Bodenständig anlegen: Acker statt Sparkonto?

Deutsches Institut für AltersvorsorgeIn landwirtschaftliche Flächen zu investieren und damit nachhaltig Rendite zu erzielen, das kann sehr rentabel sein. Warum ist Acker trotzdem nicht für jeden etwas und welche Möglichkeiten sind vielleicht sogar zu riskant?

„Das Land ist das Einzige, wofür es sich zu arbeiten lohnt, zu kämpfen und zu sterben“, das ist wohl eines der berühmtesten Filmzitate aus dem Klassiker „Vom Winde verweht“. Der ewige Wert von Acker und Wald ist auch in Zeiten niedriger Zinsen und steigender Inflationserwartungen als Investment gefragt.

Die Preise von landwirtschaftlichen Flächen sind in den letzten Jahrzehnten vielerorts stark gestiegen. So wechselte etwa in Deutschland der Hektar Acker im Jahr 2000 noch für rund 9.000 Euro im Schnitt den Besitzer.

2019 zahlten Bauern laut Bundesamt für Statistik bereits über 26.000 Euro für die gleiche Fläche. Begehrte Äcker etwa im Umland von großen Städten können aber schnell auch mal das Zehnfache kosten.

Ist ein Investment in Scholle oder Forst also die bodenständige Alternative zu kaum mehr rentablen Sparprodukten oder schwankenden Aktien?

 

 


 

Extrem enger Markt

„Landwirtschaftliche Nutzflächen sind in der Regel ein langfristiges Anlageziel, mit dem zuletzt sehr gute Wertentwicklungen erzielt werden konnten“, sagt Stephan Witt, Kapitalmarktstratege bei der FiNUM.Private Finance AG in Berlin.

Nicht nur der mögliche Verkaufspreis spielt eine Rolle, die Verpachtung bringt eine laufende Rendite. Allerdings kommt es hier ganz entscheidend auf die Bodenqualität oder den Baumbestand an und nicht zuletzt auf die Lage.

Der Markt für landwirtschaftliche Flächen in gefragten Regionen, Lagen mit perfekt gepflegter Forstwirtschaft oder für alles geeignete fruchtbare Böden ist jedoch extrem eng. Kaufgelegenheiten gibt es in Deutschland eigentlich nur mit Insiderinformationen und bei Angeboten in der Ferne bestehen einige Risiken.

 

Achtung bei Angeboten im Ausland

Außerhalb des Euroraums können Währungsschwankungen und Inflation erhoffte Erträge schnell verpuffen lassen. „Bei Direktinvestments befinden sich die vermeintlich renditeträchtigsten Anlageobjekte in Süd- und Mittelamerika, Asien oder Osteuropa“, sagt Andreas Görler, Finanzfachmann von der Wellinvest Pruschke & Kalm GmbH aus Berlin.

Investoren können sich in der Regel außerdem kaum davon überzeugen, dass ihr Geld tatsächlich vertragsgemäß verwendet wird. Zudem gibt es Tücken und Lücken bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen im Ausland.

„Es gilt nicht ohne weiteres deutsches Verbraucherrecht“, gibt Görler zu bedenken. Außerdem: Wer durch ein solches Investment zum Klima- oder Naturschutz beitragen möchte, muss genau hinsehen.

 

Nachhaltigkeit ist nicht automatisch mit dabei

„Grundsätzlich entwickeln sich Investments, die das Thema Nachhaltigkeit mit einbeziehen, heutzutage oft besser als Produkte ohne diesen Auswahlfilter“, sagt FiNUM-Experte Witt. Es macht also unter Renditegesichtspunkten Sinn, Themen wie grüne Energien und Biolebensmittel bei der Geldanlage zu beachten.

Wem es allerdings hauptsächlich um ein gutes grünes Gewissen geht, der muss sehr genau überprüfen, was versprochen und was tatsächlich eingehalten wird. Eine Investition in landwirtschaftliche Flächen ist nicht automatisch eine gute Sache.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob eine zertifizierte Eukalyptusbaum-Monokultur in Paraguay oder ein stark gedüngtes Maisfeld zur Biospritproduktion den eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit entsprechen.

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