Altersvorsorge im Börsenbeben – was tun?

Mit großer Sorge blickten viele Anleger in den zurückliegenden Monaten auf einige Börsenbeben, vor allem wenn sie einen Großteil ihrer Altersvorsorge dort investiert haben. Ist mein Geld dort sicher oder heißt es jetzt, schnell raus aus Aktien & Co.?

„Wer kann, sollte eher abwarten“, sagt Sven Langenhan, Generalbevollmächtigter und Leiter des Investment Office beim Vermögensverwalter HRK LUNIS.

Sonst droht laut dem Anlagefachmann die Gefahr, den klassischen Anlegerdoppelfehler zu machen.

„Bei fallenden Kursen verkaufen und dann die Erholung verpassen.“

Die Erfahrung zeige, dass so an der Börse die besten Tage oft nicht mitgenommen werden, die aber einen Großteil der möglichen Rendite bringen.

Wer in die attraktive Anlageklasse Aktien investiert, sollte deswegen neben Zeit vor allem auch die Nervenstärke mitbringen, Schwankungen auszuhalten und den Vermögensaufbau so zu strukturieren, dass man sich das auch leisten kann.

 

Auf Zeit und Struktur kommt es an

Wer klug vorgesorgt hat, sollte eigentlich gar nicht in der Situation sein, mit Verlusten an der Börse verkaufen zu müssen, wenn der Lebensabend finanziert werden soll.

„Je näher der Zeitpunkt kommt, an dem geplant ist, Geld zu entnehmen, desto geringer sollte der Anteil schwankungsanfälliger Werte im Portfolio werden“, rät HRK-LUNIS-Experte Langenhan.

Nach wie vor sieht er keine wirklich bessere Alternative zur Anlageklasse Aktien für ein langfristiges Sparprojekt wie die Aufbesserung der Finanzen im Ruhestand.

Über einige Jahrzehnte bieten sich damit einfach die besten Chancen. Daran ändere auch ein eigentümlicher US-Präsident nichts.

Wer über längere Zeiträume denkt, für den fallen die immer wieder mal vorkommenden Wertschwankungen nicht so stark ins Gewicht.

Anleger hätten dagegen so die besten Möglichkeiten, vom 8. Weltwunder zu profitieren, dem Zinseszinseffekt.

Auch Anton Vetter, Vorstand des Kemptner Vermögensverwalters BV&P Vermögen AG, rät dazu, statt die Kursschwankungen an der Börse zu meiden, den Blick auf das große Ganze zu richten.

Vermögensaufbau sei ein Marathon, kein Sprint. Wer in Bewegung bleibe, komme am Ende deutlich weiter als der, der aus Angst stillsteht.

Je jünger desto aktienlastiger dürfe das Portfolio sein.

Allerdings ist es hierbei ein entscheidender Erfolgsfaktor, auf eine breite Streuung zu achten.

„Als solides Fundament eignen sich internationale Aktienindizes wie der MSCI All Country World, der Stoxx Europe 600 oder der S&P 500”, sagt Anlagefachmann Anton Vetter.

Darauf aufbauend könne man gezielt Akzente setzen, zum Beispiel mit wachstumsstarken Themen, Technologietrends oder kleineren Unternehmen mit überdurchschnittlichem Potenzial.

 

Krisen gehören zur Kapitalanlage

Grundsätzlich ist es immer eine gute Idee, nicht alles auf eine Option zu setzen, sondern zu diversifizieren.

Ganz besonders trifft das auf solch ein wichtiges Projekt wie der Altersvorsorge zu.

Das gilt einerseits für Aktieninvestments, die nicht nur aus einer Branche, Region oder einem Währungsraum stammen sollten.

Andererseits macht es auch bei den anderen Anlageklassen Sinn, verschiedene Dinge zu mischen, gerade wenn der Renteneintritt näher rückt.

„Mit steigendem Alter verlagert sich der Fokus schrittweise hin zu stabileren, defensiveren Anleihen oder Cash-Alternativen“, rät Vermögensverwalter Vetter.

Aber das ist eher keine notwendige Reaktion auf die momentane Situation an den Märkten.

Dieser Rat gilt immer, um Schwankungsrisiken zu reduzieren.

Grundsätzlich wissen erfolgreiche Anleger, dass solche Krisen zum Investieren gehören.

„Sie sind kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Spiels“, fasst das der Anlageexperte kurz und knapp zusammen.

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