Allianz Global Investors: Macrons Sieg – eine Niederlage der Europagegner

Allianz Global Investors: Die Wahl von Emmanuel Macron zum neuen französischen Staatspräsidenten sorgt in der Europäischen Union für Erleichterung. Allerdings wird der Ausgang der Wahlen zur Nationalversammlung im Juni erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit Macrons haben, seine politischen Pläne zu verwirklichen. Zudem wird auch nach den Wahlen in Frankreich eine gewisse politische Unsicherheit bestehen bleiben, da sich der europäische "Superwahlzyklus" mit den Parlamentswahlen in Deutschland und Italien fortsetzt.

Der Sieg von Macron bedeutet, dass Frankreich und die Europäische Union nun imstande sein sollten, einige der strittigen Punkte abzuhaken, die während des Wahlkampfs ein Thema waren. Zudem können sich die Anleger nun wieder auf die positive wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren, die sich in Europa abzeichnet:

 

  • Macron ist ein Befürworter des Euro und der Europäischen Union, weshalb sein Sieg ein klarer Gewinn für die EU ist. Allerdings könnten die "Brexit"-Verhandlungen für Großbritannien schwieriger werden, wenn Frankreich und Deutschland von nun an enger zusammenarbeiten.
  • Mit dem Sieg von Macron ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheidens Frankreichs aus der EU („Frexit“) und die Gefahr einer weiteren Aushöhlung der NATO geringer geworden.
  • Die Niederlage von Marine Le Pen stellt einen Rückschlag für die nationalistischen Kräfte in Frankreich dar, auch wenn ihre Partei Front National erhebliche Unterstützung erhalten hat. Eine gegen die EU gerichtete Stimmung kann jederzeit wieder aufkommen, insbesondere da Macron ein konventioneller, das Establishment repräsentierender Politiker ist.


Zwei Szenarien für Macron

Emmanuel Macron wird eng mit dem demnächst neu zu wählenden französischen Parlament zusammenarbeiten müssen, um wesentliche politische Veränderungen bewirken zu können. Diesbezüglich halten wir zwei Szenarien nach den Wahlen im Juni für möglich:

 

  • Die Partei von Präsident Macron erhält keine klare Mehrheit im Parlament. Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Frankreich weniger Erfahrung bei der Bildung politischer Koalitionen, was Macrons Chancen auf Durchsetzung von Reformen begrenzen könnte. In diesem Szenario, dass wir für das wahrscheinlichere halten, wird an den Märkten Unsicherheit hinsichtlich seines Gestaltungsspielraums herrschen.
  • Die Partei von Präsident Macron erhält die Mehrheit im Parlament. Wie die Reaktionen der Märkte auf die erste Runde der Präsidentschaftswahlen zeigte, dürfte dieses Szenario für risikobehaftete Anlagen, zum Beispiel europäische Aktien und Anleihen aus der Europeripherie, positiv sein.

 

 

Konsequenzen für Anleger
Grundsätzlich dürften sich die Sorgen um politische Risiken an den Märkten nach dem Sieg von Macron und der Niederlage der Europagegner etwas legen. Dies sollte dazu beitragen, dass die Anleger sich wieder stärker auf die positive wirtschaftliche Entwicklung auf europäischer Ebene konzentrieren können.

Konjunkturindikatoren: Die Arbeitslosenzahlen stellen sich inzwischen deutlich besser als noch vor drei Jahren dar, und viele Konjunkturindikatoren deuten auf eine weiterhin positive Entwicklung hin. So weisen die jüngsten Daten aus dem Einkaufsmanagerindex auf eine sich stetig verbessernde Industrieproduktion im Euroraum hin.

Zinsen: Auch wenn einige Anleger höhere Zinsen in naher Zukunft erwarten, rechnen wir nicht mit einer wesentlichen Änderung des Zinsniveaus in den nächsten 6-12 Monaten. Zudem gehen wir nicht davon aus, dass die Europäische Zentralbank vor Anfang 2018 damit beginnt, ihre Geldpolitik weniger expansiv zu gestalten.

Euro: Die europäische Gemeinschaftswährung wird wahrscheinlich an Stärke gewinnen. Dafür sprechen sowohl die aufgehellten politischen Perspektiven als auch die verbesserten Konjunkturdaten und die Erwartung einer künftigen Straffung der Geldpolitik.

Aktien: Die Chancen stehen gut, dass die Börsenkurse nun weniger durch politische Risiken belastet werden als bislang. In dem Maß, in dem die politische Unsicherheit nachlässt, könnten europäische Aktien aus unserer Sicht weiter zulegen und dabei besser als globale Titel abschneiden. Dafür sprechen nicht zuletzt die erhöhten Gewinne und gestiegenen Auftragseingänge der Unternehmen.

Anleihen: Für französische Staatsanleihen sind wir tendenziell positiv gestimmt. Wenn es Macron gelingt, sich eine Parlamentsmehrheit zu sichern, dürften die Risikoaufschläge in Frankreich deutlich sinken und auch in der Europeripherie dürften sich die Spreads einengen. Sollte es nicht dazu kommen, rechnen wir mit einer nur moderaten Risikobereitschaft an den Anleihenmärkten und zeitweilig erhöhten Kursschwankungen je nach Nachrichtenlage.

Wie es mit Frankreich – und Europa – weitergeht
Auch wenn Schlagzeilen zum politischen Geschehen Einfluss auf die Finanzmärkte haben, sind die zyklischen Kräfte für die Marktentwicklung von zentraler Bedeutung. Bleibt die konjunkturelle Lage positiv, dürfte auch das Umfeld für risikobehaftete Anlagen weiterhin günstig sein – sofern negative Signale auf politischer Ebene ausbleiben. Ein wesentlicher Faktor für die Märkte wird außerdem die weitere Entwicklung der Geldpolitik sowohl in den USA als auch im Euroraum bleiben.

Dennoch werden politische Aspekte weiterhin die Diskussion beherrschen, nicht nur unter Politikern, sondern auch bei Wählern und Anlegern. Wir gehen davon aus, dass die Marktteilnehmer sich nun verstärkt den unübersehbaren Problemen in Italien zuwenden, die man bisher ausgeblendet hat. Die italienische Wirtschaft leidet unter geringem Wachstum und einem angeschlagenen Bankensektor, zudem besteht die Gefahr dass eine der an der Regierungskoalition beteiligten Parteien auseinanderbricht. Sofern es in Italien nicht zu vorgezogenen Neuwahlen noch in diesem Jahr kommt, werden im Frühjahr 2018 wieder reguläre Wahlen abgehalten. Das Risiko, dass im einen wie im anderen Fall antieuropäische Kräfte an die Macht gelangen, ist durchaus gegeben.

Insgesamt gesehen bedeutet der Sieg von Macron jedoch, dass Frankreich und Deutschland gemeinsam neue, konstruktive Vorhaben erarbeiten können. Dies könnte dazu beitragen, dass Europa einer verstärkten Integration näherkommt, und würde für Kapitalanleger ein höheres Maß an Sicherheit bedeuten.

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