


 

Bei der Kapitalrendite ist eine ähnliche Situation zu erkennen, da Eli Lilly den Durchschnittswert signifikant beeinflusst und AbbVies Vermögensrendite wieder über dem Median der Peergroup liegt. Die F&E-Ausgaben könnten Anlass zur Sorge geben, da AbbVie im ersten Quartal 2019 einen relativ geringeren Anteil der Einnahmen für die Forschung ausgegeben hat als seine Konkurrenten. Die F&E-Ausgaben der beiden größten Unternehmen in der Tabelle – Pfizer (PFE.US / ISIN: US7170811035) und Johnson & Johnson (JNJ.US / ISIN: US4781601046) – scheinen diese Einschätzung zu unterstützen.

Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb (BMY.US / ISIN: US1101221083) sind gemessen am Umsatz 35% bzw. 25% kleiner als AbbVie, und tatsächlich variierte der Nominalbetrag der F&E-Ausgaben zwischen diesen drei Unternehmen nicht sehr stark.

Solide Margen, effiziente Nutzung der Vermögenswerte und mehr oder weniger durchschnittliche F&E-Ausgaben scheinen eine signifikante Lücke zwischen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von AbbVie und seinen Wettbewerbern nicht zu rechtfertigen.

 

Seit der Ausgliederung von Abbott Laboratories schüttete AbbVie jedes Jahr eine höhere Dividende aus. Das Verhältnis von Dividende zu freiem Cashflow von rund 0,5 deutet auf eine sichere Dividende hin. Quelle: Bloomberg, XTB Research

 

AbbVie ist ein Unternehmen, das regelmäßige Dividenden ausschüttet, da seit der fünfjährigen eigenständigen Geschäftstätigkeit keine Dividendenzahlung ausgelassen wurde. Zudem stieg die Dividendenausschüttung pro Aktie von Jahr zu Jahr.

Das Verhältnis von Dividenden zu Freiem Cash-Flow lag Ende 2018 bei rund 0,5.

 


 

Es gibt als eine Sicherheitsmarge, die dem Unternehmen Komfort für steigende Dividenden bietet. All diese Faktoren – solide Rentabilität, sichere Dividende und niedrige Bewertung im Vergleich zur Peer Group – führen zu dem Schluss, dass die Aktie für Anleger mit längerem Anlagehorizont attraktiv sein könnte.

Bei aktueller Bewertung hat AbbVie nämlich eine Dividendenrendite von 5,43% – die Renditen der Unternehmen, die wir im vorherigen Absatz zur Konstruktion einer Peergroup verwendet haben, liegt zwischen 2,23% (Eli Lilly) und 3,52% (Bristol-Myers Squibb).

 

Der Aktienkurs von AbbVie ist im Laufe des Jahres 2018 und zu Beginn des Jahres 2019 gesunken. Der Ausverkauf fand jedoch seinen Tiefpunkt bei der Unterstützungszone zwischen 76,70 USD und 77,70 USD. Aktuell notiert der Kurs vorerst zwischen der oben genannten Zone und einer abwärts verlaufenden Trendlinie. Da die Handelsspanne jedoch immer schmaler wird, könnte man bald mit einem Ausbruch rechnen. Quelle: xStation 5


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