Bitcoin könnte im Vergleich zu Gold als günstig angesehen werden

Gold und Bitcoin werden oft als „Wertspeicher“ angesehen, die auf große wirtschaftliche Kräfte wie Inflation, Zinssätze und die Stärke des US-Dollars reagieren. Der entscheidende Unterschied liegt in ihrem Verhalten. Gold ist tendenziell stabil und defensiv. Bitcoin hingegen ist volatiler, aber hat womöglich ein größeres Aufwärtspotenzial.

Derzeit scheint Bitcoin laut einer internen Analyse von WisdomTree im Vergleich zu Gold um etwa 26% unterbewertet zu sein. Das bedeutet, dass wir glauben, dass Bitcoin im aktuellen makroökonomischen Umfeld relativ günstig erscheint.

Diese Schlussfolgerung basiert auf einem Modell, das typische Geldströme nachverfolgt. Es berücksichtigt Faktoren wie Inflationserwartungen, Zinssätze, Währungstrends und die Nachfrage der Anleger. Gemäß dem Modell sollte Bitcoin Ende März 2026 im Vergleich zu Gold auf einem höheren Niveau gehandelt werden als dies derzeit der Fall ist.

Dies ist jedoch keine Vorhersage, dass der Bitcoin-Preis sofort steigen wird. Vielmehr wird eine Lücke im relativen Wert aufgezeigt, die sich – je nach wirtschaftlichen Bedingungen – im Laufe der Zeit schließen könnte.

 

Bitcoin Chart

 

Drei Szenarien zeigen, wie sich die Lücke zu Gold schließen könnte

Es ist wichtig zu verstehen, wodurch diese Lücke verursacht wird. Wenn die Zinssätze sinken oder sich die finanziellen Bedingungen lockern, profitiert Bitcoin tendenziell stärker als Gold, da Anleger eher bereit sind, Risiken einzugehen. Wenn hingegen Unsicherheit an den Märkten herrscht, performt Gold oft besser.

Inflation kann beide Vermögenswerte stützen, doch Gold reagiert in der Regel zuerst. Diese sich verändernden Bedingungen erklären, warum Bitcoin manchmal hinter Gold zurückbleibt, selbst wenn das breitere Umfeld darauf hindeutet, dass es eigentlich stärker sein sollte.

Das Prognosemodell hebt die folgenden drei Makroszenarien als die wahrscheinlichsten für die kommenden 12 Monate hervor:

  • Fortführung des Status quo: Ohne neue makroökonomische Schocks schließt sich die Lücke zwischen Bitcoin und Gold allmählich.
  • Inflationsschock: Gold schneidet zunächst besser ab, da Anleger Sicherheit suchen. Bitcoin holt später auf.
  • Risikoaversion: Wenn die Märkte schwächeln, bleibt Gold weiterhin führend und die Erholung von Bitcoin verzögert sich.

Diese Szenarien zeigen, dass zwar eine Chance besteht, der Zeitpunkt jedoch stark davon abhängt, wie sich das makroökonomische Umfeld entwickelt.

Es ist auch wichtig zu erkennen, dass es bei dieser Art von Analyse nicht um kurzfristigen Handel geht. Das Modell versucht nicht, genau vorherzusagen, wann sich die Preise bewegen werden. Stattdessen bietet es einen Rahmen, um über die Positionierung im Laufe der Zeit nachzudenken.

Die Kluft zwischen Bitcoin und Gold kann sich auf verschiedene Weise schließen: Schrittweise, wenn die Bedingungen stabil bleiben. Langsamer, wenn die Märkte vorsichtig werden. Oder ungleichmäßig, wenn die Inflation stark ansteigt. Diese Unsicherheit bedeutet, dass Anleger geduldig sein und das breitere wirtschaftliche Umfeld berücksichtigen müssen.

Die Chance liegt in der Positionierung. Zum Beispiel könnte man das Engagement in Bitcoin erhöhen, wenn es im Vergleich zu Gold günstig erscheint oder die beiden Vermögenswerte als komplementäre Bestandteile eines Portfolios betrachten, anstatt sie als Konkurrenten zu sehen.

Der wichtige Punkt ist, dass Bitcoin Gold nicht ersetzt, da beide unterschiedliche Rollen erfüllen. Wenn jedoch die Kluft zwischen ihnen groß wird, wie es derzeit der Fall ist, kann dies Chancen für fundiertere Anlageentscheidungen eröffnen.

 

Gold Chart

 

Marktkommentar von Dovile Silenskyte, Direktorin für Digital Assets Research bei WisdomTree

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