Anleihen: Weiter auf Erholungskurs

Frankfurter Wertpapierbörse: Nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes zum Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank von 2015 beschäftigen sich Anleger derzeit mit den möglichen Folgen.

„Italienische Staatsanleihen kamen zunächst unter Druck“, beschreibt Arthur Brunner von der ICF Bank die ersten Reaktionen am Rentenmarkt. „Zwischenzeitlich stieg die Rendite zehnjähriger Papiere auf 2 Prozent, aktuell liegt sie bei 1,68 Prozent.“

Mittlerweile scheint klar, dass es den Währungshütern vermutlich leichtfallen wird, die von Karlsruhe geforderte Verhältnismäßigkeit ihres so genannten Public Sector Purchase Programm (PSPP) innerhalb der dreimonatigen Frist darzulegen. Somit wird die Bundesbank an den Maßnahmen künftig weiter teilnehmen können.

 


 

Corona-Programm fraglich

Spannend ist nach Ansicht von Experten aber, wie sich das Urteil auf das neue 750 Milliarden Euro Corona-Paket auswirken wird. Im Rahmen dieses Pandemic Emergency Programme (PEPP) plant die EZB den Ankauf von Staatsanleihen nicht wie bisher nach einem festgelegten Kapitalschlüssel.

Als von Covitd-19 besonders betroffene Staaten würden Bonds etwa von Italien oder Spanien nach Bedarf übergewichtet. Auch erwäge die EZB von der bisherigen maximalen Kaufquote von einem Drittel der emittierten Anleihen eines Landes abzuweichen.

Genau dies beurteilen von Bloomberg befragte Anleihehändler kritisch. Sie sind der Meinung, dass PEPP den Kriterien von Karlsruhe nicht werde entsprechen können. Zur Vermeidung von Staatsfinanzierung sehen die Richter die 33 Prozent-Emissionsgrenze, den Kapitalschlüssel und die Mindestbonitätsnoten allesamt als wichtig an, wie Patrick O’Donnell von Aberdeen Standard Investments schätzt.

Neue Bundesanleihe stark gefragt

Die Attraktivität deutscher Staatsanleihen beeinträchtigt das Urteil der Verfassungsschützer scheinbar nicht. „Für die Ausgabe einer 15-jährigen Bundesanleihe im Volumen von 7,5 Milliarden Euro standen Orders in Höhe von fast 35 Milliarden Euro in den Büchern“, berichtet Brunner.

Das Papier ist mit einem Kupon von 0,0 Prozent ausgestattet und wurde zu einem Kurs von 104,659 Prozent zugeteilt. „Erstmals seit langem griff die Finanzagentur für diese Emission auf das Syndikat-Format, also die Platzierung über ein Bankenkonsortium, zurück.“

Hertha BSC und Deutsche Rohstoffe beliebt

Im Handel mit bestehenden Anleihen sieht Brunner Nachfrage nach einer in 2024 fälligen Anleihe der Deutschen Rohstoff mit einem jährlichen Zins von 5,25 Prozent. Vom Einbruch im April erholte sich der Wert deutlich.

Aktuell kostet die Anleihe um 80 Prozent. Das Kaufinteresse an einem Hertha BSC-Bond mit einem Kupon von 6,5 Prozent schreibt Brunner dem Neustart der Fußball Bundesliga nach der Corona-Pause zu. Nächste Woche soll es wieder losgehen.

 


 

Mögliche Lufthansa-Rettung spürbar

Gregor Daniel meldet überwiegende Käufe von Lufthansa-Bonds. Untern anderem griffen Investoren zu einem bis 2024 laufenden Wert mit einem Kupon von 0,25 Prozent. Ebenso käme eine in 2075 fällige Lufthansa-Hybridanleihe mit einem jährlichen Zins von 5,125 Prozent häufig zum Tragen.

Klar sei, dass der Bund Staatshilfen leisten werde. „Der Rettungswille ist vorhanden, man kann also von einer Rückzahlung der Anleihen ausgehen“, stellt der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Derzeit deute vieles auf eine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie hin.

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